Perlen der Provinz

Software bringt Saarländer zum Swingen

VDI nachrichten – Meist gilt Saarbrücken als ein kohleverstaubter Flecken am Rande Deutschlands.Doch neben alten Fördertürmen wächst ein Technologie- Unternehmen, das längst Weltmarktführer ist. Und auf alten Stahlflächen gedeihen weitere Software-Highlights.

Wenn Torsten Scholz über die lichten Flure zur Cafeteria spaziert, fällt sein Blick auf das Abendprogramm: Am heutigen Freitag könnte er sich dort das Peter-Decker-Quartett gratis ab 18 Uhr anhören.Jazz vom Feinsten, während die Zuschauer auf orangenen und royalblauen Designer- stühlen sitzen oder sich die Live-Übertragung von Swing und Bebop daheim in Saarbrücken am PC anschauen.

Der 31-Jährige ist kein Student an der Uni mehr und er arbeitet auch nicht im Musikgeschäft.Scholz ist Produktmanager bei der IDS Scheer AG in Saarbrücken-Burbach.Und der Mann am Saxophon ist kein geringerer als sein Chef: Prof.Dr.Dr. h.c. mult.August-Wilhelm Scheer, Unternehmensgründer und Aufsichtsratsvorsitzender.

Als Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik (IWI) an der saarländischen Universität hat er das Unternehmen vor 18 Jahren als Spin-off gegründet.“Heute sind wir Weltmarktführer für Geschäftsprozessmanagementsoftware. 90 % der DAX-Unternehmen sind unsere Kunden“, erklärt Scholz.Rund 850 Mitarbeiter an sieben Standorten allein in Deutschland arbeiten für die Prozessoptimierer; weltweit sind es 1500.

Die Software Aris existiert seit zehn Jahren; die 30 000.Lizenz wurde verkauft.Der Markt sieht gut aus, für Software dieser Art soll er laut Gartner bis 2003 auf 600 Mio.Dollar wachsen.

Ganz einfach ist es nicht zu verstehen, was diese Software made in Saarbrücken kann, die Abläufe hinsichtlich Kosten, Zeit und Qualität optimiert.Scholz‘ Kollegin Inken Geis aus der Personalabteilung hat es Schulkindern einmal so erklärt: „Wenn du morgens erst die Schuhe anziehst, dann deine Hose, ist das umständlich und braucht viel Zeit.Du kommst vielleicht zu spät zur Schule.Mit Aris könntest du alle Tätigkeiten am Morgen so ordnen, dass du pünktlich bist.“Die 31-Jährige kümmert sich um Neueinstellungen, denn im Juli wird der neue Bauabschnitt fertig.Er ist fast genau so groß wie das jetzige Gebäude und wird von einem Förderturm geschmückt.

Das hat seinen Grund.Schließlich steht IDS Scheer mit rund 55 weiteren Technologie-Unternehmen auf dem Grubengelände der alten Burbacher Hütte.Was sich heute IT-Park Saarland nennt, ist umrundet von Zechenhäuser.

Auf dem Weg über die Stadtautobahn vom Zentrum ins eingemeindete Burbach geht es an der Saar vorbei.Schwarze Containerschiffe ankern vor den blauen Hallen der Saarstahl.Was zieht Menschen in einen Ort, der Persönlichkeiten wie Komiker Heinz Becker, Sängerin Nicole oder Stahlchef Gerhard Cromme hervorgebracht hat?

Scholz, der aus der Lüneburger Heide kommt, war bei seinem Vorstellungsgespräch jedenfalls nicht begeistert.“Saarbrücken ist auf den zweiten Blick erst schön.Jetzt würde ich nicht mehr mit Frankfurt tauschen“, lobt er.

Gern verweilt er auf dem Sankt Johanner Markt.Der verbindet die Künstler- und Kneipengegend Nauwieser Viertel über die Einkaufsmeile mit dem Bahnhof.Hier sprudelt der Brunnen, Gauben schmücken die historische Bausubstanz.Nicht ohne Grund gibt es die größte Dichte an Drei-Sterne-Restaurants im kleinen Saarland.“Hauptsach, gudd gess“, sagen die Saarländer.Oder sie bestellen „Panasch und Flitt“, wie hier Radler und Baguette heißen.

Die Nähe zu Frankreich, das nur wenige Kilometer hinter dem Stadtzentrum beginnt, ist prägend.Die Universität wurde 1948 mit Hilfe Frankreichs gegründet.Die meisten Senioren der Stadt waren bereits zweimal Franzosen und zweimal Deutsche, so oft wechselte das Schicksal des Grenzlandes.Für Scholz bedeutet das konkret: „Meine Croissants hole ich im Nachbarland.“

Event-Managerin Monja Kurz wiederum skatet gerne die kilometerlangen Radwegen entlang der Saarschleife, bevor sie sich ein Abtei-Bräu gönnt.Für die Saarländerin aus Dudweiler wandelt sich das Bild vom Saarland langsam, auch durch IDS Scheer.

Im IT-Park, gegenüber von IDS Scheer, gibt es noch ein junges Unternehmen, das in ähnliche Fußstapfen treten will: imc.Genau wie sein Nachbar wurde es als Spin-off des IWI von Scheer gegründet.“Heute sind wir klar die Nummer eins bei Lernplattformen und Consulting“, freut sich Vorstandssprecher Wolfgang Kraemer.

Imc steht für E-Learning in allen Variationen und ist damit einer der zehn am schnellsten wachsenden Dienstleister Deutschlands.Als einer der wenigen Gründungen erwirtschaftet das Unternehmen seit dem Start Profit; 2001 immerhin 13 %.Mittlerweile arbeiten 130 Menschen an vier Standorten für imc.“Wo wir sind, ist unseren Kunden egal“, meint Kraemer.Für ihn ist Saarbrücken „je zwei Stunden von Paris, Düsseldorf und Zürich entfernt“.

Zwar gibt es mittlerweile auch andere technisch orientierte Unternehmen wie SAP Retail oder Orbis und mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) oder dem Max-Planck-Institut für Informatik – „Humus für intelligente Leute“, so Kraemer.Aber er schätzt, dass eine Umorientierung 20 oder 30 Jahre braucht.“Wir sind erst im fünften Jahr.“

Dass es voran geht, daran arbeitet vor allem Scheer selbst.Zehn Autominuten von der City entfernt lehrt er auf der Campus-Uni.Hier lernen 17 000 Studenten statt auf der Wiese quasi im Wald.Am Eingang liegen Baumstämme längs der Straße.Davon hebt sich Scheers Büro im verglasten, Gebäude mit Flachbildschirmen und Glasaufzügen deutlich ab.Der braun gebrannte 60-Jährige kam 1975 mit seinem ersten Ruf aus Norddeutschland – und blieb.“So viele Freiräume hätte ich anderswo kaum gehabt.“Scheer ist im Saarland jemand.

Mit Lafontaine beriet er über die Zukunft des Saarlandes.Jetzt sitzt er mit dem konservativen Ministerpräsident Peter Müller an einem Tisch.Viele Wochenenden lang haben sie an einer Innovationsstrategie gearbeitet.Herausgekommen ist eine 120 Seiten lange Studie.Denn die fünf, sechs Gründungen, die Scheer direkt begleitet hat oder jene zwanzig, die er angestoßen hat, reichen nicht.

„Der Druck ist da – aber so einfach geht das nicht“, weiß Scheer.Sein Grundgedanke: Wo immer eine Durchgängigkeit zwischen Forschung und Praxis gegeben ist, soll die Kernkompetenz ausgebaut werden.Das betrifft sowohl die Informationstechnologie und die Bio- und Nanotechnologie als auch die Wissensindustrie.So will das Land mit der Universität eine GmbH gründen, die Wissen als Weiterbildung verkauft.Ein viertes Standbein wäre die Logistik – wegen der Lage im Herzen Europas.“Erst vergangene Woche haben wir mit dem Bundesverband für Logistik über achtzig Projekte gesprochen“, erzählt Scheer.

Bis die Realität werden, dürfte der große unförmige Koffer längst nicht mehr in seinem Büro stehen.“Ein amerikanisches Conn-Saxophon aus den zwanziger Jahren, das ich gerade online gekauft habe“, erzählt Scheer, der bereits 25 Saxophone besitzt.Wenn es getestet ist, wird er es in der Cafeteria seines Unternehmens spielen.Vielleicht sogar im neuen Gebäude mit dem alten Förderturm.

Von Cordelia Chaton

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