Personalmanagement

Reich werden in der Firma des Chefs

Von den rund 30 Mio. Arbeitnehmern halten nur 2,3 Mio. Anteile an der Firma, in der sie arbeiten: zu wenig, befinden Kanzler Schröder und Unternehmer.

Wie viele Unternehmen in Deutschland gibt es, in denen ein Mitglied des Betriebsrats bei den Sitzungen des Vorstandes dabei ist? Viele dürften es nicht sein, eines davon ist die Homag AG im schwäbischen Schopfloch.
Die Homag, ein mittelständisch geprägtes Unternehmen, praktiziert seit vielen Jahren nicht nur einen partnerschaftlichen Unternehmensstil, die Manager beteiligen die Mitarbeiter auch am Unternehmen. Eine Idee, die so neu nicht ist, die bislang jedoch eher ein Schattendasein geführt hat.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Erst haben die Personalchefs den unternehmerisch denkenden Mitarbeiter entdeckt, jetzt sollen die Beschäftigten durch eine Beteiligung an der Firma auch wie Unternehmer gestellt werden.
Damit werden mehrere Ziele verfolgt: Die Motivation wird gestärkt, den Firmen wird Kapital zugeführt und die Mitarbeiter können ihre Alterssicherung auf eine breitere Grundlage stellen. Unternehmen schaffen damit „workholder value“, so VW-Personalvorstand Peter Hartz, vergangene Woche auf der Jahrestagung der „Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft“ (AGP) in Wolfsburg.
Auch die Politik hat die Mitarbeiterbeteiligung entdeckt. Für Kanzler Schröder ist sie, als Ergänzung zur Mitbestimmung, die zweite Säule, auf der seine Idee von einer Teilhabegesellschaft ruht: „Haben und Sagen“ als Grundlage der sozialen Marktwirtschaft. Die Arbeitnehmer sollen aber nicht nur an dem Unternehmen beteiligt werden, in dem sie arbeiten, sie sollen auch auf dem Kapitalmarkt Aktien zeichnen. Eine bequeme Gesellschaft ist die neue soziale Marktwirtschaft à la Schröder indessen nicht: Wer auf den Zug mit Aktien aufspringe, so der Kanzler, dürfe keine Vollkaskomentalität mitbringen. In Deutschland waren 1998 (neuere Zahlen liegen nicht vor) insgesamt 2,3 Mio. Arbeitnehmer an dem Unternehmen beteiligt, in dem sie angestellt waren, 1,8 Mio. kamen in den Genuss von Belegschaftsaktien, 200 000 verfügten über eine Stille Beteiligung und jeweils 100 000 stellten dem Unternehmen entweder ein Darlehen zur Verfügung oder waren im Besitz von Genussrechten (siehe Grafik). Auch auf seiten der Unternehmen waren Stille Beteiligungen, Darlehen und Belegschaftsaktien am häufigsten verbreitet.
Welche Beteiligungsform jeweils „richtig“ ist, hängt von mehreren Faktoren ab: von der Rechtsform des Unternehmens (Belegschaftsaktien z. B. können nur von Aktiengesellschaften vergeben werden, Genossenschaftanteile nur von Genossenschaften, Stille Beteiligungen eignen sich besonders für Handelsunternehmen in der Rechtsform einer OHG, KG, einer GmbH oder GmbH&Co.KG), von der Verfügbarkeit des eingesetzten Kapitals, aber auch vom Risiko, das mit den jeweiligen Beteiligungsformen verbunden ist. Denn mit dem Einstieg in ein Unternehmen haben die Mitarbeiter nicht nur Anteil am Erfolg, sondern auch am Misserfolg.
Aber dieses Risiko muss nicht zum Ruin führen, es lässt sich reduzieren. Kursverluste zum Beispiel können durch Kurssicherungsgeschäfte minimiert werden, die Folgen einer Pleite lassen sich durch Bürgschaften mildern.
Was sind die Vorteile von Mitarbeiterbeteiligungen? Bei Belegschaftsaktien bleibt die Haftung, wie bei fast allen Mitarbeiterbeteiligungen, auf die Einlage begrenzt, der Inhaber ist mit vollen Gesellschaftsrechten ausgestattet. Bei börsennotierten Gesellschaften sind die Aktien leicht verfügbar, bei guter Börsenlage steigen die Gewinnchancen. Wer eine Stille Beteiligung hält, erwirbt zwar keine Gesellschaftsrechte, aber eine jährliche Beteiligung am Gewinn.
Beim Mitarbeiter-Darlehen leihen die Beschäftigten dem Unternehmen Geld, wofür sie jährlich einen Zins erhalten, bisweilen auch verbunden mit einer Gewinnbeteiligung. Da solche Darlehen durch eine Bankbürgschaft abgesichert werden müssen, entfällt das Konkursrisiko.
Zu den neueren Formen der Mitarbeiterbeteiligung zählen die Wandelanleihen, Mitarbeiterguthaben und Aktien-Optionspläne, so genannte Stock Options.
Wandelanleihen sind Schuldverschreibungen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraumes in Aktien eingetauscht, eben gewandelt, werden können. Sinkt der Aktienkurs, wird die Anleihe zum Nennwert zurückgenommen, klettert der Kurs, wird die Aktie erworben, die Beteiligung steigt im Wert. Beim Mitarbeiterguthaben wird eine Erfolgsbeteiligung gut geschrieben und später ausgezahlt. Der Vorteil: Steuern und Abgaben werden erst bei Auszahlung fällig.
Mit Aktien-Optionen erhalten Mitarbeiter das Recht, zu einem festgelegten Termin und zu einem zuvor festgesetzten Preis Aktien zu erwerben. Mit diesen Stock Options erwerben die Mitarbeiter aber keinen Anteil am Unternehmen, sondern nur an der Wertsteigerung.
Wer kommt in den Genuss von Mitarbeiterbeteiligungen? Alle Beschäftigten, die das nötige Kapital aufbringen können. Doch als der VW-Konzern seinen Aktions-Options-Plan einführen wollte, mussten die Manager feststellen, dass in einem maßgeblichen juristischen Kommentar davon die Rede ist, dass Aktienoptionen nur an solche Mitarbeiter ausgegeben werden dürften, die einen Beitrag zur Wertsteigerung des Unternehmens leisten. Unter den Juristen, kritisiert Hartz, habe sich offenbar noch nicht herumgesprochen, dass alle Mitarbeiter einen Beitrag zur Wertsteigerung leisten – vom Vorstand bis zum Pförtner. Die VW-Manager haben den Aktien-Plan dennoch verwirklicht, mittlerweile haben sich 50 % der insgesamt 104 000 VW-Angehörigen daran beteiligt.
Für die meisten Arbeitnehmer, die mit ihrem Geld Anteile „ihres“ Unternehmens halten, dürfte sich die Investition lohnen. So summiert sich das Kapital, das die Mitarbeiter von Bertelsmann nach 30 Jahren angesammelt haben, auf rund 200 000 DM, bei der Homag AG kommt jeder (nach 25 Jahren) auf 100 000 DM, beim Büromöbelhersteller Wilkhahn (knapp 30 Jahre Mitarbeiterbeteiligung) auf 70 000 DM. Und bei der Hypovereinsbank, dort gibt es seit 33 Jahren eine Beteiligung, haben Mitarbeiter sogar schon 700 000 DM angehäuft.
Die Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen könne aber nur ein Weg sein, um die Arbeitnehmer am Produktivvermögen zu beteiligen, meint Professor Meinhard Miegel vom Institut für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn. Er plädiert grundsätzlich für eine Vermögensbildung, zu der z.B. auch der Kauf von Aktien auf dem Kapitalmarkt oder das Sparen gehören können.
Gelassen kann die Diskussion um die Vermögensbildung von den Microsoft-Mitarbeitern verfolgt werden. Rund 10 000 der weltweit 30 000 Beschäftigten gelten als Millionäre – durch Aktiensparpläne und Stock Options reich geworden. Und auch zu seinem Betriebsrat, darauf legt Microsoft-Deutschland-Chef Richard Roy großen Wert, pflege die Geschäftsleitung ein gutes Verhältnis. HARTMUT STEIGER
Infos: Michael Lezius, Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP), Kassel, Tel: 0561/36044, E-Mail: info@agpev.de; Internet: http://www.agpev.de
Bundeskanzler Schröder will aus den Deutschen ein Volk von Aktionären machen. VW-Chef Ferdinand Piëch geht mit einem Aktienoptionsplan voran.
Stiefkind: Rund 1,8 Mio. Arbeitnehmer kommen in Deutschland in den Genuss von Belegschaftsaktien. Auf Seite der Unternehmen sind Stille Beteiligungen am meisten verbreitet.

Von Hartmut Steiger

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