Management

„Schon mit 55 die Übergabe planen“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 31. 1. 07, sta – Jedes Jahr steht bundesweit in über 70 000 mittelständischen Betrieben ein Generationswechsel an. Wie aber wird der Staffelstab erfolgreich übergeben? Wo finden Senior und Nachfolgeinteressent zusammen? Wer zahlt wie viel Geld an wen? Fragen gibt es reichlich. Einige konnte der Kölner Unternehmensberater Holger Morbitzer im Rahmen einer Telefonaktion beantworten.

Frage: Wo finde ich ein zu meinen Interessen passendes Unternehmen?

Morbitzer: Ein Blick in das Nachfolgeportal nexxt.org des Bundeswirtschaftsministeriums lohnt sich auf jeden Fall. Neben grundlegenden Informationen zum Thema Generationswechsel gibt es hier auch eine Unternehmensbörse. Systematisch kann nach übergabewilligen Unternehmern in bestimmten Branchen und Regionen gesucht werden. Problematisch daran ist: Nicht alle Inserate sind eingehend verifiziert. Handels- oder Handwerkskammer müssen zwar ihren Segen vor Einstellung einer Offerte geben, ihnen fehlt aber oft schlicht die Zeit, um das betreffende Unternehmen zu durchleuchten. Viele Angaben des Unternehmens bleiben deshalb ungeprüft.

Wer eine Nachfolge antreten will, sollte also mehrgleisig fahren. Ein Besuch bei der lokalen Wirtschaftsförderung kann sich ebenso lohnen wie Gespräche mit Steuer- oder M&A-Beratern. Auch der direkte Kontakt zur Handels und Handwerkskammer ist empfehlenswert. Schließlich wollen einige Seniorchefs ihr Lebenswerk nicht bundesweit öffentlich vermarkten.

Wer ernsthaft ein Unternehmen sucht, kommt oft nicht um den Einsatz eines Nachfolgecoaches herum. Eine Übergabe zu initiieren und durchzuführen, ist schließlich sehr zeitaufwendig. Nebenberuflich ist das kaum zu stemmen – jedenfalls nicht alleine. Ein Nachfolgecoach sollte über eigene Unternehmer-Erfahrung verfügen und wie ein Projektmanager arbeiten. Seine Aufgabe ist es, Steuerberater, Rechtsanwälte und Banken im richtigen Moment mit an Bord zu holen.

Frage: Wie viel Geld kann ich für mein Unternehmen verlangen?

Morbitzer: In der Literatur gibt es haufenweise komplizierter Verfahren. Ich persönlich empfehle den Einsatz von Multiples. Dabei werden beispielsweise die letzten drei Jahresumsätze mit einem bestimmten Faktor gewichtet. Dieser Faktor kann u. a. aus der Zeitschrift „Finance“ entnommen werden. Dort sind für verschiedene Branchen Multiplikator-Spannen genannt. Ob ein Faktor aus dem oberen oder unteren Bereich herangezogen wird, hängt von vielen Rahmenbedingungen ab. Etwa: Gibt es nur einen oder sehr viele Kunden? Sind die Lieferanten kurzfristig ersetzbar? Ist das geistige Eigentum gesichert? Gibt es eine zweite Managementebene? Letztlich ist der Verkaufspreis stets das Ergebnis langwieriger Verhandlungen. Die Multiples sind nur ein erster Hinweis. Sie nutzen aber gar nichts, wenn es keine Nachfrage nach dem Betrieb gibt.

Frage: Mein Vater ist 70. In den letzten Jahren hat er wenig in seine Firma investiert. Sie geriet in Schieflage. Trotzdem möchte ich den Familienbetrieb fortführen. Woher bekomme ich Geld, um den Investitionsstau aufzulösen?

Morbitzer: In dem Fall ist die Hausbank die beste Anlaufadresse. Sie wird aber darauf bestehen, dass der Senior die Geschäftsführung komplett abgibt und mindestens 51 % der Unternehmensanteile überträgt. Kreditinstitute legen – wie alle anderen Kapitalgeber auch – Wert auf klare Verhältnisse.

Vor dem Gespräch mit der Bank ist ein Businessplan aufzustellen, aus dem der Liquiditätsbedarf entnommen werden kann. Das Papier kann auch benutzt werden, um etwa bei Bürgschafts- und öffentlichen Förderbanken vorzusprechen. Gegenüber der KfW beispielsweise gelten Nachfolger als Gründer. Sie haben also die Möglichkeit, entsprechende Mittel zu beantragen.

Alternativen zur Hausbank könnten Beteiligungsgesellschaften oder auch Business Angels sein. Diese interessieren sich allerdings meist nur für größere und vor allem wachstumsstarke Unternehmen. Außerdem müssten die Nachfolger bereit sein, Unternehmensanteile abzugeben.

Frage: Wann sollte ich mit der Planung der Nachfolge beginnen?

Morbitzer: Schon mit 55. Das hat mehrere Gründe. Laut Erbrecht können beispielsweise alle zehn Jahre 205 000 € am Fiskus vorbei an die Kinder vererbt werden. Wer diese Frist mehr als einmal nutzen will, sollte also früh aktiv werden.

Eventuell kann auch die Ertragssteuer gesenkt werden. Ein Weg ist, die Rechtsform oder die Eigentumsverhältnisse vor Verkauf der Firma zu ändern. Dabei sind allerdings häufig Sperrfristen von fünf bis sieben Jahren zu beachten.

Wer eine familieninterne Lösung anstrebt, sollte seinen Kindern die Zeit geben, sich auch außerhalb des Unternehmens auf die spätere Verantwortungsübernahme vorzubereiten. Nur so kann einer Betriebsblindheit vorgebeugt werden.

Außerdem braucht es Zeit, die persönlichen Kontakte des Unternehmers auf den Nachfolger zu übertragen. Idealerweise stellt der Senior den Juniorchef bei allen Kunden und Lieferanten persönlich vor und steht ihm auch danach für längere Zeit beratend zur Seite.

Noch früher als mit 55 Jahren sollte jeder Unternehmer einen Notfallplan erstellen. Immerhin wird gut ein Viertel aller Nachfolgen spontan erzwungen – etwa durch Krankheit oder Unfall. Ein solcher Plan muss beispielsweise regeln, wer im Fall der Fälle die Geschäfte weiterführt. Der neue Chef muss in dem Papier darüber informiert werden, über welche Bankverbindungen er ab sofort verfügen kann, wer die Ansprechpartner bei den wichtigsten Kunden und Lieferanten sind oder welche Passwörter und Codes in der EDV zu beachten sind. Der Plan sollte bei einem Notar hinterlegt sein. Die Bank belohnt die Existenz eines Nachfolgeplans übrigens mit einem verbesserten Rating. S. ASCHE

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