Personalmanagement

Stellenabbau macht auch vor Ingenieuren nicht Halt

Der Versuch, der Öffentlichkeit Massenentlassungen so nahe zu bringen, dass das Image eines Unternehmens nicht darunter leidet, gleicht häufig einem Eiertanz.

Allein die nackten Zahlen geben Anlass, die Zukunft des Arbeitsmarktes in düsteren Farben zu sehen: Fast jedes dritte deutsche Unternehmen wird in den kommenden Jahren als Folge der globalen Konjunkturflaute Stellen abbauen, die Großunternehmen allein knapp 80 000. Prognosen tun ihr Übriges. Die Arbeitslosenzahl soll nach einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) wieder auf über 4 Mio. klettern.

Motor dieser Negativentwicklung sind vor allem die Technologiekonzerne, die mit massiven „Umstrukturierungen“ auf die Krise reagieren. Laut Studie beurteilen nur 20 % der Firmen ihre Geschäftssituation als „gut“. Dies sei unter anderem auf die Ereignisse des 11. Septembers zurückführen als Erklärung für den Negativtrend reicht das natürlich nicht. Das Beschäftigungsklima habe sich wegen der zahlreichen Änderungen am Arbeitsmarkt seit 1998 eindeutig verschlechtert, heißt es beim DIHK. „Große – insbesondere börsennotierte – Unternehmen haben aufgrund der geringen Exportdynamik, der Eintrübung an den Aktienmärkten und der Schwächen in der New Economy vielfach Pläne zu Personalreduzierungen.“ Wer aber sind letztlich die Betroffenen, denen es an den Arbeitsplatz geht? Welche Bereiche sind besonders von der Flaute betroffen?

Die meisten Großunternehmen geben sich äußerst bedeckt, wenn es um die Einsicht in ihre Personalpläne geht. Zum einen sei noch nicht in allen Fällen genau ausgelotet, wo Stellen gestrichen werden, zum anderen sei Jobabbau nicht gleich zu setzen mit Kündigung. Altersteilzeit und Vorruhestands-lösungen sind einige Möglichkeiten, um die unpopulärsten Maßnahmen zu umgehen. Auch bei der Umschreibung von Stellenkürzungen lassen sich die Manager beschönigende Bilder einfallen. „Bisher haben wir uns in einer Akquisitionsphase auf einer dreispurigen Autobahn bewegt – und zwar mit hoher Geschwindigkeit auf der linken Spur“, bilanziert etwa Continental-Vorsitzender Manfred Wennemer. „Jetzt wechseln wir in eine Konsolidierungsphase und auf eine Bundesstraße.“

ABB Deutschland lässt verlauten, den Abbau von 12 000 Stellen beschleunigen zu wollen, wobei die Streichung von Ingenieur-Arbeitsplätzen „nicht im Mittelpunkt“ stünde. Bei MAN-Nutzfahrzeuge steht fest, dass 4000 Stellen europaweit bis zum Sommer 2002 abgebaut werden. Welche Mitarbeiter bis dahin gehen müssen, soll in Gesprächen zwischen Führungsetage und Arbeitnehmern ermittelt werden. Auch bei dem Chemie-Konzern Degussa will sich noch niemand auf Details festlegen. Eine Prognose, ob Ingenieure auch von Kurzarbeit, der Schließung von sechs Betrieben im In- und Ausland sowie der drastischen Kürzung von Investitionen betroffen sein werden, käme zum jetzigen Zeitpunkt „viel zu früh“. Siemens-Tochter Infineon, wo 5000 Mitarbeiter betroffen sind, will derweil nicht ausschließen, dass auch Ingenieure dem Sparkurs zum Opfer fallen werden.

Bei Lucent Technologies, einem Zulieferer für die Telekommunikationsindustrie, stehen bei 3500 Mitarbeitern 900 Stellen zur Disposition, darunter 80 Ingenieure aus der GSM-Entwicklung im Nürnberger Werk. Einen generellen Einstellungsstopp gibt es bei Lucent nicht, neue Mitarbeiter werden aber nur noch unter der Prämisse „unternehmenskritischer“ Notwendigkeit eingestellt. Da bei dem Telekommunikationsriesen Ericsson 70 % der Belegschaft aus Ingenieuren und Technikern besteht, werden unter den 400 in Deutschland betroffenen Mitarbeitern auch Ingenieure sein, vermutlich rund zwei Drittel.

Der Siemens-Konzern streicht insgesamt 17 000 Stellen, allein in der einstigen Vorzeigesparte Kommunikation (IC) fallen weltweit 15 000 Jobs weg. Zusätzlich zu dem bereits angekündigten Abbau von 5000 Stellen in der Netzwerksparte ICN (Information and Communication Networks) werden bis Ende 2002 weitere 5000 Arbeitsplätze gestrichen, insgesamt 4000 davon entfallen auf Deutschland. Von der Hälfte der weltweit 20 Produktionsstandorte wird sich die ICN-Sparte trennen. Ähnliches trifft auf ICM (Information and Communication Mobile) zu. Hier werden bereits 2600 befristete Verträge nicht verlängert, 2000 zusätzliche Stellen sollen abgebaut werden, davon 1000 in Deutschland. Ob auch Ingenieure von betriebsbedingten Kürzungen bei Siemens betroffen sein werden, darüber hüllt sich der Konzern in Schweigen. Nur so viel ist zu entlocken: Für jeden Standort wird der Bedarf individuell ausgehandelt.

Noch im Mai kamen in Berlin nach Angaben des Siemens-Betriebsrates Klaus Hoppe 500 Uni-Absolventen zum Future-Day, um sich über rosige Aussichten beim Konzern zu informieren. Ein paar Tage später nur noch Hiobsbotschaften. Niemand könne sagen, ob die Konjunktur nicht bald wieder anziehen werde. Hoppe: „Und dann fehlen wieder qualifizierte Leute.“ Der massive Stellenabbau schade nicht zuletzt dem Ruf des Konzerns.

Ähnlich lautende Stimmen befürchten, mit dem Verlust vieler qualifizierter Mitarbeiter beraubten sich die Unternehmen ihrer Wissensgrundlagen. Die nun eintretenden „Überreaktionen“ könnten die Unternehmen noch bereuen, da auch Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt würden.

Mit vorsichtigem Optimismus betrachtet Dr. Roland Schütz, Sprecher der Bundesanstalt für Arbeit, die Marktentwicklung für Ingenieure. „Die Perspektiven sind generell weiterhin gut. So betrug die Zahl der offenen Stellen im Maschinenbau Ende September immer noch 5500, bei Elektroingenieuren waren es 4100 Stellen.“ Dies bedeute einen leichten Dämpfer, aber keinen bedeutenden Einschnitt. Die Spaltung des Arbeitsmarktes, wonach hoch Qualifizierte trotz Konjunkturflaute gute Chancen, niedrig Qualifizierte hingegen schlechte Karten haben, „ist derzeit vor allem regional zu beobachten: m Süden, wo Arbeitskräfte vermehrt gesucht werden, macht sich dementsprechend ein großer Mangel an akademisch geschulten Fachkräften bemerkbar“. Auf dem IT-Sektor werde weiterhin nach Mitarbeitern gesucht, obwohl sich die Green Card bereits als großer Erfolg bestätigt habe. Eine schnelle Erholung der New Economy schließt Schütz hingegen ebenso aus wie ein Aufblühen des gesamten Arbeitsmarktes. „Das Wachstum wird im kommenden Jahr wohl nicht reichen, um die Arbeitslosigkeit gravierend abzubauen.“

Eine traurige Spitzenstellung nimmt die Baubranche ein, die sich 2002 laut Volker Rußig vom Münchner Institut für Wirtschaftsforschung auf den Abbau von 250 000 Arbeitsplätzen einstellen muss. In den kommenden zehn Jahren drohen auch den Banken radikale Stellenstreichungen. Ein Drittel aller derzeit noch Beschäftigten könnten innerhalb der nächsten Dekade arbeitslos werden. cha/has/jok/ws

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