Management

Siemens und Bosch landeten gemeinsam den größten Deal

Nach dem weltweiten Einbruch sind die Rekordjahre des Beteiligungsmarktes erst einmal vorbei. Auch der Maschinenbau blieb nicht verschont. Steffen Mezger, Chefredakteur der M & A Review, analysiert im folgenden Beitrag das Geschehen.

Der Anteil der Transaktionen, an denen ein Maschinenbau-Unternehmen im Jahr 2000 Kaufobjekt war, lag bei 4,1 %, was einem Rückgang von 1,2 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Auf Käuferseite halbierte sich der Anteil sogar von 6,5 % auf 3 %. Absolut gesehen traten im letzten Jahr exakt 65 Maschinenbau-Unternehmen auf Käuferseite auf, in 88 Fällen waren Unternehmen dieser Branche Targets bei Übernahmen.

Die mit Abstand größte Transaktion der Branche war in den letzten zwölf Monaten die Akquisition der ehemaligen Mannesmann Atecs durch Siemens und Bosch im Zuge des Zusammenschlusses zwischen der deutschen Mannesmann AG und der britischen Vodafone.

Die Aktion umfasste die VDO, Sachs, Demag Krauss Maffei, Dematic und Rexroth, die nach anfänglichen Planungen zum Großteil unter den beiden Konsortialpartnern aufgeteilt werden sollten. Im Verlaufe der rund ein Jahr andauernden Prüfung durch die Kartellbehörden in Europa und den USA wurde dieses Vorhaben jedoch geändert.

Letztendlich trat Siemens als alleiniger Käufer auf. Die Rexrodt AG wurde an Bosch verpachtet und mit der Bosch Automation zur Bosch Rexroth AG zusammengelegt.

Die meisten der anderen Teilgesellschaften von Atecs werden oder wurden bereits mit den entsprechenden Siemens-Töchtern zusammengeschlossen. Nach einer Auflage der Kartellbehörden musste jedoch die Sparte Postal Automation der Mannesmann Dematic AG verkauft werden, um das Entstehen einer marktbeherrschenden Stellung auszuschließen. Das Geschäft mit rund 700 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von etwa 100 Mio. Euro wurde in der Zwischenzeit vom US-Konzern Northrop Grumman übernommen.

Auch die Mannesmann Plastics Machinery AG (MPM), die ebenfalls über die Demag-Krauss-Maffei zur ehemaligen Atecs gehört, soll angeblich schon in naher Zukunft veräußert werden. Als potenzielle Käufer nannte MPM-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Vogl die beiden Finanzinvestoren Apax und Investcorp.

In der Rheinmetall AG gab es in den vergangenen Monaten durch eine Veränderung der Aktionärsstruktur viele Diskussionen über die künftige Strategie. Nach dem Einstieg des US-Investors Guy Wyser-Pratte sah sich die Röchling-Familie, Hauptaktionärin der Rheinmetall AG, einem neuen aktiven Großaktionär gegenüber.

Auf der Hauptversammlung im Juni bezeichnete dieser das Unternehmen als „ungeschliffenen Diamant“, dessen „wertvolle Perlen“ durch mehr Transparenz des Unternehmens sichtbar gemacht werden müssten. Nach seiner Meinung solle das Kurspotenzial durch eine verstärkte Konzentration auf die Wehrtechnik sowie durch Immobilienverkäufe besser genutzt werden.

Auch der Verkauf des zu Rheinmetall gehörenden Papiermaschinenherstellers Jagenberg, der bereits seit längerer Zeit angestrebt wird, soll noch in diesem Jahr erfolgen. Zu diesem Zweck hat Rheinmetall nun Goldman Sachs mit der Transaktion beauftragt. Mögliche Käufer sind die beiden großen Papiermaschinenhersteller JM Voith und Metso.

Aber auch die deutsche Körber AG, die neben tabakverarbeitenden Maschinen und Werkzeugmaschinen ebenfalls Papiermaschinen herstellt, könnte an einer Übernahme interessiert sein. Jagenberg beschäftigt momentan rund 2300 Mitarbeiter. Nach einer nun bereits mehrere Jahre andauernden Konsolidierungsphase wird in diesem Jahr allerdings der Break-even angestrebt.

Noch tiefgreifendere Veränderungen in der Aktionärsstruktur haben im vergangenen Jahr die Klöckner-Werke in Form der rund 80 %-igen Übernahme durch die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz-AG erfahren. Diese wollte den bereits vom Vorstand eingeschlagene Weg der Konzentration auf das Foliengeschäft beibehalten und das Geschäft von Klöckner weiter ausbauen. Nach erfolgter Übernahme und Prüfung der einzelnen Geschäftsbereiche wird das Unternehmen nun jedoch zerschlagen.

Das profitable Foliengeschäft mit einem Jahresumsatz von rund 800 Mio. Euro geht an Vogel, Treicher & Partner, eine Investorengruppe um den ehemaligen Thyssen- Vorstandsvorsitzenden Dieter H. Vogel.

Nach Bekanntwerden der Aufspaltungsabsichten gaben Klöckner-Chef Heinz-Ludwig Schmitz und Finanzvorstand Siegfried Barschkett ihr vorzeitiges Ausscheiden aus dem Konzern bekannt. Unklar bleibt weiterhin, wie WCM die ihr durch den Verkauf zufließenden Mittel von 1,6 Mrd. DM investieren will.

Vor einiger Zeit wurden Spekulation laut, das Unternehmen wolle ein weiteres M-Dax-Unternehmen erwerben, möglicherweise die MG-Technologies. WCM muss jedoch auch einige Aktivitäten in die Klöckner-Werke einbringen, falls sie deren hohen Verlustvortrag von 2,3 Mrd. DM noch weiter nutzen möchte.

Auch in der Schweiz gab es in den vergangenen Monaten den Versuch, ein Unternehmen mit starken Maschinenbau-Aktivitäten zu übernehmen. Allerdings scheiterte die Übernahmeattacke der Incentive Capital AG gegen die Sulzer AG am Widerstand der Aktionäre.

Diese lehnten auf der Generalversammlung am 19. April diesen Jahres sämtliche Anträge des Finanzinvestors mit deutlicher Mehrheit ab und stellten sich klar hinter den Verwaltungsrat von Sulzer. Damit wurden wichtige Hürden im Hinblick auf den für den 10. Juli 2001 geplanten Spin-off der Sulzer Medica genommen.

Im Zuge der Abspaltung wird Sulzer ihre Beteiligung in Höhe von 74% nahezu vollständig an die Aktionäre abgeben. Noch kurz vor der Transaktion trennte sich Sulzer Medica von dem bisherigen Geschäftsführer des Orthopädiebereichs und teilte den Bereich geografisch neu auf.

Im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft haben sich im vergangenen Jahr eine Reihe von Unternehmen von ihren Maschinenbau-Aktivitäten getrennt oder planen es zumindest.

In diese Logik passt auch eine Desinvestition der Deutz AG. Diese verkaufte vor kurzem ihre Industrieanlagentochter KHD Humboldt Wedag AG sowie deren Beteiligungen an eine Investorengruppe, die mehrheitlich an der AIG Altmark Industrie AG, einer Grundstücksentwicklungs- und Industriebeteiligungsgesellschaft mit Sitz in Arneburg bei Stendal, beteiligt ist. Der betroffene Bereich umfasst ein Umsatzvolumen von rund 100 Mio. Euro, das etwa 500 Mitarbeiter erwirtschaften. Allerdings steht die formelle Zustimmung der Kartellbehörden dafür noch aus.

Des Weiteren trennt sich die zur MG-Technologies gehörende Lurgi AG von ihrem weltweiten Metallurgiegeschäft, das in der Lurgie Metallurgie GmbH zusammengefasst ist. Im Falle der Zustimmung durch die Kartellbehörden wird der finnische Technologiekonzern Outokumpu das Unternehmen übernehmen.

Auch diese Transaktion steht, wie bereits die vorher beschriebenen, im Zeichen der Konzentration auf das Kerngeschäft der Muttergesellschaft. Nach Angaben von MG-Vorstand Kajo Neukirchen wird sich Lurgi nun auf die Bereiche Öl, Gas und Chemie sowie Life Science konzentrieren. Lurgi Metallurgie baut mit 200 Mitarbeitern Anlagen in der Eisen- und Nichteisenmetallurgie sowie der Schwefelsäureherstellung. STEFFEN MEZGER

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