Management

Schleudersitze und Steigflüge für Manager

Heinrich von Pierer wechselt auf den Chefposten des Konzern-Aufsichtsrats und überlässt Klaus Kleinfeld das Feld bei Siemens. Zuvor präsentierte von Pierer in diesem Jahr noch einmal ein Siemens-Rekordergebnis. Andere waren weniger erfolgreich, manche verschwanden sogar ganz von der Bildfläche, und mancher posierte sehr unvorteilhaft.

Ein Bild ging um die Welt: Joseph Ackermann, Chef der Deutschen Bank, machte mit seinem Victory-Zeichen zum Prozessauftakt im Mannesmann-Verfahren Anfang des Jahres keine glückliche Figur. Sein eigenwilliger Auftritt in einem der spektakulärsten Wirtschaftsverfahren wegen Untreue brachte ihm viel Kritik ein. Im Laufe des Verfahrens saßen auch alle anderen Angeklagten nicht im vorteilhaften Licht: Erinnerungslücken und laue Ausflüchte waren nicht selten an der Tagesordnung. Da war der gediegene Auftritt von Sir Chris Gent, dem einstigen Chef von Vodafone und damaligen Erzfeind des Ex-Angeklagten Klaus Esser während der so genannten Mannesmann-Übernahmeschlacht, schon fast unterhaltsam. Esser selbst schien das nicht so zu sehen. Er guckte den einstigen Rivalen die ganze Zeit fast nicht an.
Dass es gut ausging für die Angeklagten ist die eine Sache, die andere: Nicht zuletzt der Prozess in Düsseldorf heizte eine alte Diskussion wieder an: Verdienen Manager zu viel? Warum wird ihr Salär oft nicht individuell veröffentlicht wie es in den von eben diesen Managern viel gepriesenen Vorbild-Ländern wie beispielsweise USA üblich ist? Der Begriff der Corporate Governance geisterte plötzlich wieder durch das Land und wollte nicht wieder verschwinden, und plötzlich war der Begriff der Managerhaftung in aller Munde. Im Sommer war es soweit: Ein Gesetz, so ließ die Regierung wissen, solle her, um Manager für falsche Aussagen verantwortlich zu machen. Wild entschlossen war Bundesjustizministerin Zypries, aber es ist wie so oft: als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet, in diesem Fall sogar eher als Staubtuch. Das Gesetz wird es wohl doch nicht geben. Wohl aber zunehmend Dax-Unternehmen, die die Vorstandsbezüge individuell ausweisen, auch Siemens hat es in diesem Jahr getan, seitdem weiß die Nation, dass von Pierer 4,6 Mio. € verdient hat. Dafür musste die so genannte Cromme-Kommission nun auch schon lange werben.
Dass es wichtig ist, flexibel zu sein, stellten in diesem Jahr sicher viele unter Beweis, da muss man nur an Herrn Ex-Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Alfred Tacke, dessen Wechsel von der Politik in die Privatwirtschaft zur Steag (einer Tochter der RAG, wo Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller die Fäden in der Hand hält) in Essen für ein mittelschweres Erdbeben sorgte: Darf der das? Das fragten Repräsentanten aus Wirtschaft und Politik vereint. Eine Person musste in diesem Jahr auch vollkommen das Modell wechseln: Wolfgang Bernhard, mit 42 Jahren war er ab 2002 im Vorstand von DaimlerChrysler und sollte in diesem Jahr Nachfolger von Jürgen Hubbert als Chef von Mercedes werden, dann stoppte der Aufsichtsrat die Karriere des Sanierers zwei Tage vor dem Sprung an die Spitze. DaimlerChrysler-Chef Jürgen E. Schrempp soll nicht traurig gewesen sein. Apropos Schrempp: Der Welt AG-Manager selbst ließ im April schon mal seinen Vertrag ein Jahr vor dem Ablauf vorzeitig bis 2008 verlängern. Mercedes-Chef wurde später Wolfgang Cordes. Jetzt hat Bernhard dafür bei VW einen Gang zugelegt: Chef Bernd Pischetsrieder bekommt nämlich Gesellschaft im Vorstand, spätestens Anfang 2006 soll Bernhard dort als Marketingchef anheuern. Da bleibt abzuwarten, wo Thomas Holtrop wieder auftaucht, der einstige T-Online-Chef mit Fortune. Nach der Neustrukturierung durch Vorstandschef Kai-Uwe Ricke ging T-Online jedoch in der T-Com auf. Und bei der Chefpostenbesetzung der Festnetzsparte ging Holtrop dann leer aus, da ging er lieber selbst und kassierte eine hohe Abfindung. T-Com-Chef wurde Walter Raizner, der von IBM zum Telekomriesen wechselte. Noch ein anderer ist zurzeit von der öffentlichen Bildfläche verschwunden: Ulrich Schumacher, der sich als Infineon-Chef gern im Rennwagen fotografieren ließ, wurde im Frühjahr überraschend geschasst und durch den wenig auf spektakuläre Außenwirkung setzenden Wolfgang Ziebart ersetzt.
Mit Pauken und Trompeten endete auch die Karriere von Udo Stark bei MG Technologies. Hauptaktionär Otto Happel wollte ihn – wie schon 17 Monate zuvor Kajo Neukirchen – wegen unterschiedlicher Auffassungen loswerden und setzte sich durch: Im November wurde Jürg Oleas zum neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt. Der Schweizer wird nun in Bochum leben, das Ruhrgebiet ist zumindest seiner Frau nicht fremd: Sie ist in Essen aufgewachsen.
Viele Namen ließen sich noch erwähnen beim Rückblick auf 2004, da ist Hakan Samuelson, neuer MAN-Chef, da ist Carl-Peter Forster, der Vize-Chef von GM in Europa wurde, und dessen Nachfolger bei Opel ein Ingenieur ist: Hans Demant, dessen Jobangesichts der aktuellen Situation bei Opel kein Zuckerschlecken ist. Da ist die Bankerin Christine Licci, die nach einer brillanten Karriere bei der Commerzbank plötzlich den Chefsessel räumte und im nächsten Jahr wohl bei der Hypovereinsbank zum Neustart ansetzt. Jürgen Thumann, der den BDI-Präsidentenstuhl übernimmt. Und natürlich auch Herbert Demel, der jetzt das Sagen beim angeschlagenen italienischen Autobauer Fiat hat. Einen brillanten Aufstieg kann auch Thomas Enders bei EADS verbuchen: Er wird voraussichtlich im Sommer nächsten Jahres gemeinsam mit dem derzeitigen Airbus-Chef Noel Forgeard die Leitung übernehmen. Im November hatte er seinen ersten großen Auftritt: Axel Claus Heitmann, Chef des neuen von Bayer abgespaltenen Chemieunternehmen Lanxess, das im Januar an die Börse geht. Er kündigte Betriebsschließungen an den Standorten Marl und Goch an.
To be continued … C. HANTROP

Von C. Hantrop

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