Management

Sicherheit in der unsicheren Welt von morgen

Unternehmen werden sich künftig nicht mehr nur um den Mitarbeiter als Arbeitskraft, sondern auch um den Mitarbeiter in seinem persönlichen Umfeld kümmern. Vorreiter in der Neuorientierung des „social care“ sind wieder einmal die USA.

Nur selbständig agierende Mitarbeiter können die komplexer werdenden Aufgaben bewältigen. Das hat Auswirkungen in allen technischen Disziplinen bis hinein in die Ebenen des Managements.
„Immer mehr Menschen handeln und entscheiden autonom, mündig und frei,“ sagt Peter Gross, Professor für Soziologie an der Universität St. Gallen, und stellt sich damit einem Phänomen, das vor allem für gut ausgebildete, kompetente Naturwissenschaftler und Techniker große Bedeutung hat: die Ungewißheit der Zukunft.
Was morgen sein wird, ist nach Überzeugung von Peter Gross nicht mehr planbar und vorhersehbar, weil neue Werte die bis dato akzeptierten Parameter in Frage stellen – oder zumindest erschüttern. Souveräne Manager an der Spitze von selbstbewußten Teams werden gebraucht. Die Bereitschaft zu kommunizieren und soziale Verantwortung zu übernehmen halten in den Unternehmen Einzug und schaffen so ein Gegengewicht zu der immer komplexer werdenden und daher ungewissen Außenwelt.
Die These des Schweizers Gross wird von den US-Amerikanern Edith Weiner und Arnold Brown unterstützt. Die jenseits des Atlantiks als Gurus gehandelten Zukunftsforscher und strategischen Vordenker sind davon überzeugt, daß die Wirtschaftsgesellschaft in den Startlöchern der „Emotile“-Ära sitzt. Emotile setzt sich zusammen aus Emotion und Motility, „den beiden herausragenden Aspekten der kommenden neuen Welt“, wie Edith Weiner betont. Emotion steht dabei für ein „ansteigendes Interesse am eigenen, persönlichen Wohlbefinden“. Motility definiert Arnold Brown als „instabile, kurzlebige, sich rasch verändernde Beziehungswelten“ – dies gilt für den Arbeitsplatz wie für das private Umfeld.
Hinzu kommt eine weitere gravierende Veränderung: „Die Zeit der Konzepte ist schon längst vorbei,“ weiß der Bewußtseinsforscher und Trainer John Hormann aus Baden-Baden. Wer morgen mit den Erfolgsrezepten von gestern agieren will, werde im Abseits landen. Die alte „Gewißheitsgesellschaft“ verwandele sich derzeit in eine „Ungewißheitsgesellschaft“. Für Manager und Mitarbeiter bedeutet das konkret: Die Arbeitswelt aller Techniker und Ingenieure verändert sich nicht mehr mittelfristig in Schüben, sondern beinahe täglich.
Die Kunst des Führens wird deshalb für die technischen Manager wichtiger denn je. Aber genau daran mangele es den meisten Führungskräften, beobachtet John Hormann immer wieder. Den durchschnittlichen Typus eines Managers erlebt er „als einen, der von seinen eigenen Bedürftigkeiten getrieben ist“. Auf Dauer könne jedoch nur der souveräne Manager Führungserfolg haben. „Nur dann gibt es keine Kommandostrukturen mehr, sondern es kommt Power auf – mit dem Willen zum Erfolg,“ vermutet John Hormann. Denn selbstbewußte Teams könnten nur mit Souveränität geleitet werden. Und nur mit selbstbewußten Teams könne die ungewisse Zukunft bewältigt werden.
Mit dieser Einschätzung liegt der Baden-Badener auf einer Linie mit erfahrenen Beratungspraktikern. Diese stellen unisono fest, daß sich die Führungsstile ändern müssen. Dreh- und Angelpunkt sei die Kommunikation, die in vielen Unternehmen und Abteilungen im argen liege. Der Trainer Manfred Gröper beispielsweise, Geschäftsführer der TA & M – Gröper GmbH in Gröbenzell, beobachtet in seinen Beratungen immer wieder: „Manager schotten sich nach unten ab.“ Er kennt auch den Grund für dieses Verhalten: „Sie tun dies aus Angst, die Mitarbeiter könnten Defizite bei ihnen erkennen.“ Doch dieses Sicherheitsdenken sei unangebracht, wirke sich negativ auf die Führung aus. Gröpers Vorschlag für eine Gegenstrategie: offene und ehrliche Kommunikation. Nur so könne Teamarbeit realisiert werden, die zwar immer laut gepredigt, aber nur selten realisiert werde. Teamarbeit müsse zudem Spaß machen. Deshalb konstatiert Manfred Gröper: „Lust statt Last an der Arbeit kann nur via Kommunikation vermittelt werden.“
Um Teamarbeit nicht nur als Worthülse im Unternehmen präsent zu haben, sondern als gelebten Alltag, legt John Hormann Führungskräften eine zusätzliche Veränderung der bisherigen Praxis ans Herz: „Bei auftauchenden Problemen nicht externe Experten ins Haus holen, sondern die eigenen Mitarbeiter befragen und – vor allem – ihnen zuhören.“ Der Baden-Badener Trainer ist überzeugt: „Alle nötigen Informationen sind in einem Unternehmen vorhanden, aber oft fehlen die richtigen Fragen“. Da in den technischen Abteilungen – ob Konstruktion und Entwicklung oder Werkstoffkunde – hochqualifizierte Mitarbeiter beschäftigt sind, könnte diese Forderung leicht erfüllt werden.
Mehr Schwierigkeiten als bei der Verbesserung der Kommunikation und der Einführung echter, hierarchieübergreifender Teamarbeit sehen die Managementexperten und Zukunftsforscher im Wandel der Beziehungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Für die Berater steht fest: Der einzelne Mitarbeiter wird als Individuum immer wichtiger und diese Bedeutung muß ihm vermittelt werden. Manager, die dies versäumen oder gar für überflüssig halten, würden bald die besten der guten Ingenieure und Techniker verlieren. Die Aufgaben der ungewissen Zukunft seien nur mit flexiblen, selbständig handelnden Mitarbeitern zu bewältigen.
Der Hamburger Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx prognostiziert für den Personalmarkt den Run auf gute Mitarbeiter. Unternehmen werden sich um die besten Kollegen heiße Gefechte liefern. Ist schon bald Geschichte, daß die Beschäftigten um zu besetzende Stellen bei den Unternehmen konkurrieren? Horx konstatiert ohne jeden Zweifel: „Die Unternehmen werden händeringend versuchen, die Besten anzulocken – und zu halten.“
Damit aber noch nicht genug Veränderungen. Die Personalabteilungen werden sich einer weiteren neuen Verantwortung stellen müssen. Die Balance zwischen Körper, Geist und Seele, also die psychosoziale Gesundheit aller Mitarbeiter, wird ein zusätzliches Aufgabengebiet, denn das reine Funktionieren der Menschen reicht in den neuen Arbeitswelten nicht mehr aus. „In einer wissensorientierten Ökonomie geht es um neue Qualifikationen. Wissens-Arbeit ist viel kreativer als die Tätigkeit im Industriezeitalter,“ sagt Matthias Horx.
Hier schließt sich der Kreis zwischen den Amerikanern Edith Weiner und Arnold Brown, dem Baden-Badener Trainer John Hormann und dem Hamburger Zukunftsforscher Matthias Horx, hier setzen die Veränderungen an: Kreativität ist verknüpft mit Emotionen, die bislang am Arbeitsplatz nichts zu suchen hatten. Da die vielschichtigen Aufgaben von einem allein nicht mehr bewältigt werden können, werden Teams eingesetzt. Somit werden andere soziale Fähigkeiten benötigt: Der Mensch in seiner Ganzheit wird gefordert und gebraucht. Matthias Horx erläutert: „Wer eine schlechte Ehe führt, projiziert dies auf sein Team. Wer mit seinen inneren Konflikten nicht umgehen kann, blockiert den Prozeß.“
Das Geheimnis des Führens heißt also künftig , den Mitarbeitern Stabilität in einer instabilen Welt bieten. Kennzeichen dieser vom Unternehmen angebotenen und im Unternehmen erzeugten Stabilität sind ein hoher Freiheitsgrad der Mitarbeiter und die permant vermittelte Gewißheit für die Mitarbeiter, daß sie gebraucht werden: genau am jetzigen Arbeitsplatz, in diesem Team und in diesem Unternehmen, in dem sie ihr technisches Know-how bereits heute zur Verfügung stellen. So schaffen offene Kommunikation und hierarchieübergreifende Teamarbeit innere Stabilität und so wird die Emotile-Ära nicht nur zur Herausforderung, sondern auch zur Chance.
BEATE HENES-KARNAHL
Der Mitarbeiter von morgen soll sich in seiner Arbeitswelt rundum wohlfühlen. Wer allerdings hofiert werden will, hat die Anforderungen der Zeit mißverstanden.

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Leiter Technisches Büro Dresden (w/m/d) Dresden-Radebeul
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Leiter Technisches Büro Güstrow (w/m/d) Güstrow
Stadt GÖTTINGEN-Firmenlogo
Stadt GÖTTINGEN Stadträtin / Stadtrat Göttingen
Stadt Langenfeld-Firmenlogo
Stadt Langenfeld Referatsleitung Umwelt, Verkehr, Tiefbau (m/w/d) Langenfeld
Stahlwerk Annahütte Max Aicher GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Stahlwerk Annahütte Max Aicher GmbH & Co. KG Ingenieur (m/w/d) als Fertigungsleiter Ainring
Ludwig Meister GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Ludwig Meister GmbH & Co. KG Technischer Leiter (m/w/d) Fluidtechnik Dachau
Carl-Thiem-Klinikum Cottbus gGmbH-Firmenlogo
Carl-Thiem-Klinikum Cottbus gGmbH Leiter Bau/Technik (m/w/d) Cottbus
KÖNIGSTEINER AGENTUR GmbH-Firmenlogo
KÖNIGSTEINER AGENTUR GmbH Ingenieur (m/w/d) als Bereichsleitung Technisches Objektmanagement / Immobilien Nordrhein-Westfalen
Giesecke+Devrient Currency Technology GmbH-Firmenlogo
Giesecke+Devrient Currency Technology GmbH Leiter Service Support (m/w/d) München
über ifp l Personalberatung Managementdiagnostik-Firmenlogo
über ifp l Personalberatung Managementdiagnostik Geschäftsführer (m/w/d) Nordrhein-Westfalen

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung