Management

Rio-Economy bringt Wirtschaftswachstum mit weniger Input

VDI nachrichten, Aachen, 9. 1. 04 -Wie kann die Wirtschaft den Material- und Energieverbrauch senken, gleichzeitig wachsen und positive Beschäftigungsziele erreichen? Das funktioniert mit besserer Ressourcen-Nutzung, könnte sogar 750 000 Arbeitsplätze in Deutschland schaffen.

Eine positive Zukunft zeichneten Wissenschaftler, die ihre Studien auf der Jahrestagung der Kathy-Beys-Stiftung in Aachen vorstellten. Die schlechte Nachricht: Die Idee der besseren, effektiveren Ressourcen-Nutzung, die Idee der Ressourcen-Input-Optimierung (Rio), ist noch nicht genug akzeptiert, um positive Effekte zu erzielen.
Eine Studie im Auftrag der Kathy-Beys-Stiftung enthält dazu überraschende Ergebnisse.
Prof. Dr. Bernd Meyer von der Uni Osnabrück, Gründer der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und einer der Autoren der Studie „Wachstums- und Beschäftigungsimpulse rentabler Dematerialisierung“ erklärte in Aachen, dass eine Steigerung der Ressourcen-Produktivität zu Umsatz-, Gewinn- und Beschäftigungseinbußen bei den Lieferanten von Material und Energie führe, während sich die Empfänger der Material- und Energiedienstleistungen über Kostensenkungen freuen könnten.
Die Wirkung der Ressourcen-Einsparungen laut GWS-Modellen: Eine Reduktion der Material- und Energiekosten um 20 % bis zum Jahr 2015 erhöht das reale Bruttoinlandsprodukt (zusammenfassendes Maß der wirtschaftlichen Leistung einer Volkswirtschaft) um zirka 10 %.
Wie dies auf die Beschäftigung wirkt, hängt davon ab, wie die Wirtschaft auf den mit der Dematerialisierung verbundenen Wertschöpfungszuwachs reagiert – etwa mit höheren oder fast gleich bleibenden Löhnen. Je nachdem kann es zu fast einer halben Million Arbeitsplatzverlusten kommen oder zu einer Steigerung der Beschäftigung um rund 750 000 Personen.
Auch der deutsche Staat muss bei dieser Wirtschaftsweise nicht leer ausgehen: Es winkt ein zusätzliches Steueraufkommen 21 Mrd. € €
Meyer: „Die volkswirtschaftlichen Effekte der Dematerialisierung sind auf jeden Fall positiv und fördern den Strukturwandel.“
Nächste Überraschung: die These des niederländischen Umweltwissenschaftlers Wouter van Dieren auf dem Aachener Forum. Er behauptete: „Bisher sind alle unsere Berechnungen von Wohlstand und Bruttosozialprodukt falsch.“
Wie sein Landsmann, der Maler Pieter Breughel im 16. Jahrhundert auf seinem berühmten Bild vom Turmbau zu Babel schon dargestellt habe, so van Dieren, würden in der Ökonomie die einzelnen Bauschritte und Investitionen als Fortschritt gewertet, während Abfälle, Umweltbelastungen und Naturverluste aller Art ebenso wie Hausarbeit und Kindererziehung nicht als Wirtschaftsfaktoren berechnet würden.
Van Dieren, Mitglied des Club of Rome und Direktor des Instituts für Umwelt und Systemanalyse (Imsa) in Amsterdam, befürchtet, dass die Niederlande um das Jahr 2035 in den Fluten versinken könnten, wenn die Klimaerwärmung den Meeresspiegel weiter in die Höhe treibe.
„Die dramatischen Folgen unserer Wirtschaftsweise werden nicht erkannt. Wir brauchen dringend Unternehmen, die unsere Lösungsideen aufgreifen“, stellte van Dieren auf dem Aachener Forum „Our sustainable future“ im alten Rathaus der Kaiserstadt fest.
Die Aachener Stiftung Kathy Beys, Veranstalterin des Forums, setzt sich für die Rio-Economy ein. Nur so sei vor dem Hintergrund einer wachsenden und industriell aufholenden Weltbevölkerung ein Kollaps der Biosphärensysteme zu verhindern.
MARIANNE WOLLENWEBER
www.faktor-x.info

Von Marianne Wollenweber

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