Unternehmen

Übernahmekarussell kommt nur langsam in Fahrt  

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat dem Markt für Fusionen und Übernahmen einen Dämpfer versetzt. Inzwischen blicken viele Unternehmer und Investoren aber wieder optimistischer in die Zukunft. Im folgenden Beitrag analysiert Christoph Mann von der Frankfurter Corporate Finance Beratung Close Brothers die weitere Entwicklung. VDI nachrichten, Frankfurt, 12. 3. 10, ps

Im vergangenen Jahr wurden weltweit Unternehmensverkäufe mit einem Transaktionswert von rund 1200 Mrd. € angekündigt – ein Rückgang von rund 36 % im Vergleich zu 2008. Diese Zahlen meldet der Marktforscher Thomson Financial.

Wesentliche Treiber in einem weithin schwachen Markt waren 2009 kleine und mittelgroße Transaktionen sowie Übernahmen angeschlagener Unternehmen.

Auf Käufer- und Verkäuferseite prägten wie 2008 abermals strategische Investoren das Bild. Mit einem Anteil von nur rund 8 % am weltweiten Volumen von Mergers & Acquisitions (M&A) war es für Private Equity Häuser hingegen das schlechteste Jahr seit 2002.

Welche Entwicklung zeichnet sich in diesem Jahr in wichtigen Wirtschaftszweigen ab?

Automobil

Der deutsche Automobilmarkt präsentiert sich derzeit zweigeteilt: Einer sehr schwachen Binnennachfrage stehen deutliche Zuwächse im Export gegenüber. Nach dem künstlichen Boom durch die Abwrackprämie gab es im Februar 2010 in Deutschland 30 % weniger Neuzulassungen als noch im Vorjahr. Die Auslandsnachfrage hingegen stieg den fünften Monat in Folge.

Die großen Automobilhersteller sollten dank Kapazitätsanpassungen und Kostensenkungsprogrammen für dieses Jahr deutlich besser aufgestellt sein als 2009.

Wesentlich dramatischer sieht die Situation bei den Zulieferern aus. Nach einigen spektakulären Insolvenzen, wie z. B. Edscha, Karmann, Plastal, TMD Friction und Stankiewicz, droht nun eine weitere Welle von 50 bis 100 Insolvenzen.

Ein großer Teil der Transaktionen wird deshalb wieder auf das Konto angeschlagener Unternehmen gehen. Daneben werden in diesem Jahr ein weiter anhaltender Konsolidierungsdruck und strategische Überlegungen der Automobilproduzenten die M&A-Landschaft bestimmen.

Beispielhaft stehen hierfür der Einstieg von arabischen Großinvestoren bei VW (Qatar Investment Authority) und Daimler (Aabar Investment PJSC) im vergangenen Jahr.

Maschinenbau

Nach dem verheerenden Einbruch um 38 % im letzten Jahr lag der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau im Januar abermals um 3 % unter dem des Vorjahres. Die sehr schwache Inlandsnachfrage konnte vom traditionell starken Exportgeschäft nicht aufgefangen werden. Kurzarbeit, Stellenstreichungen und geringere Produktionszahlen sind die Folge.

Trotz eines Jahresumsatzes von zuletzt 151 Mrd. € und seiner herausragenden Bedeutung für die deutsche Wirtschaft wird der Maschinen- und Anlagenbau auch 2010 keine nennenswerte Rolle im M&A-Markt spielen. Transaktionen wie die Übernahme der Lewa Pumpen durch den japanischen Wettbewerber Nikkiso sollten dieses Jahr eher die Ausnahme bleiben.

Chemie

Nach einem historischen Tiefpunkt zur Jahresmitte 2009 hat die chemische Industrie wieder an Fahrt gewonnen. Besonders der Export und die Nachfrage aus Asien, Südamerika und Osteuropa stützen die Aufwärtsbewegung. Die Kapazitätsauslastung stieg von 72 % im Oktober 2009 auf 78 % zum Jahresende.

Trotz der guten Entwicklung sind viele Unternehmen noch mit den Auswirkungen der Rezession beschäftigt. Die Erholung wird 2010 daher eher langsam und ungleichmäßig verlaufen. Sie leidet noch unter den in der Vergangenheit geschaffenen Überkapazitäten.

Transaktionen dürften sich mehrheitlich auf den Verkauf von unprofitablen Unternehmensteilen und strategischen Randaktivitäten beschränken. Bilanzstarke Unternehmen könnten das gegenwärtige Marktumfeld nutzen, um Akquisitionen zur Portfolioabrundung zu tätigen (etwa in der Spezialchemie).

Energie

In der Energiebranche wurden 2009 einige große Deals getätigt. Die größte Transaktion war der Erwerb des niederländischen Versorgers Essent durch RWE für 7,3 Mrd. €, gefolgt vom Verkauf der Thüga durch E.on an ein kommunales Erwerberkonsortium für 2,9 Mrd. €

Für 2010 kündigt sich bereits die nächste Milliarden-Transaktion an. Evonik hat vor wenigen Wochen den Verkauf seines Energieversorgers Steag eingeläutet und rechnet mit regem Interesse aus dem In- und Ausland.

Wesentliche Transaktionen im Bereich Erneuerbare Energien waren 2009 der Verkauf der SSB Wind Systems an Emerson und die Übernahme der Aleo Solar durch Bosch. Im Vergleich zur Windenergie kämpft die Solarindustrie allerdings mit massiven Überkapazitäten, sinkenden Preisen und schwindender politischer Unterstützung.

Besonders die Branchenführer Q-Cells und Conergy stehen nach verlustreichem Jahr unter massivem Druck und werden Kooperationen und Zusammenschlüsse mit anderen Unternehmen in Betracht ziehen.

Finanzdienstleistungen

Am deutlichsten hat sich die Finanzmarktkrise auf das Dealverhalten im Finanzdienstleistungssektor ausgewirkt. Über den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) war der deutsche Staat im vergangenen Jahr durch Beteiligungen u. a. an Commerzbank, Hypo Real Estate und WestLB der bedeutendste Akteur.

Die sich weiter verstärkende Konsolidierung wird mit einer Konzentration der Banken auf Kernfunktionen einhergehen. Zahlreiche Tochtergesellschaften und Geschäftsbereiche werden dabei auf den Prüfstand gestellt und zur Veräußerung kommen (etwa BHF Asset Servicing).

Profiteur und Taktgeber dieser Entwicklung dürfte 2010 wohl auch wieder die Deutsche Bank sein. Der Branchenführer in Deutschland treibt seit vielen Jahren den Ausbau seines Privat- und Firmenkundengeschäfts voran (Übernahme von Postbank, Sal. Oppenheim, Norisbank, Berliner Bank, Commercial Banking der ABN Amro).

Ein neuer Trend in der Zusammenarbeit zwischen den Banken zeichnet sich derweil in Frankreich ab. Dort werden zahlreiche Joint Ventures z. B. im Bereich der Konsumentenkredite, des Asset Managements und im Online Banking geschlossen (z. B. Crédit Agricole und Société Générale).

Fazit

Dank der ersten positiven Signale aus einigen Branchen kann man in diesem Jahr von einer Stabilisierung des M&A-Marktes auf niedrigem Niveau ausgehen. Dabei werden Übernahmen krisengeschüttelter Unternehmen und Konsolidierungstransaktionen ein wichtiger Markttreiber bleiben.

Auf der Käuferseite werden Industriekonzerne weiter dominieren. Sie sind bereit, bei interessanten Akquisitionen strategische Prämien zu zahlen. Das Comeback von Private Equity Investoren hängt davon ab, ob sich der Bankenmarkt öffnet und adäquates Fremdkapital (besonders für Mittelstandstransaktionen) bereitsteht. Erst dann sind Finanzinvestoren wieder voll wettbewerbsfähig. CHRISTOPH MANN

Christoph Mann ist Manager im Bereich Mergers & Acquisitions bei Close Brothers Corporate Finance in Frankfurt. Das Beratungsunternehmen ist eine Tochter der japanischen Investmentbank Daiwa Capital Markets.

Von Christoph Mann

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