Personalmanagement

„Selbst bei starkem Wachstum werden wir in Deutschland keinen Mitarbeiter zusätzlich einstellen“  

VDI nachrichten, Lohr, 21. 7. 06, mav – 4 % bis 5 % Umsatzwachstum pro Jahr – so optimistisch sind die Geschäftserwartungen von Manfred Grundke, Vorstandschef der Bosch Rexroth AG. Dennoch werde wohl kein zusätzliches Personal eingestellt. Stattdessen könne man froh sein, wenn mit den gerade anlaufenden Programmen zur Produktivitätssteigerung die Beschäftigung an den deutschen Standorten gehalten werden kann, erklärt Grundke im Interview.

Grundke: Bei aller Diskussion über Asien und die USA sind Deutschland und die erweiterte EU als Märkte von hoher Bedeutung für uns. Wir machen ein Drittel unseres Umsatzes in Deutschland. Darum ist es wichtig zu beobachten, wie sich die Region entwickelt, wie unser eigenes Umfeld – und zu analysieren, welche Bedeutung diese Veränderungen für uns als Unternehmen haben.

VDI nachrichten: Steht Ihr öffentliches Engagement für den Standort Deutschland nicht im Gegensatz zu Ihren Plänen, vor allem in den USA und Asien zu wachsen?

Grundke: Nein. Dass wir die Standorte in Asien und Amerika ausbauen und stärken müssen, bestätige ich gern. Aber dass das ausschließlich zu Lasten der deutschen Standorte geht, muss nicht sein. Das hängt davon ab, wie sich die Umgebung hier entwickelt.

Es ist ein Unterschied, ob wir etwas verlagern wollen, oder ob wir in den dynamischeren Märkten zusätzlich wachsen wollen. Eine Voraussetzung für dieses Wachstum ist sicherlich die Wertschöpfung in der Region. Man kann in Asien und Amerika nur entsprechend wachsen, wenn man dort Wertschöpfung hat. Man kann nicht alles aus Deutschland exportieren.

Dennoch wird man hier die gesunde Basis behalten müssen. Dazu gehört das ganze Prozess-Know-how, dazu gehört das ganze Produkt-Know-how. Dazu gehört insbesondere die Erfahrung der Mitarbeiter. Das Wissen und die Erfahrung unserer Mitarbeiter sind ein nicht kopierbares Differenzierungsmerkmal für uns.

VDI nachrichten: Wenn Sie auf dieses Know-how abheben: Heißt das, dass Sie F+E auch in Zukunft vorrangig in Deutschland behalten werden?

Grundke: Die Fluidtechnik, insbesondere die Hydraulik, bildet den größten Teil des Rexroth-Geschäfts. Deutschland ist Weltmarkführer und Technologieführer in der Fluidtechnik. Aachen, Dresden, Karlsruhe, Braunschweig und Hamburg stellen führende Institute und Lehrstühle auf diesem Gebiet. Wir haben ein hohes Interesse daran, dass das hohe Know-how im Maschinen- und Anlagenbau an den deutschen Universitäten bestehen bleibt.

VDI nachrichten: Warum?

Grundke: Weil es einen Standortvorteil darstellt, dass wir im Maschinenbau hier Hochschulen haben, die weltführend sind. Diese Institute versorgen uns mit dem notwendigen technischen Nachwuchs, der wiederum sicherstellt, dass wir unseren Vorsprung halten können.

Wird diese Pipeline gestört, sind wir als Unternehmen gezwungen, dort zu investieren, wo wir unsere Pipeline füllen können. Das ist dann im Software-Bereich z. B. Indien.

VDI nachrichten: Aber müssen Sie nicht ohnehin viel stärker dort entwickeln, wo Ihre Kunden sind, nämlich zunehmend im Ausland?

Grundke: Die Frage ist: Wo machen wir unsere Produkt- und Produktplattform-Entwicklung, und wo entwickeln wir die Applikationen?

Die Anwendung machen wir sicherlich dort, wo unsere Kunden, wo unsere Märkte sind. Die Plattformen entwickeln wir dort, wo wir das richtige Personal für solche Themen bekommen und wo wir auch die Schlüsselkunden haben. Damit meinen wir die Unternehmen, die Trendsetter sind, die die Technologien treiben, für die wir dann unsere Produkte anbieten.

VDI nachrichten: Wie sieht Bosch Rexroth in fünf Jahren aus?

Grundke: Ich hoffe, Rexroth wächst in den kommenden fünf Jahren mit der gleichen Geschwindigkeit wie in den vergangenen vier Jahren. Das wäre ein Umsatzwachstum von 4 % bis 5 % im Durchschnitt.

Damit müssten wir die Beschäftigtenzahl im Inland nahezu konstant halten können. Selbst bei so starkem Wachstum werden wir hier keinen Mitarbeiter neu einstellen können.

VDI nachrichten: Weil dieses Wachstum nicht in Deutschland generiert wird?

Grundke: Genau, es wird im Wesentlichen kein deutsches Wachstum sein. Es wird ein Umsatzwachstum aus Deutschland heraus sein, aber ich gehe davon aus ohne Personalaufbau. Denn wir sind gezwungen – vor dem Hintergrund der jüngsten Tarifabschlüsse – entsprechend zu rationalisieren und die Produktivität zu erhöhen, wenn wir die Belegschaft halten wollen. Und das wird schon schwierig genug.

VDI nachrichten: Ist der Lohnkostenanteil bei Rexroth tatsächlich so hoch, dass davon die Standortwahl wesentlich beeinflusst wird?

Grundke: Unser Lohnkostenanteil liegt je nach Bereich zwischen 25 % und 30 %. Diese Quote ist typisch für den klassischen Maschinenbauer. Und auch für uns, denn wir sind kein Anbieter von Massenprodukten. Von unseren 15 000 Beschäftigten in Deutschland gehören fast zwei Drittel zum gewerblichen Bereich. Dort ist es zwingend, dass wir weitere Produktivitätssteigerungen schaffen.

VDI nachrichten: Ist das noch realistisch machbar?

Grundke: Ja! Wir führen jetzt gerade flächendeckend das Bosch Production System ein. Und hier sind deutliche Produktivitätsfortschritte bereits in der Praxis nachgewiesen.

VDI nachrichten: Was zeichnet dieses System aus?

Grundke: Das Grundprinzip ist das des permanenten Materialflusses. Das heißt, Material soll nicht liegen, sondern permanent in Bewegung sein. Deshalb optimiert man die Arbeitsfolge, man portioniert die Arbeitsinhalte so, dass eine Taktung möglich wird. Das Thema heißt Wertstromoptimierung. Am Ende des Tages führt das zu einer drastischen Reduzierung der Bestände.

VDI nachrichten: Es reduziert also die Kapitalbindung?

Grundke: Es reduziert drastisch den Bedarf an Raum, also die Produktivität pro Fläche wird deutlich höher. Und durch die Optimierung des Flusses kann in der gleichen Zeit mehr produziert werden. Die Stillstandzeiten werden geringer. Das bedeutet, dass solch eine Fertigung natürlich auch mehr Volumen braucht.

VDI nachrichten: Woher soll das kommen? Welche Branchen wachsen stark?

Grundke: Auf dem Feld der Mobilhydraulik sehen wir erhebliche Wachstumspotenziale. Die technologische Entwicklung geht dahin, dass ein immer höherer Anteil an Elektrohydraulik in die Maschinen integriert wird.

Regional sind die USA und Asien interessant. Es entstehen in Asien zurzeit viele neue Kunden, die Komponenten benötigen.

Für die USA ist unser Ansatz, in sehr dynamischen Branchen besser Fuß zu fassen. Dazu zählen wir die Halbleiterindustrie mit ihren Ausrüstern, die Nahrungsmittel- und die Verpackungsindustrie.

VDI nachrichten: Aber ist nicht gerade in der Nahrungsmittelindustrie der Automationsgrad schon sehr hoch?

Grundke: Die Herstellung von Nahrungsmitteln und die Verpackung gehören zu den prozessgetriebenen Industrien. Das heißt, hier finden wir Förderbänder, hier gibt es Bedarf an Steuerungstechnik und elektrischen Antrieben, nach Pneumatik, Linearführungen, an Bewegungstechnik. Das können wir alles aus einer Hand bieten.

Heute kauft man diese Komponenten traditionell bei einer Reihe von unterschiedlichen Lieferanten und hat dann das Problem mit der Integration. Wir können alles aus einer Hand anbieten. Wir können auch Funktionen, die momentan nur mit zwei oder drei Komponenten darstellbar sind, in einer mechatronischen Baueinheit realisieren. Das ist ein Wettbewerbsvorteil.

Darüber hinaus steigt in den Emerging Markets, wie Zentral- und Osteuropa, aber auch Asien, mit dem Lebensstandard zugleich deutlich die Nachfrage nach innovativen und auffälligen Verpackungen.

VDI nachrichten: Aber ist dafür dann immer die hochwertigste Lösung gefragt?

Grundke: Nein, unser Kunde wird ja auch nicht in jedem Fall eine hochwertige Lösung benötigen. Die einfache Stand-alone-Maschine, sagen wir die Bierflaschenabfüllanlage für eine kleinere Brauerei, wird ja schon lange in China produziert – auch wenn die Maschine dann trotzdem später ein deutsches Emblem trägt.

VDI nachrichten: ¿und ihre Komponenten beinhaltet?

Grundke: Dies ist noch nicht der Fall. Deshalb sehen wir ja in diesen Regionen und Branchen Potenzial.

VDI nachrichten: Um in diese Niedrigpreisregionen zu kommen, brauchen Sie da nicht eine Mehrmarken-Strategie? Rexroth für die hochwertigen Lösungen, eine Zweitmarke für die billigeren Produkte?

Grundke: Das prüfen wir intensiv. Auf keinen Fall werden wir Abstriche bei der Qualität der Produkte machen. Aber mit unserer Kernmarke Rexroth verbinden wir ja auch ein umfangreiches Dienstleistungsangebot, das über den Komponentenpreis abgegolten wird. Ich will nicht ausschließen, dass wir in Zukunft eine Marke XY haben werden mit einem eingeschränkten Dienstleistungsangebot.

MARTIN VOLMER

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