Management

Projektentwickler Umweltkontor: Vom Winde verweht

VDI nachrichten, Frankfurt, 8. 10. 04 -Vor drei Jahren waren Öko-Aktien noch die Lieblinge der Anleger. Inzwischen hat sich der Wind gedreht. Vor allem Windenergie-Firmen stecken in der Flaute. Am schlimmsten erwischte es Umweltkontor. Der Projektentwickler hat Insolvenz angemeldet.

Für Heinrich Lohmann, Chef von Umweltkontor, waren lange Zeit zweistellige Zuwachsraten selbstverständlich. Auf der Hannover-Messe 2000 tönte er noch, der Windenergie-Markt habe enormes Zukunftspotenzial und werde jährlich um bis zu 30 % wachsen.
Doch Lohmann hat sich verrechnet. Zwar wuchs das Unternehmen kontinuierlich, doch zuletzt weiteten sich die Verluste aus. Das Jahr 2003 endete mit einem Minus von 46 Mio. € – bei einem Umsatz von 174 Mio. €. So war es für die meisten Börsianer nicht verwunderlich, dass Umweltkontor Anfang September Insolvenz anmeldete. „Wir haben die Zukunft vielleicht etwas zu optimistisch gesehen“, räumt ein Sprecher der Firma ein.
Als Hauptgrund für die gigantischen Verluste nennt das Unternehmen, dessen Kerngeschäft in der Projektierung von Windparks besteht, erhebliche Abschreibungen bei der Bioenergie-Sparte. Außerdem habe Umweltkontor unter der „Hängepartie“ bei der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gelitten, die Banken vor Investitionen zurückschrecken ließ.
Für Experten liegt jedoch der wahre Grund in Management-Fehlern. Umweltkontor-Chef Lohmann habe in den Boom-Zeiten des Neuen Markts wild Firmen aus anderen erneuerbaren Energien, wie Sonnenenergie, Wasserkraft und Biomasse, hinzugekauft, um weniger vom Wind-Geschäft abhängig zu sein. Bei vielen zugekauften Gesellschaften, wie zum Beispiel dem Solarzellenhersteller ErSol oder dem Spezialisten für Biodieselanlagen Nevest New Energy, musste Umweltkontor viel Geld investieren. Folglich gingen dem Projektentwickler bald die Mittel aus.
Beim Bundesverband Windenergie bemüht man sich, Umweltkontor als „Einzelfall“ zu bewerten. Präsident Peter Ahmels spricht von einer „besonderen Verkettung von unglücklichen Umständen“. Den meisten Projektentwicklern gehe es gut. Ähnlich sieht dies Henrik Lier, auf erneuerbare Energien spezialisierter Analyst der WestLB. „Es gibt durchaus noch deutsche Projektentwickler, die rentabel sind“, sagt er und verweist auf Firmen wie Winkra, WKN oder ansatzweise auch Energiekontor. Skeptisch sieht er dagegen Firmen wie Plambeck. Das Unternehmen schreibt noch schlechtere Zahlen als Umweltkontor.
Über die Zukunft von Umweltkontor entscheidet nun ein Insolvenzverwalter. Als wahrscheinlichste Option gilt der Verkauf von einzelnen Unternehmensteilen oder lukrativen Töchtern wie ErSol. Potenzielle Investoren hätten Interesse an einer kompletten Übernahme oder zumindest an Teilen der Gesellschaft gezeigt, erklärt Insolvenzverwalter Volker Quinkert. Zu den zahlreichen Interessenten gehören Wettbewerber von Umweltkontor, Windparkbetreiber und Kapitalgesellschaften.
Für die Aktionäre von Umweltkontor dürfte indes nichts mehr zu holen sein. Da die Schuldner ihr Geld zurückfordern, werde am Ende für die Aktionäre nichts mehr übrig sein, meint Analyst Lier. Von einem Einstieg bei Umweltkontor zum jetzigen Zeitpunkt rät er ab.
Schon jetzt ist die Umweltkontor-Aktie zu einem Spielball von Zockern geworden. Als das Unternehmen zwei Wochen nach der Insolvenz-Ankündigung ermutigende Halbjahreszahlen mitteilte, schnellte der Kurs nach oben. Mit derzeit 0,33 € ist die Aktie ein „Penny Stock“ und weit von seinem Ausgabekurs von 11,50 € entfernt.
Lediglich Anleger der 85 Windpark-Fonds von Umweltkontor haben nichts zu befürchten. „Die Insolvenz hat keine Auswirkungen auf die Fonds“, versichert der Umweltkontor-Sprecher. Die Fonds sind eigene Gesellschaften und lediglich über einen Betriebsführungsvertrag an Umweltkontor gekoppelt. NOTKER BLECHNER

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