Management

Slobbies – erfolgreiche Genießer

Wer sich bremst und langsamer wird, der wird die Welt durch klarere Augen sehen und seine Prioritäten anders setzen. Der berufliche Erfolg ist nur eine positive Seite dieser Wandlung. Davon sind die so genannten „Slobbies“ fest überzeugt.

Menschen, die wenig Worte verlieren, gelten oft als Eigenbrötler. Sie erscheinen aber auch wie ein Fels in der Brandung. Richard Cheney ist so einer. Wer mit dem amerikanischen Vizepräsidenten angeln geht, muss auf wortkarge Zeiten vorbereitet sein, schrieb jüngst ein Reporter des „New Yorker“. Auf Fragen kommen knappe Antworten: „Ja“, „Nein“, „Weiß nicht“. Am Ende des Tages wirft man alle Fische wieder ins Wasser und kocht sich ein einfaches Essen, Spaghetti oder Steak. Dann sitzt man am Feuer, trinkt Bier und schweigt. Dialoge hören sich so an: „Greenspan?“ „Guter Mann.“ Langes Schweigen, dann „Patriot“.

So hat der Mann aus dem Nordwesten der USA Karriere gemacht. Ruhig, bedächtig, unbeirrt. Seit Mitte der 60er war Cheney fast immer im Zentrum der Macht, allerdings meist im Schatten derer, die das Rampenlicht suchen. Typen wie Cheney gehört die Zukunft, glaubt man Trendforschern, und sie haben bereits einen Namen für diese Sorte Mensch gefunden: Slobbies. Im neudeutschen Denglisch steht das für „slow but better working people“. Slobbies gelten als geduldig, als kreativer und lustbetonter denn hektische Kollegen, die mit vollen Terminkalendern prahlen und Handybimmeln als süße Begleitmusik des Aufstiegs werten.

Slobbies, so heißt es, sind nicht nur am messbaren Erfolg ihrer Karriere interessiert, sondern wollen das Leben in all seinen Facetten genießen. Hausgemachte Pasta, Fußball mit Sohnemann am Samstag oder die blühende Rose am Wintergarten haben für sie keinen geringeren Stellenwert als Börsenkurse oder das neueste High-Tech-Spielzeug. Verpönt ist alles, was schnell ist.

„Effizienz-Idioten“ nennt der Klagenfurter Wissenschaftler Peter Heintel die Menschen, die im schnellen Tempo die einzig mögliche Gangart sehen. Der Philosoph und Sozialpsychologe gründete bereits 1990 einen „Verein zur Verzögerung der Zeit“. Damit will Heintel Wege zeigen, wie man sich aus dem blinden Aktionismus befreien kann, um die „vergewaltigte Eigenzeit wieder zu entdecken“.

Heintel ist mit seinem Anliegen nicht allein. Auch das Psychologen-Paar Margot und George Pennington bietet seinen Klienten in den „Zeitlupen“-Seminaren Wege zur persönlichen Entschleunigung. In fünf Tagen sollen die Teilnehmer lernen, den Zauber des Lebendigen neu zu entdecken.

Ernst Köpke (Name von der Redaktion geändert) entdeckte die „Zeitlupe“, nachdem er Stan Nadolnys „Entdeckung der Langsamkeit“ gelesen hatte. „Der Gedanke, dass Langsamkeit eine Tugend, ein Wert sein könnte, war für mich völlig neu“, erzählt der Diplom-Kaufmann, dem nach der Lektüre sein bis dahin „unbewußter Frust“ am vorherrschenden „höher-weiter-schneller-mehr“ deutlich wurde.

„Der erste Tag in der Zeitlupe war Horror“, erinnert sich Köpke. Eine Stunde sollte er für den Weg zum Essen, eine Strecke von 20 Metern, einplanen 20 Minuten für den Weg zum Klo. Jede Silbe musste einen Atemzug dauern. Das sind die Regeln der „Zeitlupe“. Sie sind eine harte Prüfung für einen, der sich gerne schnell bewegt. Köpke fragte sich: „Wohin mit all meiner Energie?“

Genau diese Frage sollen sich die „Zeitlupen“-Teilnehmer stellen, sagt Pennington, der in der Entschleunigung einen wichtigen Beitrag zur Stressbewältigung sieht. „200 000 Menschen sterben jährlich am Herzinfarkt. Das ließe sich auch verhindern.“ Seine These: Wer sich bremst, langsamer wird, der wird – notgedrungen – seine Prioritäten anders setzen.

Für Ernst Köpke entfaltete sich der Zauber des Lebens tatsächlich in den nächsten fünf Tagen. „Ich erinnere mich an eine permanent steigende Konzentration auf das Hier und Jetzt. Die Hand, die das Glas hebt, der singende Vogel, der nächste Atemzug“, all das war plötzlich wichtig. Seither empfindet er „gelassener, aufmerksamer, in einer anderen Grund-Disposition“.

Esotherischer Kram, freundliches Geschwafel eines Menschen, der es sich nach 25 Jahren im Beruf leisten kann, auszusteigen? Kaum. Köpke ist weiterhin erfolgreich als Unternehmensberater. Er kennt die Spielregeln seines Geschäfts, und ist vor einem Rückfall in hektische Muster nicht gefeit. „Aber ich habe gelernt, inne zu halten“, sagt Köpke.

„Das war die wichtigste Erfahrung für mich. Innehalten, Atem holen, mich von der eigenen inneren Getriebenheit lösen“, erzählt Joachim Bottemöller, Diplom-Ingenieur und in den 90er Jahren Mitglied im Aufsichtsrat der ABB-Kraftwerksleittechnik, über seine Erfahrung mit „Zeitlupe“. Der 63-Jährige hegt nach über 30 Jahren im Beruf große Zweifel an der „intellektuellen Redlichkeit“ der heutigen Geschäftswelt, die unter dem Tempo des Wettbewerbs ächzt.

„Kaum jemand ist bereit, die Schwachstellen seiner Produkte oder Dienstleistungen einzuräumen, es sei denn, es ist unausweichlich“, erzählt er. Die Folge: Nur um der Konkurrenz voraus zu sein, werden Produkte auf den Markt gebracht, die nach alten Ingenieur-Maßstäben von Akribie und Gründlichkeit nicht verantwortbar sind. „Der heute von jungen Leuten oft propagierte Mut zur Lücke hat mir gefehlt“, sagt Bottemöller und fragt sorgenvoll: „Wo soll das hingehen?“

Optimistisch wie er ist, hält er eine Antwort jedoch schon parat. „Je größer die Gruppe der Zweifler, der Entschleuniger ist, und je mehr sie wächst, desto eher besteht eine Chance auf Änderung.“ HELENE CONRADY

 

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