Personalmanagement

Trainees müssen auch den Blaumann anziehen

VDI nachrichten, Berlin, 24. 9. 04 -Als europäischer Marktführer gilt der Landmaschinenhersteller Claas spätestens seit der Übernahme der Traktorsparte von Renault. Der Erfolg des Unternehmens mag auch damit zusammenhängen, dass die Ausbildungsquote deutlich über dem Branchendurchschnitt liegt. Tradition hat außerdem die langjährige Zusammenarbeit mit der Berufsakademie Stuttgart.

Der „Terminator“ lehrte nur seinen Gegner auf der Kinoleinwand das Fürchten. Der „Dominator“ dagegen setzte seinen Konkurrenten im wirklichen Leben gehörig zu, und das weltweit und über Jahre hinweg: ein tonnenschwerer Gigant mit dem unersättlichen Arbeitseifer, die Ernte schneller und effizienter als alle anderen einzufahren. Dominator, das ist die erfolgreichste Mähdrescher-Baureihe der Welt aus dem Hause Claas. Der 1913 gegründete Familienbetrieb aus Harsewinkel in Ostwestfalen ist Europas Marktführer unter den Landtechnik-Konzernen und weltweit bereits auf Platz vier vorgerückt.
Erst letztes Jahr sorgte Claas mit einem spektakulären Coup dafür, dass die US-Traktorriesen erneut erzitterten: Die Harsewinkler hatten 51 % der Traktorsparte von Renault übernommen. Zu den 6000 „Claasianern“ kamen damit 2000 weitere Mitarbeiter von Renault Agriculture, das bis 2010 zu 100 % übernommen werden soll. Ein Paukenschlag, denn durch den Einstieg in den Traktorenmarkt mauserte sich Claas urplötzlich zum Vollanbieter. Vorbei die Zeiten, in denen man sich mit den Sparten Mähdrescher, Feldhäcksler und Heuernte-Maschinen zufrieden gab. Doch auch dort sorgen Claas-Produkte immer wieder für Aufsehen wie etwa das Kernprodukt Mähdrescher: Das riesige neue Flaggschiff „Lexion“, wieder ein weltweiter Superlativ, ist mit GPS-Steuerung und Computerprogrammen ausgerüstet, die beim Abernten für die Felder jeweils die optimale Düngemenge für die nächste Ernte berechnen. Die Fahrerkabine ist schallgedämpft und klimatisiert, die Fahrspur wird per Laser automatisch eingehalten, während das Display aktuell Kornverlust und Ausbeute pro Quadratmeter Erntefeld anzeigt.
„First mover“ der Branche wolle man sein, betont Rüdiger Günther, Sprecher der Geschäftsführung. Allein die jüngsten Innovationen des neuen Claas-Feldhäckslers sorgten für einen erneuten Leistungssprung, der seine Position als Weltmarktführer noch ausbaute. Von solchen technischen Raffinessen können sich die Kunden noch vor dem Kauf auf dem angrenzenden Vorführhof von Landwirt Arnold Loermann selbst überzeugen.
Das Claas-Erfolgsgeheimnis gründet sich vor allem auf den internen Bildungsehrgeiz. So beläuft sich der jährliche Aufwand allein für die Personalentwicklung auf über 6 Mio. €, die Ausbildungsquote liegt mit 7,5 % in den produzierenden Werken deutlich über dem Branchendurchschnitt. Teil des umfangreichen Aus- und Weiterbildungssystems ist ein dualer Studiengang im Rahmen der 20jährigen Zusammenarbeit mit der Berufsakademie Stuttgart, den Claas bis zu 30 Studierenden finanziert. Im Gegenzug müssen sie 36 Wochen ihrer Studienzeit im Unternehmen arbeiten. Das gilt auch für die 18 Trainees, die für sechs Wochen im Blaumann ans Fließband müssen. Dabei sind ihre späteren Karriereaussichten ausgesprochen motivierend: rund 70 % der neuen Stellen bei Claas werden aus den eigenen Reihen besetzt.
Vorgelebt wird dieser Ehrgeiz vom Firmenpatron höchst persönlich. Gründersohn Helmut Claas ist auch mit 77 Jahren weit mehr als nur der Aufsichtsratsvorsitzende. Immer ist er im Unternehmen präsent, auch bei Vorträgen der jungen Claas-Mitarbeiter taucht „HC“ unangemeldet auf, besucht Jobbörsen an Hochschulen und überrascht seine Mitarbeiter mit Anrufen am Arbeitsplatz. Bei der jüngsten Verleihung des „Award of Merit“, der höchsten Auszeichnung der britischen Agraringenieure, erlaubte er sich einen kurzen Blick zurück: „Ich habe nie bereut, Ingenieur in der Landtechnik geworden zu sein, wo es mir immer darum ging, das Leben unserer Kunden einfacher und effizienter zu gestalten.“
Doch längst geht der Blick bei Claas wieder nach vorn. Zwar galt 2003 für die deutsche Landmaschinentechnik aufgrund der schlechten Ernte als Katastrophenjahr und so musste auch Claas nach jahrelangen Zuwächsen im letzten Jahr erstmals einen Gewinneinbruch von 32,5 Mio. € auf 18 Mio. € hinnehmen. Doch während der Landmaschinenverband HAG in Essen auch das laufende Geschäftsjahr seiner Mitglieder als „weiter anhaltende Talsohle“ beschreibt, profitiert Claas von seiner internationalen Strategie mit besten Aussichten auf riesige neue Märkte. So rühmt Claas-Chef Günther Indien als „das am meisten unterschätzte Schwellenland“, statt die Absatzschwäche bei deutschen Bauern zu beklagen. Denn auch darauf ist man durch den Renault-Deal mit deren 20 %iger Beteiligung am indischen Schlepperhersteller ITL längst vorbereitet.
Daneben gilt vor allem Südrussland mit den fruchtbarsten Böden der Welt als Traum für deutsche Mähdreschertechnologie. Denn noch werden dort wegen technischer Probleme der eigenen Produkte jährlich Ernteverluste hingenommen, die laut Expertenschätzungen die gesamte Getreideernte in Deutschland übersteigen. Kein Wunder, dass Claas im südrussischen Krasnodar bereits ein eigenes Werk bauen lässt, das schon bald 1000 Mähdrescher pro Jahr produzieren soll.
Ein Kontrast, wie er schärfer kaum sein kann. Denn der Druck auf dem deutschen Markt setzt vielen kleinen Landmaschinenherstellern so gewaltig zu, „dass einige bei unserer jüngsten Umfrage zu den Geschäftsaussichten meinten: Wenn es so bleibt, machen wir bald zu“, so HAG-Geschäftsführer Ulrich Beckschulte.
Bei Claas dagegen sucht man Sorgenfalten vergeblich. Selbst der Renault-Coup hat sich sogar auf dem deutschen Markt schnell ausgezahlt: „Die ehemaligen Renault-Traktoren haben dank der grünen Claas-Farbe und des neuen Images in einer Größenordnung dazugewonnen, die keiner erwartet hat“, staunt Ulrich Beckschulte. Allein die erfolgsgewohnten „Dominator-Bauer“ waren nicht überrascht. ANDREAS LEIMBACH

 

Von Andreas Leimbach

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