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Trotz Schatten gibt es auch Lichtblicke  

VDI nachrichten, Frankfurt, 20. 6. 08, Fr – Für Familienunternehmen rangiert Deutschland als Standort laut einer Studie nur im Mittelfeld. Auf einer vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelten Rangliste belegt Deutschland den 12. Platz. Kritisiert wird die hohe Regulierungsdichte, positiv hervorgehoben werden Transportinfrastruktur und Rechtssicherheit. Insgesamt ist die Grundstimmung aber positiv.

Deutschland liegt auf dem 12. Platz, nicht im Fußball, aber in einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), die eine Rangfolge für 18 OECD-Staaten hinsichtlich der für Familienunternehmen wichtigen Standortfaktoren ermittelte.

Auch in der Einzelwertung für den Faktor „Steuern“ befindet sich Deutschland auf diesem letzten Platz des mittleren Drittels. Bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse nannte ZEW-Studienleiter Friedrich Heinemann unter mehreren Gründen für dieses schlechte Abschneiden besonders die Erbschaftsteuer: „Ganz klar – Deutschland ist ein Land, das seine Unternehmen im Erbschaftsfall recht hoch belastet.“

Eine Reihe von Ländern hätten überhaupt keine Erbschaftsteuer mehr oder wollten sie wie etwa Österreich abschaffen. Interessant sei in diesem Zusammenhang, dass ein Land wie Schweden, das als Symbol für Umverteilung gelte, ohne Erbschaftsteuer auskomme. Deutschland könne sich um einige Rangplätze verbessern, falls die geplante Steuerreform bei den Familienunternehmen tatsächlich greife. Ansonsten werde das Land an das Ende der Rangskala abrutschen.

In der ZEW-Studie, die von der Stiftung Familienunternehmen in Auftrag gegeben wurde, gibt es jedoch auch Lichtblicke für Deutschland: Beim Faktor „Infrastruktur“ ist das Abschneiden mit Rang 4 erfreulich gut. Die Bundesrepublik liegt in allen Infrastruktur-Dimensionen – Transport, Information und Kommunikation, Rechtssicherheit, Korruptionskontrolle sowie Kriminalität – vor den USA wie auch über dem Durchschnitt Westeuropas. Die USA seien bei der Infrastruktur-Komponente „Kriminalität“ besonders schwach, merkte Heinemann an.

Auch im Infrastrukturvergleich mit Osteuropa hat Deutschland die Nase vorn. Hier kommen die spezifischen Schwächen der osteuropäischen Standorte zum Tragen. So kann Polen keine Punkte bei praktisch allen Infrastruktur-Merkmalen sammeln. „Polen ist ein Negativ-Referenzfall für Infrastruktur in nahezu allen Dimensionen, Slowakei und Tschechien dagegen haben sich bei den Kriminalitätskosten positiv entwickelt und auch in den anderen Dimensionen deutlich von Polen abgesetzt“, ergänzte der ZEW-Experte.

Hieran sehe man auch, warum die osteuropäischen Staaten Niedrigsteuer-Standorte sein müssten: Wenn noch Defizite in vielen Dingen erkennbar seien, dann müsse man diese auf andere Weise kompensieren, und so sorge die niedrige Unternehmenssteuer für einen Ausgleich.

Zieht man alle untersuchten Standortfaktoren – Steuern, Arbeitskosten, Produktivität und Humankapital, Regulierung, Finanzierung sowie öffentliche Infrastruktur – zum Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich, Großbritannien sowie Italien als auch den übrigen großen Staaten Westeuropas heran, lassen sich auch hier wieder die spezifischen deutschen Stärken erkennen. Sie liegen in den Bereichen öffentliche Infrastruktur und Finanzierung. „In allen anderen Gebieten steht Deutschland schlechter da“, bedauerte Heinemann.

Bei der Regulierung erziele Deutschland die miserabelsten Werte, der ganze Komplex Arbeit sei für die Bundesrepublik relativ unvorteilhaft, und auch bei den Steuern hielte das Land dem Vergleich mit den Konkurrenten nicht stand. Lediglich die Position von Italien sei noch viel ungünstiger.

Die Osteuropäer punkten gegenüber Deutschland außer bei den Steuern auch im Bereich Arbeit. „Und zwar nicht nur, weil sie Billigarbeitsplätze anbieten, sondern sich auch die Produktivität günstig entwickelt habe“, stellte Heinemann fest. Ebenso seien die osteuropäischen Staaten im Bereich „Regulierung“ besser aufgestellt, wobei Abstriche bei Polen zu machen seien.

Rainer Hribar, Vorstandsvorsitzender der VBH Holding AG, die Weltmarktführerin im Handel mit Baubeschlägen ist und sich im Familienbesitz befindet, meinte zu den Ergebnissen der ZEW-Studie, dass das Länder-Ranking nach seiner Einschätzung durchaus aussagefähig sei. Wenn man als deutscher Unternehmer die Spitzengruppe mit Großbritannien, Dänemark, der Schweiz und Finnland betrachte, so könne man sich schon über die hohe Abgabenlast und den ausgedehnten Regulierungsdschungel ärgern. Dazu komme im Erbfall unter Umständen sogar die Gefährdung der Existenz.

Aber er kenne trotzdem niemanden, der aufgrund der ZEW-Erkenntnisse die Produktion in die Schweiz oder nach Finnland verlagern würde. „Wir gehen in die Länder, weil wir den Markt sehen“, betonte Hribar. Der von den deutschen Verhältnissen erzeugte Leidensdruck ist zumindest von diesem Familienunternehmen noch gut zu ertragen. ULRICH W. SCHAMARI

www.familienunternehmen.de

Von Ulrich W. Schamari

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