Personalmanagement

Trotz grauer Haare weiter spitze  

VDI nachrichten, München, 13. 7. 07, Fr – Wie wirkungsvoll die Zusammenarbeit zwischen jüngeren und älteren Mitarbeitern ist, erfährt Audi gerade bei der Montage des R8. Personalvorstand Werner Widuckel versteht den demographischen Wandel als Herausforderung, vergisst dabei auch nicht, an Prävention und Gesundheitsförderung zu denken.

Schauen Sie mich an“, sagt der 53-jährige Jürgen Nölte, lacht und deutet auf seine grauen Haare. Nölte ist Fertigungsgruppenleiter mit der Verantwortung für zwei Teams mit je einem Dutzend Mitarbeiter in der Audi R8-Montage in Neckarsulm. Unter ihnen sind etwa die Hälfte „SilverLiner“, also Mitarbeiter über 40 Jahre, die gezielt die ansonsten sehr junge Mannschaft in der R8-Montage ergänzen. Dieses Pilotprojekt zeigt erstmals, wie sich Personalvorstand Werner Widuckel die Zukunft vorstellt: dem demographischen Wandel als gestaltbare Herausforderung entgegenzutreten.

Audi hat heute eine optimale Altersverteilung in seiner Belegschaft. Das Durchschnittsalter beträgt 40 Jahre. Die Mehrzahl der Mitarbeiter geht ab 60 in Altersteilzeit. „Doch schon in fünf Jahren sieht das anders aus,“ erläutert Widuckel. „Um die Beschäftigungsfähigkeit unserer Mitarbeiter zu erhalten und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, müssen wir vorausschauen.“ So nutzt der Personalvorstand die aktuelle Strategie-Diskussion des Unternehmens, um heute bereits die Weichen für das Jahr 2015 zu stellen.

Seine Lösungsansätze präsentierte der Automobilhersteller auf einem „Best Practice Forum“, ausgerichtet von der Basi (Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit), zu dem auch Prof. Dr. Klaus Scheuch vom Institut für Arbeits- und Sozialmedizin der TU Dresden als Gastredner geladen war. Scheuch, der zum Thema „Psychische Gesundheit“ referieren sollte, holte weit aus, um den Bogen von der individuellen Lebensführung bis zum Verständnis des demographischen Wandels als beherrsch- und nutzbarer Herausforderung und damit als Chance für Ältere zu schlagen.

Die Sichtweise der Arbeitsbelastung ins rechte Licht zu rücken, war Scheuch“s wichtigster Ansatz: „Wenn in Deutschland Befragungen konzipiert werden, fragen wir zuerst nach den ¿Leiden“, die durch die Arbeit hervorgerufen werden“, hält Scheuch fest und folgert: „Damit stellen wir unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit tendenziell unter den Scheffel. Denn Tatsache ist: Wer ohne Arbeit ist, ist häufig kränker, als jene, die über Arbeitsbelastungen klagen – auch wenn die Statistiken etwas anderes sagen.“

Scheuch führt aus, dass hierzulande vielfach Tätigkeitsbeschreibungen mit Gefährdungsanalysen verwechselt würden, was dazu führt, dass „psychische Belastungen“, die als neutraler Begriff notwendig seien, um der Anforderung des Arbeitslebens angemessen zu begegnen, kaum von Fehlbelastungen abgegrenzt würden.

„Letztlich entscheidet das Individuum bzw. seine persönliche Beurteilung der Belastung, wann und wo eine Fehlbelastung beginnt“, erläutert der Medizinprofessor. Wie sonst wäre es auch zu erklären, dass von jenen 17 % der arbeitenden Bevölkerung, die sich an der Leistungsgrenze bewegen, zwei Drittel von sich sagen, sie seien sehr bzw. überbelastet, während ein Drittel nichts dergleichen verspürt oder bemängelt. „Zu viel kann ebenso zu Fehlbelastung führen wie zu wenig“, weiß Scheuch und kommt zu dem Schluss, dass daraus die Formel abzuleiten sei „nicht reduzieren, sondern optimieren“.

Dazu will Scheuch ermutigen, indem er betont: „Demographiewandel ist nur über psychische Belastungen in Kombination mit Qualifizierung zu verkraften. Interessanterweise sind es exakt jene älteren Mitmenschen, die ab einem gewissen Qualifikationsniveau und ausgestattet mit der Bereitschaft, sich psychischen Belastungen auszusetzen, länger leben und selbst bei chronischer Krankheit leistungsfähig bleiben.“

Hilfreich für die Erhaltung der Leistungsfähigkeit älterer Mitarbeiter ist laut Scheuch eine differenzierte Arbeitsgestaltung, die Belastungswirkungen berücksichtigt und Prävention und Gesundheitsförderung integriert. Hier treffen sich seine Vorstellungen mit jenen von Audi-Personalchef Widuckel: „Unser Anliegen ist es, dass unsere Mitarbeiter gesund in Rente gehen – unabhängig davon, ob sie dies mit 62 oder 67 Jahren tun.

Ein Aspekt dabei ist, Arbeit nicht nur als Mühsal sondern auch als positive Teilhabe an der Gesellschaft zu betrachten und sich auch im fortgeschrittenen Alter Herausforderungen zu stellen, die Perspektiven eröffnen.“ Um derartige Entwicklungsmöglichkeiten offenzuhalten, macht Audi künftig einen Aufstieg ins Management bis Anfang 50 möglich.

Aber auch Modelle der flexiblen Lebensarbeitszeitgestaltung beispielsweise mithilfe von flexiblen Zeitwertpapieren sind im Gespräch. Neben der altersgerechten Ausgestaltung von Arbeitsbedingungen wird derzeit auch das Thema „alterns- und altersgerechte Führung“ – in Verbindung mit einem generationenübergreifenden Verständnis – Bestandteil der Management-Ausbildung.

„Wir vertreten einen nachhaltigen, dauerhaften Ansatz“, betont Widuckel und weist darauf hin, dass dies nicht nur als Aufgabe der Personalarbeit gesehen werden dürfe, sondern hierzu Personalabteilung, unternehmensweite Projektorganisation und Betriebsrat zusammenwirken. THEA PAYOME

Von Thea Payome
Von Thea Payome

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

Energie und Wasser Potsdam GmbH-Firmenlogo
Energie und Wasser Potsdam GmbH Wirtschaftsingenieur als Fachbereichsleiter Technischer Einkauf (m/w/div.) Potsdam
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Bauingenieur*in / Umweltingenieur*in als Betriebshofleitung (m/w/d) München
Total Deutschland GmbH-Firmenlogo
Total Deutschland GmbH Leiter (m/w/d) Produkttechnik & Rangemanagement Berlin
terranets bw GmbH-Firmenlogo
terranets bw GmbH Ingenieur (m/w/d) Elektrotechnik als Leiter (m/w/d) der Betriebsanlage Stutensee-Blankenloch
VPA Prüf- und Zertifizierungs GmbH-Firmenlogo
VPA Prüf- und Zertifizierungs GmbH Prüfstellenleitung / Laborleitung (w/m/d) Remscheid
über RSP Advice Consulting & Coaching-Firmenlogo
über RSP Advice Consulting & Coaching Leitung Werksplanung und Instandhaltung (d/m/w) keine Angabe
Bayernwerk AG-Firmenlogo
Bayernwerk AG Leiter Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umwelt (HSE) (w/m/d) Regensburg, München
HEKUMA GmbH-Firmenlogo
HEKUMA GmbH Fachbereichsleiter (m/w/d) Service im Sondermaschinenbau Hallbergmoos
Viessmann Group-Firmenlogo
Viessmann Group Leiter Entwicklung Großwärmepumpen (m/w/d) Dresden, Allendorf (Eder)
voestalpine Turnout Technology Germany GmbH-Firmenlogo
voestalpine Turnout Technology Germany GmbH Konstruktionsleiter (w/m/d) Bahnanlagen Gotha

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.