Personalmanagement

Pralinen für die Ehemaligen  

VDI nachrichten, Berlin, 11. 1. 08, cha – In den neuen Bundesländern klagen die Unternehmen über Fachkräftemangel. Um Leistungsträger, die ihre Heimat gegen einen Job im Westen oder Übersee eingetauscht haben, zurückzuerobern, lassen sich die Länder und Unternehmen einiges einfallen. Heimatschachteln mit Pralinen sind da nur ein Beispiel. Nur beim Gehalt wird nichts versüßt.

Marcus Fourmont hatte immer daran gedacht, zurückzuziehen. Er verließ nach dem Studium Mecklenburg-Vorpommern in Richtung Schweden, der Arbeit hinterher. In Bad Doberan war er zur Schule gegangen, in Wismar hatte er sein Diplom in Bauingenieurwesen gemacht. Den Bezug zu seiner Heimat verlor der 31-Jährige jedoch nie. „Mir gefällt die Ostsee. Hier lebt meine Familie, meine Eltern“, sagt Fourmont. In einer Phase als er mit seiner Arbeitsstelle unzufrieden war, wendete sich Fourmont an die Rückholagentur MV4You. „Ich habe auf der Internetseite mein Profil eingegeben und danach regelmäßig eine E-Mail mit Stellenangeboten bekommen. Eines Tages passte es einfach.“

Inzwischen hat er einen Arbeitsvertrag bei einem schwedischen Unternehmen, das bei Rostock Stahltragwerksysteme für Betondecken herstellt und vertreibt. Fourmont soll die Konstruktionsabteilung aufbauen und leiten. „Für mich galt immer die Bedingung, dass meine Rückkehr gleichzeitig mit einer Verbesserung meiner beruflichen und meiner familiären Situation einhergehen musste.“ Fourmont war erfolgreich. Im Sommer nächsten Jahres zieht er mit seiner Frau und seinen drei Kindern zurück an die Ostsee.

Einen wie ihn hat Mecklenburg-Vorpommern dringend nötig. Denn hier sind Fachkräfte inzwischen besonders dünn gesät. Die Bevölkerung schrumpft. Von einstmals fast 2 Mio. Einwohnern zum Zeitpunkt der Wende auf heute 1,7 Mio. In den vergangenen Jahren haben besonders die Leistungsträger dem Bundesland den Rücken zugekehrt, um in Westdeutschland oder im Ausland Arbeit zu finden. Insgesamt verließen 2,18 Mio. Ostdeutsche zwischen 1991 und 2004 die neuen Bundesländer. Agenturen wie MV4You versuchen nun, sich gegen den Trend zu stemmen und die Fachkräfte wieder ins Land zu holen. „Die Nachfrage bei den Unternehmen steigt beständig. Im Augenblick sind gerade Maschinenbauer, Elektrotechniker oder Ingenieure in der Windenergie gefragt“, sagt Projektleiter Olaf Hagen.

Bei Unternehmern sind die Rückkehrer willkommen. „Ich habe einen kleinen Betrieb. Nach Indien zu fahren und dort nach Personal zu suchen, dafür fehlt uns die Reichweite“, sagt Norbert Geyer. Seit zehn Jahren zeichne sich der Fachkräftemangel ab, stellt der leitende Geschäftsführer eines Zuliefererbetriebs für die Elektro- und Maschinenindustrie mit Standorten in Berlin und Dessau fest. „Wir haben jahrelang in der Branche zu wenig ausgebildet. Jetzt fehlen uns die Leute“, sagt Geyer. Seine Hoffnungen ruhen auf den Ostdeutschen Fachkräften, die im Westen Deutschlands ihr Glück versuchten. „Vielleicht gelingt es uns, einige von ihnen wieder zurückzuholen“, sagt Geyer. Es sei eine Frage des Überlebens, bekräftigt Werner Mankel, Geschäftsführer der IHK-Dresden. „Wir brauchen die Leistungsträger. Schon in wenigen Jahren gibt es nicht mehr genug Nachwuchs, um die altersbedingten Abgänge zu ersetzen.“

Die Ansätze in den neuen Bundesländern hierfür sind sehr unterschiedlich. So hatte die Stadt Magdeburg fast 1000 Landeskindern in der Fremde im vergangenen Jahr Heimatschachteln geschickt. In ihnen befanden sich Pralinen, verschiedene Ostprodukte, Freikarten fürs Theater sowie ein Online-Abonnement einer Regionalzeitung. So sollte die Sehnsucht nach der Heimat genährt werden. Aufmerksamkeit hat das Projekt gebracht, doch ob tatsächlich Menschen durch diese Aktion bewogen wurden, wieder zurück in die Heimat zu gehen, ist nicht belegt.

„Man muss den Menschen eine Perspektive bieten können“, sagt Jörg Wiesner vom Netzwerk Junge Karriere Mitteldeutschland (JuKam) des Landes Sachsen-Anhalt. Leider seien nur wenige Unternehmen bereit, Gehälter zu zahlen, die attraktiv genug für Rückkehrer seien. Außerdem würden viele Unternehmen Stellen befristen, um nicht nach dem Ende der guten Auftragslage zu hohe Personalkosten zu haben. „Niemand verlässt für solche Aussichten seine Stelle in Westdeutschland.“ Interessant sei es hingegen, Fachkräfte mit Aufgaben in Zukunftsbranchen zu locken. „Solarfirmen wie Q-Cells in Bitterfeld geben einer Region nicht nur ein positives Image, sondern schaffen auch ganz konkret Arbeitsplätze“, sagt Wiesner. Positives Image haben viele Regionen bitter nötig.

Immer noch verbinden viele Menschen mit dem Chemiedreieck Leuna, Buna und Bitterfeld das Bild einer sterbenden Industrie. In der Region sind das Selbstbewusstsein und der Stolz auf den Standort nicht sehr ausgeprägt. „Es gibt immer noch Lehrer in Sachsen-Anhalt, die ihren Schülern davon abraten, nach dem Abschluss in die Chemie zu gehen, weil dies keine Zukunft habe“, sagt Wiesner. Es ist eine Vorstellung, die noch aus der Abwicklung der ehemaligen DDR-Werke stammt. Doch inzwischen hat sich die Branche wieder aufgerafft. Allein auf dem 1200 ha großen Chemiepark Bitterfeld-Wolfen haben sich rund 360 Firmen mit etwa 11 000 Beschäftigten angesiedelt. „Das beste Argument sind zukunftssichere Arbeitsplätze“, sagt Unternehmer Norbert Geyer. HENNING ZANDER

Von Henning Zander

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