Innovation

Produktentwickler entdecken „Communities“

Damit Neuentwicklungen zum wirtschaftlichen Erfolg für Unternehmen werden, gilt es, im Technologie- management klare Strategien zu verfolgen. Diese haben sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verändert, wie nun eine Veranstaltung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie (IPT), Aachen, bei Audi in Ingolstadt zeigte.

Eigentlich sollte es für Technologiemanager keine großen Überraschungen geben – eigentlich. Denn bei der Vorstellung der besten fünf Unternehmen im „Konsortial-Benchmarking Technologiemanagement“ Mitte Februar in Ingolstadt, zeigte sich selbst Initiator Prof. Günther Schuh, Direktor des Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie (IPT), Aachen, vom diesjährigen Ergebnis überrascht. „Gegenüber dem ersten Technologiemanagement-Benchmarking vor zehn Jahren gab es diesmal einige neue Schlüsselerkenntnisse“, stellte er fest.

Ebenso machte er deutlich, dass deutsche Unternehmen aktuell nicht innovativ genug seien. Auf Nachfrage der VDI nachrichten sagte Schuh: „Die Unternehmen sind zwar mit einem gut aufgestellten Portfolio besser aus der Krise gekommen als viele Wettbewerber. Darin liegt aber auch die Gefahr, dass ihnen der Blick auf künftige Herausforderungen vernebelt wird.“ Die diesjährigen Gewinner seien den anderen Unternehmen darin weit voraus. Insgesamt hatten sich 298 Unternehmen den Fragen der IPT-Mitarbeiter gestellt, etwa ein Drittel aus dem Ausland.

Die wesentlichen Veränderungen skizzierte Schuh so: Vor zehn Jahren habe man gemerkt, dass eine reine Produktorientierung nicht ausreichend sei, um erfolgreich zu sein, so wurden neue Prozesse etabliert. Vor etwa drei Jahren standen vor allem organisatorische Fragen im Vordergrund. So sei es der Wunsch gewesen, eine beispielhafte Organisationsform zu finden – jedoch ohne eine allgemein gültige Referenz identifizieren zu können. Nun sei es die kulturelle Prägung und die ganzheitliche Betrachtung, welche als bedeutend betrachtet würden. Generell sei das Technologiemanagement nun angekommen. „Die Frage ist nicht mehr, ob es gemacht werden soll, sondern wie es für das Unternehmen richtig ist“, stellte Schuh fest.

Eine neue Erkenntnis in dem Zusammenhang ist, dass „Communities“ den klassischen Stage-Gate-Prozess bereichern. So sei das Trichtermodell zwar eine gute Möglichkeit, das Risiko in der Technologieentwicklung zu reduzieren, um innovativ zu sein, müsse dagegen aber auch ein Risiko eingegangen werden, verkündete der Experte. Belegt wurde das von den diesjährigen Gewinnern, insbesondere durch Delphi Corporation und Nokia Siemens Networks, für die der Wandel zu offenen Innovationssystemen zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren zählen.

Für Delphi erklärte dazu der Cheftechnologe Andrew Brown: „Wenn meine interne Innovationspipeline eine Effizienz von 5 % aufweist, wird kein Chef der Welt sagen: ,Ich gebe Dir das doppelte Budget, damit Du das doppelte Ergebnis erzielst.‘“ Eine Effizienzsteigerung im Innovationsprozess sei dagegen nur durch Einbeziehung externen Wissens, von Zulieferern, ausgewählten Partnern oder von erworbenen Lizenzen möglich. Ebenso sei es wichtig, eigene Erkenntnisse, die nicht zu den eigenen Kernaufgaben gehören, über Patente und Lizenzen anderen Unternehmen zur Verfügung zu stellen.

Das Wissen der Gemeinschaft macht man sich auch bei Nokia Siemens Networks zunutze, um Innovationen zu generieren. Laut Sigurd Schuster, dem Chef des Technologiebüros des Kommunikationstechnologieanbieters, werde die Ideenfindung dabei von einem globalen Ideenmanagementwerkzeug unterstützt.

Dennoch gab es auch Kritik an dem offenen Ansatz. So verwies Peter Kitzer, Technologiemanager im Unternehmensbereich Personal Care bei der 3M Deutschland, darauf, dass Kunden nicht immer den Nutzen eines Technologiewandels abschätzen könnten, weil ihnen dazu manchmal die Vision fehle. Auch deshalb setzt 3M laut Kitzer weiter stark auf den klar fokussierten Stage-Gate-Prozess. Dabei sei das richtige Timing oft wichtiger als kurze Entwicklungszeiten. Kitzer: „Ich habe viele Innovationen erlebt, die zu früh auf dem Markt waren.“ In einem solchen Fall sei es wichtig, sich nicht zu einem späteren Zeitpunkt von Wettbewerbern überholen zu lassen. 3M wurde in diesem Jahr ebenfalls als „Best Practice“-Unternehmen ausgezeichnet.

Dass sich Hartnäckigkeit und gezieltes Marketing auszahlt, machte als weiterer Preisträger die Firma Schott deutlich. Laut Vorstandsmitglied Dr. Hans-Joachim Konz war vor 30 Jahren zunächst auch kein Küchengerätehersteller bereit, Kochfelder aus Glas einzusetzen. Erst musste Vertrauen in die Zuverlässigkeit geschaffen werden und dann gelang mit einem kleineren, innovativen Hersteller der erfolgreiche Marktzugang. Ähnliches erlebe Schott nun mit den ersten arsenfrei produzierten Glaskochfeldern.

Auch bei Schott hatte sich die Entwicklungsstrategie im Laufe der Jahre geändert. Neben den Bedürfnissen der Kunden beziehen die Entwickler zunehmend die Bedürfnisse der Endverbraucher in ihre Arbeit mit ein. So werde durch den Kundennutzen eine Alleinstellung für das Unternehmen erreicht. Als Mittel zur Motivation der Mitarbeiter gibt es bei Schott intern jährlich Auszeichnungen für Forschungsarbeiten und Patente.

Damit ist Schott nicht allein. Bei Delphi gibt es zu dem Zweck eine „Innovation Hall of Fame“ für erfolgreiche Erfinder. Nokia Siemens Networks gründet gezielt Start-ups, um Innovationen eine Chance zu geben, die es im Konzern schwer hätten. Ähnlich machte das auch der fünfte Preisträger in der Runde, der Automobilzulieferer Dräxlmaier Group mit seiner Ausgründung Qestronic.

Die internationale Beteiligung ließ in diesem Jahr auch einen grenzübergreifenden Vergleich zu. Dabei wurde laut IPT-Direktor Schuh deutlich, dass die Unterschiede längst nicht mehr so groß sind wie noch in der Vergangenheit. Als Beispiel nannte er die bisherige Technologiestärke der Europäer und Marketingstärke von US-Unternehmen. M. CIUPEK

Von M. Ciupek

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