Personalmanagement

Trotz Personalabbau Ingenieure gesucht

Jetzt und in Zukunft, so Personalvorstand Peter Pribilla, sind für Siemens, trotz der schwierigen konjunkturellen Situation, hoch qualifizierte Ingenieure mit Informatik-Kenntnissen von eminenter Bedeutung.

VDI nachrichten: Herr Pribilla, Siemens hat angekündigt, weltweit mindestens 17 000 Stellen abzubauen. Davon einen Großteil im Telekommunikationsbereich und zumindest über die Hälfte in Deutschland. Wie sieht nun die aktuelle Situation speziell für Ingenieure aus?

Pribilla: In Deutschland besteht nach wie vor ein großer Fachkräftemangel, insbesondere bei Ingenieuren. Dieser Mangel wird, sobald sich die wirtschaftliche Situation entspannt hat, auch wieder stärker sichtbar werden. Und obwohl auch wir in einigen Bereichen Kapazitätsanpassungen vornehmen müssen, stellen wir gleichzeitig neue Mitarbeiter ein. Unser wirtschaftlicher Erfolg beruht auf Innovationen. Deshalb suchen wir nach wie vor in vielen Bereichen hoch qualifizierte Ingenieure. Es lohnt sich also, sich zu bewerben.

VDI nachrichten: Welche konkreten Möglichkeiten hat ein so breit gefächerter Konzern wie Siemens, einen solchen Personalabbau sozialverträglich abzufedern? Immerhin haben Sie vor kurzem gesagt, dass Siemens daran gemessen würde, wir fair sich das Unternehmen in dieser Situation verhalte.

Pribilla: Die aktuelle Lage des Konzerns erfordert es leider auch, dass wir das Thema Stellenabbau sehr sorgfältig prüfen. Dabei versuchen wir in erster Linie, Stellen über interne Versetzungen, über Altersteilzeit-Regelungen und auch mit Hilfe von Abfindungen an die entsprechenden Mitarbeiter, abzubauen. Dabei ist es natürlich in unserem ureigensten Interesse, das Know-how erfahrener Mitarbeiter nicht zu verlieren. Aus diesem Grund versuchen wir auch, mit innovativen Ideen gute Mitarbeiter zu halten. So hat unser Bereich Information and Communication Mobile das Projekt „Time Out“ gestartet, das den Mitarbeitern ermöglicht, gegen eine entsprechende Gehaltsreduzierung eine Auszeit von drei Monaten bis zu einem Jahr zu nehmen. In dieser Zeit könnten die Mitarbeiter beispielsweise an Bildungsmaßnahmen teilnehmen oder sich sozial engagieren. Seien Sie versichert, niemand bei Siemens geht mit dem Thema Stellenabbau leichtfertig um.

VDI nachrichten: Und trotz dieser Entwicklung sucht Siemens weiter auf hohem Niveau Ingenieure. Über 3000 sollen es in diesem Jahr werden. Wie erklären Sie diesen scheinbaren Widerspruch?

Pribilla: Tatsache ist, dass es uns trotz aller Bemühungen nicht gelingt, unseren Bedarf an IT-Spezialisten vollständig zu decken. Es werden in vielen Bereichen sehr spezifisch ausgebildete, hoch qualifizierte Ingenieure benötigt. Das ist auch der Grund dafür, dass wir konzernweit teilweise nach wie vor spezifisch qualifizierte Fachkräfte suchen. Das mag wie eine paradox anmutende Situation klingen, spiegelt jedoch auch die allgemeine Arbeitsmarktlage in Deutschland wider.

VDI nachrichten: Welche Rolle spielen in Zukunft bei der Personalplanung des Unternehmens Informatiker?

Pribilla: Ich warne auch mit dem Blick auf die aktuellen Einschreibungszahlen an den Hochschulen vor dem Schmalspurinformatiker, der nur die Informatik beherrscht. Von diesen Leuten brauchen wir nur eine begrenzte Zahl. Von eminenter Bedeutung für die Industrie werden vielmehr Ingenieure und Naturwissenschaftler mit Informatik-Kenntnissen sein bzw. Informatiker, die anwendungsbezogen arbeiten können. Ganz eindeutig aber ist die zentrale Rolle der Informatik, die alle Bereiche beeinflussen wird.

VDI nachrichten: Und warum nun soll ein junger Ingenieur sein Glück bei Siemens suchen?

Pribilla: Seit 18 Monaten gelten wir in fast allen Umfragen bei Ingenieuren als der beliebteste Arbeitgeber in Deutschland. Wir sehen die Ursache nicht so sehr in der aktuellen konjunkturellen Unsicherheit, also der Suche eines Hochschulabsolventen nach der Sicherheit eines großen Konzerns. Für uns ist der Auslöser die gerade für Ingenieure hohe Attraktivität eines globalen Unternehmens, das sich ständig neuen technischen Herausforderungen, etwa in der Kommunikation, der Logistik oder der Medizintechnik stellt.

VDI nachrichten: Wie beschreiben Sie denn die typische Karriere eines Hochschulabsolventen?

Pribilla: Manche jungen Leute fragen bei der Einstellung: Kann ich für Euch nach Amerika gehen? Die Antwort: Im Prinzip gerne, aber arbeite erst einmal drei Jahre in Deutschland. Der neue Mitarbeiter zunächst das Unternehmen kennen lernen und sich ein Netzwerk aufbauen. Nichts ist frustrierender, als in Singapur zu sitzen und niemanden im Unternehmen zu kennen.

VDI nachrichten: In welchem Bereich fängt er an?

Pribilla: Es gibt natürlich die verschiedensten Möglichkeiten bei Siemens: Ein Hochschulabsolvent kann beispielsweise in der Entwicklung, in der Projektierung, im Vertrieb, aber auch in der Fertigung oder im Servicegeschäft beginnen. Ingenieure starten ihre Karriere oft in der Entwicklung, dann wechseln sie in den Vertrieb, und gehen vielleicht auch ins Ausland. Parallel dazu ist es wichtig, verschiedene Siemens-Bereiche kennen zu lernen. Bei der regelmäßigen Beurteilung zählt dann nur noch die Leistung. Eine Promotion beispielsweise spielt keine Rolle mehr für die nächsten Entwicklungsschritte.

VDI nachrichten: …… zu denen die Teilnahme an einem Management Learning-Programm gehört?

Pribilla: Natürlich lassen wir unsere Mitarbeiter nicht allein durch die Siemens-Welt laufen. In unseren weltweiten Management-Programmen werden geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihre Arbeit in Schlüsselpositionen des Konzerns vorbereitet. So werden beispielsweise Defizite bei Präsentationstechniken ausgeglichen oder die Selbstverantwortung für den Lernprozess in einem dezentralen Konzern gefördert. Hier gibt es bei deutschen Ingenieuren erheblichen Nachholbedarf, fachlich sind sie dagegen ihren amerikanischen Kollegen häufig überlegen.

VDI nachrichten: Wie finden Sie denn Ihren Top-Nachwuchs?

Pribilla: Eine Möglichkeit sind unsere engen Kontakte zu deutschen und internationalen Universitäten. Die zweite sind interne Personalgespräche mit unseren Managern, in denen förderungswürdige Mitarbeiter erkannt und weiter entwickelt werden. Darüber hinaus werden die Daten dieser High Potentials in einer Datenbank gespeichert. Die Mitarbeiter pflegen ihre Daten selbst. Damit können sie sich nach dem Traumjob im Haus umsehen, die Chefs nach guten Leuten. Wir müssen dem Top-Nachwuchs spannende Aufgaben anbieten können, sonst suchen sie sich schnell in anderen Unternehmen neue Herausforderungen.

VDI nachrichten: Sie selbst schauen sich persönlich auch als Professor an der TU München um?

Pribilla: Vorlesungen halte ich, weil es mir viel Spaß macht und ich davon überzeugt bin, dass jungen Ingenieuren die Verbindung von Management und Technologie vermittelt werden muss. Meine Vorlesungen sind nur für fertige Ingenieure, die sich auf ein MBA-Studium vorbereiten. Vorgeschrieben ist dabei eine Semesterarbeit in einem Unternehmen. Da werden häufig Projekte abgewickelt, für die wir bei Beratern eine Menge Geld zahlen müssten.   GREGOR FRECHEN

 

Nachwuchsförderung

Programme für Schüler und Studenten

Siemens fördert über das Programm Jugend und Wissen zum Beispiel im Internetbereich Schulwettbewerbe in Deutschland, Rußland und Tschechien. An den Siemens Technik Akademien in Deutschland werden Abiturienten zu Industrietechnologen ausgebildet, die anschließend im ingenieurnahen Bereich arbeiten. An Hochschulen unterstützt Siemens innovative Studiengänge, vergibt Stipendien speziell auch für hoch begabte Studenten. Mit dem Student Programm und dem Graduate Programm schließlich werden junge Akademiker auf spätere Führungsaufgaben vorbereitet.  Fr

 

 

Zur Person

Peter Pribilla

Peter Pribilla ist seit 1994 Mitglied des Vorstandes der Siemens AG. Der an der TU München als Dipl.-Ing. für Nachrichtentechnik ausgebildete Pribilla übernahm 1995 im Vorstand die Verantwortung für die öffentlichen Kommunikationsnetze in München. Seit Januar 1998 ist er Personalvorstand und Arbeitsdirektor.  Fr

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