Personalmanagement

Tandem aus Erfahrung und Tatendrang  

VDI nachrichten, Gerichshain, 10. 8. 07, ws – Der demografische Wandel zwingt die Unternehmen, in der Personalpolitik neue Wege einzuschlagen. Für den Technologiekonzern ABB gilt die Maxime, die Erfahrung der älteren Mitarbeiter an jüngere weiterzugeben. In der Praxis arbeiten deshalb oft zwei Ingenieure als „Tandem“ zusammen. Mit dem Programm „Generations“ wird dieser Anspruch untermauert.

Gehen wir was essen“, sagt Maurer zu Neubauer. Die Mensa von ABB in Mannheim liegt fünf Minuten Wegstrecke entfernt von ihren Büros. Zeit für Gespräche unter Männern, die sich gut kennen, aber nicht oft sehen.

Als Vertriebsmitarbeiter für gasisolierte Schaltanlagen sind sie weltweit für den Technologiekonzern unterwegs, doch selten gemeinsam an einem Ort. Peter Maurer (36) und Werner Neubauer (54) arbeiten als Tandem. Das ist wie beim Fahrrad fahren: Mal sitzt der eine vorne am Lenker und tritt in die Pedale, mal der andere. Einer alleine kommt schlecht vorwärts.

Das Ziel vor Augen haben beide. Sechs Jahre ist es jetzt her, dass in der Chefetage beschlossen wurde, sie zu verkuppeln. „Alte Hasen“ mit „jungen Füchsen“ zusammenzubringen, hat bei der deutschen ABB Methode: Das innovationsgetriebene Unternehmen will einen Mix der Generationen erreichen, bei dem die Kompetenz der Beschäftigten zählt – und nicht ihr Alter. Die Antwort eines Konzerns auf den demografischen Wandel.

Als Maurer noch die Seminarbänke der Universität drückte, galt Neubauer längst als versierter Fachmann im Vertrieb. Das war vor zwölf Jahren. Den Kopf voller Theorie in Elektrotechnik, kam Maurer zu ABB. Schon damals hatte der junge Mann einen Mentor an seiner Seite. „Das hat mir die ersten Monate geholfen, mich in der Praxis zurechtzufinden“, sagt Maurer. „In relativ kurzer Zeit konnte ich selbstständig arbeiten. Das gab mir Selbstvertrauen und es machte Spaß.“

Von Beginn seiner Laufbahn an habe er beobachten können, wie ältere Kollegen ihr Wissen bereitwillig an die Jüngeren weitergaben. Und Leute wie er, frisch von der Uni, eingefahrene Strukturen hinterfragten, wodurch fruchtbare Dialoge zustande kamen. Das Miteinander habe es bei ABB aber wohl schon immer gegeben, meint Maurer. Das sehe man schon daran, dass alle Türen offen stehen.

In solch einem offenen Raum sitzen Maurer und Neubauer. Ein aufgeräumter Schreibtisch, keine Hektik, kein Stress. Die beiden sind hoch konzentriert. Sie machen sich Gedanken über eine Anfrage aus Griechenland. „Braucht man irgendwelche Stromwandler an der Stelle?“, fragt Maurer und schaut auf einen Schaltplan. „Sicherheitshalber ja“, erwidert Neubauer. Er würde nie sagen, wo es lang geht. Das sei nicht seine Art, meint er. Ein väterlicher Blick trifft Maurer. „Aber wenn er Hilfe bei einer Entscheidung braucht…“ Der Jüngere nickt. „Ich war zwei Jahre unter seinen Fittichen, als sein Stellvertreter.“

Jetzt ist Maurer Projektmanager und Vorgesetzter von sechs Mitarbeitern. Und Neubauer weiterhin ein wichtiger Ratgeber. Entscheidend sei der gegenseitige Respekt. Ein früherer Abteilungsleiter habe einmal auf die Frage, welche die wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft sei, geantwortet: „Hauptsache jung.“ Diese Meinung habe sich zum Glück nicht durchgesetzt.

Während in den nächsten zehn Jahren 19 % der ABB-Beschäftigten in Deutschland in den Ruhestand wechseln, steigt die Zahl bis zum Jahr 2026 auf 53 %. Je höher der Anteil der Mitarbeiter ist, die in Rente gehen, desto höher wird die Gefahr, erfolgskritisches Wissen zu verlieren, heißt es im Konzern.

„Wir brauchen das Wissen und die Abgeklärtheit der Älteren“, betont Heinz-Peter Pfaffenholz (62), Mitglied des Vorstands und Arbeitsdirektor der deutschen ABB. „Frühpensionierungen oder auch Outsourcing-Maßnahmen sind oftmals mit einem erheblichen Know-how-Verlust verbunden. Wir müssen aufpassen, dass wir uns in Deutschland nicht selbst ,kannibalisieren““, warnt er.

Dabei konzentriert sich ABB nicht ausschließlich auf die ältere Generation, sondern verfolgt wie ein guter Arzt einen ganzheitlichen Ansatz: die Vitalisierung aller Mitarbeiter, unabhängig von ihrem Alter, um eine gesunde Mischung aus Jung und Alt zu finden.

Im Februar diesen Jahres stellte das Unternehmen das Programm „Generations“ der Öffentlichkeit vor. Dahinter verbirgt sich ein Richtungswechsel in der Personalpolitik. Mit gezielten Aktionen, die sich sowohl an Hochschulabsolventen als auch an langjährige Mitarbeiter wenden, will ABB auch in Zukunft die Produktivität am Standort Deutschland sichern.

Neben der Projektleitung im Tandem beinhaltet das generationsübergreifende Konzept einige weitere Themengebiete, vom Gesundheitsmanagement – Vorsorgeuntersuchungen für alle Altersgruppen – bis hin zu Teilzeitregelungen für einen gleitenden Übergang in die Rente.

Das Motto von „Generations“, „Voneinander lernen – miteinander wachsen“, spiegelt sich in Stellenanzeigen mit einer markanten Fotomontage wider: zwei Gesichter, eines jung, das andere gealtert, vereint in einem Kopf. Symbolisch steht es für „alte Hasen“ und „junge Füchse“, für Wissenstransfer. Wie bei Neubauer und Maurer. Wenn sie die Köpfe zusammenstecken, hat das denselben Effekt.

Ein Beitrag von:

  • Heike Baldauf

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