Personalmanagement

Solidarität und Kommunikation sind notwendig  

Gerold Frick, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), hat es auf den Punkt gebracht. In der aktuellen Krise seien mehr denn je „prägende“ Personalmanager gefragt. Einige versuchen, das in ihren Unternehmen auszufüllen. VDI nachrichten, Lübeck, 24. 7. 09, cha

Der Wirtschaftspsychologe Gunther Olesch ist als Geschäftsführer bei Phoenix Contact in Blomberg zuständig für die Bereiche Personal, Organisation, IT und Recht. Olesch sitzt damit in der ersten Reihe der Entscheider und bei seinen Auftritten vertritt er die Aufgabe des Personalmanagements mit Leidenschaft. Manchem ist das in der Zunft der eher leise, manchmal zu leise auftretenden Personaler, sogar zu leidenschaftlich. „Kämpfen Sie dafür, dass nicht entlassen wird!“, hat Olesch jüngst den Human Resource Managern zugerufen.

Denen ist gleich zu Beginn der Krise vorgeworfen worden, sie befänden sich in „Schockstarre“. Das ist zwar eine sehr undifferenzierte Analyse, aber Olesch warnt trotzdem. Der von den Personalern gern zitierte Ausspruch, die Mitarbeiter seien die wichtigste Ressource des Unternehmens, dürfe nicht nur in guten Zeiten gelten.

Auch Phoenix Contact mit seinen insgesamt 10 200 Mitarbeitern hat die Krise getroffen. Aber das Personalmanagement des Unternehmens hält dagegen. „Wir tun alles, um Kündigungen zu vermeiden“, sagt Olesch. Zunächst seien bei Phoenix Contact, nachdem zuvor Leihkräfte gehen mussten und befristete Verträge nicht verlängert wurden, die Arbeitszeitkonten kräftig ins Minus gefahren worden. Seitdem auch das nicht mehr reiche, um die Überkapazitäten aufzufangen, werde kurz gearbeitet.

92 % der Mitarbeiter, angefangen von der Produktion bis zu den Angestellten in der Verwaltung, arbeiten seit Anfang Mai einen Tag in der Woche weniger. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, sehr wohl aber die Tatsache, dass der gut gemeinte Ratschlag von Beratern, jetzt auf keinen Fall die Innovationen und den Kundenkontakt zu vernachlässigen, bei Phoenix Contact ernst genommen wird.

„In der Entwicklung machen wir keine Kurzarbeit. Teilweise arbeiten die Mitarbeiter sogar länger“, sagt Olesch. Und im Vertrieb laute die Maßgabe, jetzt den Kontakt zu und die Betreuung der Kunden noch zu intensivieren.

Trotz des Zwangs, an allen Ecken und Enden zu sparen, sind selbst Neueinstellungen bei Phoenix Contact derzeit kein Tabu. „Exoten stellen wir nach wie vor ein“, sagt Olesch. So seien spezielle Konstruktionsingenieure in Zeiten der Hochkonjunktur kaum zu bekommen.

Und auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung sei jetzt eine günstige Gelegenheit, bei den heiß begehrten Fachkräften antizyklisch zu reagieren und einzustellen. Zudem fangen bei Phoenix Contact im Herbst rund 70 Auszubildende neu an. Daneben wird die geförderte Möglichkeit der Qualifizierung in Kurzarbeit genutzt. Bisher haben 250 Mitarbeiter an Qualifizierungsmaßnahmen teilgenommen.

Auch andere Unternehmen haben in der Personalbeschaffung dazugelernt. „Den Fehler machen wir nicht noch einmal“, sagt Gerhard Rübling, Mitglied der Geschäftsführung und Arbeitsdirektor beim schwäbischen Werkzeugmaschinenbauer Trumpf in Ditzingen. Anfang der 90er Jahre seien in der Krise keine Hochschulabsolventen in seinem Unternehmen eingestellt worden, später fehlten dann ganze Jahrgänge.

Nun sollen bei Trumpf auch während der Kurzarbeit Absolventen eingestellt werden und gleich zu Beginn durch Qualifizierungen fit für die Praxis gemacht werden. Anfang Juli ist der erste Maschinenbauingenieur eingestellt worden.

Für Professor Rainer Strack, Senior Partner bei der Boston Consulting Group (BCG) in Düsseldorf, bedeutet nachhaltiges Personalmanagement in der Krise nicht nur, Personalabbau möglichst zu vermeiden, Mitarbeiter gezielt zu qualifizieren und die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt zur Rekrutierung von hoch qualifizierten Fachkräfte zu nutzen.

„Die qualitativen Hebel werden nicht intensiv genug eingesetzt“, interpretiert Strack das Ergebnis einer Umfrage von BCG und der European Association for People Management, an der knapp 900 Führungskräfte teilgenommen haben. Nach wie vor würden die Aspekte Führung, Mitarbeiterengagement und Kommunikation beim Krisenmanagement viel zu kurz kommen, so Strack.

Um bei Phoenix Contact die Motivation der Mitarbeiter hoch zu halten, hat auch die Führungsmannschaft finanzielle Einschnitte hingenommen. Zunächst hätten die Geschäftsführung und die Führungsebene darunter auf 6,6 % ihres Gehalts verzichtet, berichtet Olesch.

Das entspricht den Einbußen der Kurzarbeiter. Dem Verzicht haben sich freiwillig dann auch die außertariflichen Mitarbeiter angeschlossen. „Die Führungskräfte zeigen Solidarität mit den Mitarbeitern“, sagt Olesch.

Auch bei Bayer Material Science, einem Teilkonzern von Bayer, hat man schon früh im Jahr der Krise das Wort Solidarität gebraucht. Seit Februar gilt in dem Teilkonzern für alle Tarifmitarbeiter, befristet für neun Monate, eine 35-Stunden-Woche statt der normalen 37,5-Stunden-Woche. Die Entgelte sind entsprechend reduziert worden.

Aber auch für die außertariflichen Mitarbeiter und leitenden Angestellten hat es Einschnitte gegeben. Sie verzichten vorläufig auf Einkommenserhöhungen, obwohl es für die Tarifmitarbeiter in diesem Jahr eine Erhöhung der Entgelte um 3,3 % gegeben hat.

„Gerade in Krisenzeiten müssen die Führungskräfte besonders viel mit ihren Mitarbeitern kommunizieren“, ist BCG-Senior Partner Strack überzeugt. Nicht aber etwa per Mail, sondern persönlich und vor allem „ehrlich“.

Seit Beginn des Jahres stelle er sich alle zwei Monate vor die Mitarbeiter und berichte über die Entwicklung beim Umsatz und den Kosten, schildert Olesch. Dem folgten Abteilungsrunden und persönliche Gespräche der Führungskräfte mit den Mitarbeitern. Informieren sei das oberste Gebot. RAINER SPIES

Von Rainer Spies

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