Management

Top-Manager verantworten sich vor Gericht

VDI nachrichten, Dortmund, 23. 1. 04 -In Düsseldorf soll geklärt werden, ob die Millionenzahlungen an die Ex-Mannesmann-Manager nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich angreifbar sind. Ob es so weit kommt, ist aber fraglich.

Mit Milliarden- und Millionen-Beträgen jonglierten vor vier Jahren wie selbstverständlich die Manager bei der Übernahmeschlacht um den Mobilfunker Mannesmann AG: Auf die unvorstellbare Summe von 180 Mrd. € schnellte dabei der Wert des Düsseldorfer Traditionsunternehmens, insgesamt 57 Mio. € an Prämien und Pensionen wurden anschließend an die Akteure ausgeschüttet. Vorgestern begann vor der 14. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Düsseldorf die juristische Aufarbeitung dieser Sonderzahlungen.
Die Jahre 1999/2000 standen im Zeichen der Hightech-Hype, alles schien beim Mobilfunk möglich. Nach einer monatelangen und beispiellosen Abwehrschlacht gegen den Aufkäufer Vodafone unter ihrem Chef Chris Gent verlor die Mannesmann AG unter ihrem Chef Klaus Esser ihre Eigenständigkeit. Das frühere Montanunternehmen wurde dabei „wertvoll“, die Mannesmann-Aktie erklomm immer neue Höchststände. Das Mannesmann-Management samt einiger Pensionäre bekam anschließend einen millionenschweren „goldenen Handschlag“. War dies die verdiente Erfolgsprämie für die Steigerung des Firmenwerts oder aber haben Esser und Co. die Firma aus Eigennutz geopfert und dabei Mannesmann noch finanziell geschädigt?
Untreue und Beihilfe dazu wirft die Anklage vor allem drei Ex-Aufsichtsräten von Mannesmann vor: Dem heutigen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, dem ehemaligen IG Metall-Vorsitzenden Klaus Zwickel sowie Ex-Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk (69). Denn im Aufsichtsrat wurde nicht nur eine Millionen-Abfindung für den letzten Mannesmann-Chef Klaus Esser (56) beschlossen. Dieser bekam am Ende rund 32 Mio. €. Auch Funk und pensionierte Ex-Vorstände wurden mit stattlichen Summen bedacht.
Esser, der am Montag bereits den Gerichtssaal inspizierte, mag bis heute auch an der ungewöhnlichen Höhe seiner Abfindung nichts Unanständiges oder gar Strafwürdiges sehen. Schließlich habe er ja den Aktienkurs von Mannesmann in immer neue Höhen getrieben und so selbst Kleinaktionären einen stattlichen Gewinn beschert. Weil Esser als Vorstand nicht Entscheidungen des Aufsichtsrates zu verantworten habe, hat das Landgericht gegen ihn die Anklage wegen Untreue nicht zugelassen er muss sich wegen „Beihilfe“ verantworten.
Nicht unterschrieben hat am Ende der Entscheidung auch Aufsichtsratsvize Klaus Zwickel die Sonderzahlungen. Er hat sich allerdings auch nicht dagegen gewehrt – seine größte Dummheit, wie er später einräumte. Eine treibende Kraft war dagegen (wenn man Ackermanns Verteidigungsposition richtig versteht) der Aufsichtsratsvorsitzende Funk, der sogar seine eigene Abfindung unterschrieb – die Abstimmung musste daher später ohne Funk noch einmal wiederholt werden.
Deutschbankier Ackermann – der beim ersten Termin vor Gericht mit zum Victory-Zeichen gespreizten Fingern Optimismus demonstrierte – hat selbst keine Vorteile aus dem Geldregen gezogen, doch nun ist er der prominenteste Angeklagte in Düsseldorf. Seinetwegen wird nur zwei Mal in der Woche verhandelt – zunächst bis Juni. Den Rest der Woche bereitet sich Ackermann nicht nur auf seine Verteidigung vor, sondern er muss auch die Geschicke der größten deutschen Bank lenken. Schließlich hat er deren Spitze ganz auf seine Person zugeschnitten.
Die „gelernte“ Familien-Richterin Brigitte Koppenhöfer (52) steht seit vorgestern vor einer schwierigen Herausforderung. Im Ausland sind Millionenabfindungen für Manager durchaus üblich, in Deutschland aber nicht. Welche Standards galten vor vier Jahren und sollen in Zukunft gelten? Und was beinhaltet der Begriff „Untreue“? Das Düsseldorfer Landgericht wird im Prozess viel juristisches Neuland betreten müssen. Die Äußerungen von Politikern sind jedenfalls in den letzten Monaten etwas zurückhaltender geworden. Nach wie vor genießt Ackermann das „Vertrauen“ von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement. Aber ob es zu Rechtsverstößen gekommen sei, müsse das Verfahren klären, sagt dieser. Das hört sich anders an als der empörte Aufschrei der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, die vor Monaten bereits in Sachen Prozesseröffnung von einem „Schlag gegen den Wirtschaftsstandort Deutschland“ sprach.
Vielleicht bringt der Prozess aber auch doch keine juristische Klärung. Er begann vorgestern mit einer Reihe von Verfahrensanträgen. Monatelang kann sich das Verfahren vor dem Düsseldorfer Landgericht hinschleppen – oder aber eventuell schnell enden: Mit der Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße. Voraussetzung ist, dass alle Beteiligten zustimmen der Vorteil für die Beklagten ist, dass sie nicht vorbestraft wären und sich weiterhin als unschuldig bezeichnen können. Vor allem aber bliebe allen Beteiligten ein zähes, möglicherweise jahrelanges Verfahren erspart. Ungeklärt bliebe damit auch die Frage, ob Millionenzahlungen für Manager im Zusammenhang mit Fusionen in Deutschland nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich angreifbar sind.
MARTIN ROTHENBERG

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