Management

„Qualität setzt sich auch in Krisen durch“

Modernes Qualitätsmanagement setzt, wie H. Schnauber feststellt, einen ganzheitlichen Ansatz über Fach- und Abteilungsgrenzen hinweg, voraus.

VDI nachrichten: Zehn Jahre Bochumer Qualitätstage. Was beobachten Sie dort an Veränderungen beim Qualitätsdenken der beteiligten Firmen?

Schnauber: Wie die gesamte Qualitätsbewegung auch, haben wir uns von der Normungsarbeit hin zum Ziel „Exzellenz“ entwickelt, oder wie wir sagen: von der Pflicht zur Kür.

VDI nachrichten: Wann kann ein Unternehmen für sich „exzellente Produkte“ beanspruchen?

Schnauber: Dahinter steht immer ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, nie nur ein Kriterium, das sie erfüllen müssen. Nur wenn man die Mitarbeiter ermächtigt, sie informiert, Verbindungen zum Kunden herstellt und dort verlässliche Partnerschaften wachsen lässt, entsteht dauerhaft Mehrwert, kurz: Wertschöpfung durch Wertschätzung.

VDI nachrichten: Frei nach dem Chef-Motto: „Geben Sie Ihrem Mitarbeiter eine Aufgabe und dann gehen Sie ihm aus dem Weg?“

Schnauber: Diese Aussage könnte zu dem falschen Schluss führen, bei aller gewährten Freiheit die Mitarbeiter nicht mehr unterstützen zu müssen. Denn sich kümmern ist ganz wichtig. Und: Auch mal Fehler verzeihen und Leistung anerkennen kann nur der Chef, der Bescheid weiß und nachfragt. Sagen wir deshalb lieber: Gib Deinem Mitarbeiter eine Aufgabe, und verhilf ihm dazu, dass er daran wächst.

VDI nachrichten: Fällt Ingenieuren in Führungspositionen diese Balance zwischen Vertrauen und Kontrolle schwerer?

Schnauber: Sicher fehlen vielen Ingenieuren schon von der Ausbildung her zu oft die Detailkenntnisse der Managementtheorie. Viele Angebote an den Hochschulen hierzu sind leider nicht Teil des Pflichtprogramms. Hier müssen Ingenieure im Beruf dann erst mal lernen, auch Erkenntnisse anderer Disziplinen in ihren Arbeitsalltag einzubauen. Nicht von ungefähr fordert modernes Qualitätsdenken einen ganzheitlichen Ansatz über Fach- und Abteilungsgrenzen hinaus.

VDI nachrichten: Wie wichtig sind da Vorbilder?

Schnauber: Sicher eignen sich die Erfolgreichsten einer Berufsgruppe immer, als positives Beispiel Nachahmer zu finden. Leider gibt es aber in Deutschland nicht viele Ingenieure in den Top-Positionen, mit Ausnahme der Automobil-Industrie.

VDI nachrichten: Dort fällt BMW-Chef Joachim Milberg auf, der sich mit Sätzen wie „Nichts ist erfolgreicher als der gemeinsame Erfolg“ bedingungslos für die Einbindung der Mitarbeiter einsetzt, anstatt den starken Chef zu verkörpern.

Schnauber: Zu diesem Weitblick hat vielleicht seine Zeit als Professor an der Münchener Universität beigetragen. Aber Spaß beiseite: Man darf hier nicht den Fehler begehen, den charismatischeren Führungsstil generell abzuwerten. Denn schließlich ist auch ein Ferdinand Piëch mit seinem Weg höchst erfolgreich. Es gibt eben nicht nur einen Weg nach oben, das ist auch bei Fußballtrainern gut zu beobachten. Entscheidend ist, Glaubwürdigkeit und Gerechtigkeit auszustrahlen, um bei seinen Spielern wie bei Mitarbeitern anzukommen. So hat es auch ein Uwe Loos, inzwischen Chef von FAG Kugelfischer, auf all seinen Stationen immer blendend verstanden, seine Mannschaft zu motivieren.

VDI nachrichten: Glaubt man einer aktuellen Untersuchung des Meinungsforschungs-Instituts Gallup, erscheint die Realität in deutschen Betrieben Besorgnis erregend: Danach wird der Schaden durch unengagierte, frustrierte Mitarbeiter auf jährlich über 400 Mrd. DM geschätzt. Der Grund: hohe Fehlzeiten und niedrige Produktivität.

Schnauber: Über die Höhe lässt sich möglicherweise streiten, doch die Tendenz ist leider unübersehbar: Wer Mitarbeiter schlecht behandelt, sie über die Geschäftsentwicklung nicht informiert oder ihnen mit zu hohen Anforderungen Angst macht, bekommt die Quittung – da kann er noch so viel drohen. Dann kommt es zur inneren Kündigung. Das verlorene Potenzial kann man dann in den Freizeit-Aktivitäten beobachten. Hier holt sich der Einzelne mit für Chefs oft erstaunlichem Engagement dann seine Erfolgserlebnisse in Vereinen oder Verbänden. So nach dem Motto: Tagsüber verdiene ich mir meine Brötchen und nach Feierabend die Anerkennung.

VDI nachrichten: Wie lautet Ihr Gegenentwurf?

Schnauber: Da komme ich auf Ihr Milberg-Zitat zurück: Gemeinsamer Erfolg ist das Ziel, und alle müssen im Erfolgsfall daran partizipieren. Den Mitarbeiter als Mit-Unternehmer bekommt man dann, wenn die Folgen guter Leistung für ihn prompt spürbar werden. Auch hier können wir vom Fußball lernen: Wenn etwa Kaiserslautern ein Modell einführt, Spieler tabellenplatzabhängig zu bezahlen, wird Erfolg unmittelbar belohnt.

VDI nachrichten: Doch was passiert am Ende einer Siegesserie? Qualitäts-Vordenker scheinen da Nerven zu zeigen: Ulrich Schumacher steckt mit Infineon als erneuter Finalist des Europäischen Qualitätspreises tief in akuten Finanznöten, Bahnchef Mehdorn prangert plötzlich den fehlenden Ordnungssinn seiner Fahrgäste an. Fehlen ihnen die Erfolgserlebnisse?

Schnauber: Natürlich wachsen die Anforderungen der Kunden ständig. Erfolg kann nicht immer permanent steigende Gewinne bedeuten. Sie können gar nicht alle Größen beeinflussen, da kommen auch Durststrecken. Unter erschwerten Umständen kann es daher auch ein Erfolg sein, zum Beispiel einen erreichten Level an Kundenzufriedenheit zu halten oder dem negativen Branchentrend zu trotzen. Denn Qualität setzt sich auch in Krisen durch.

VDI nachrichten: Aber droht nicht doch die Gefahr, dass Qualitätsdenken nach Einbrüchen selbst bei Vorzeige-Firmen wie Infineon als „Modetrend“ auf der Kippe steht, weil Mitarbeitern auch dort, trotz Beteiligungsprogramm, am Ende die Entlassung droht?

Schnauber: Rückschläge sind mit keiner Methode auszuschließen. Die Notwendigkeit, durch Änderungen auf Schwächephasen zu reagieren, werden Sie nie ablösen können. Hier stelle ich die Gegenfrage: Was wäre denn gewesen, wenn sich Infineon nicht durch vorbildliche interne Verbesserungskonzepte für die einbrechende Chipkonjunktur gewappnet hätte? Da fällt mir auch das Beispiel des Heiztechnik-Herstellers Vaillant ein, den es möglicherweise nicht mehr gäbe, wenn er nicht trotz der Krise Anfang der 90er Jahre das Qualitäts-Modell eingeführt hätte. Das hat ihnen nicht nur den Deutschen Qualitätspreis eingebracht, sondern auch den Markterfolg. Deswegen freue ich mich auch auf einen unserer diesjährigen Vorträge von Vinod Singhal ganz besonders. Er lautet: Mit Geduld zum Erfolg. A. LEIMBACH

@ www.innosys.net

.Herbert Schnauber

Herbert Schnauber, 63, ist seit 1985 Inhaber des Lehrstuhls für Arbeitssystemplanung und -gestaltung an der Ruhr-Uni Bochum. Vor zehn Jahren rief der promovierte Dipl.-Ing. die Tagungsreihe „BQT Management-Forum“ (vormals Bochumer Qualitätstage) ins Leben. Die Jubiläumsveranstaltung am 25. und 26. Oktober trägt das Motto „Herausforderungen annehmen – Hervorragendes leisten“. Als Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) in Frankfurt hatte er maßgeblichen Anteil an der Schaffung des Deutschen Ludwig-Erhard-Qualitätspreises, der im November in Berlin zum fünften Mal verliehen wird. A.L.

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