Personalmanagement

„Personenschutz muss in Verträgen verankert sein“  

VDI nachrichten, Berlin, 5. 5. 06, ws – Der Fall der beiden im Irak entführten und am Dienstag frei gelassenen Ingenieure heizt die Sicherheitsdebatte für Länder wie Irak, Iran und Afghanistan an. Maxim Worcester, Geschäftsführer von Control Risks Deutschland, einem auf wirtschaftliche Risiken spezialisierten Beratungsunternehmen, kennt die Gefahrenherde.

Worcester: Auf jeden Fall. Es gibt zwei Reaktionen: „Jetzt fahren wir erst recht nicht in solche Krisenregionen“ und „Wir müssen aktiv werden, um unsere Mitarbeiter künftig besser zu schützen und vorzubereiten“.

VDI nachrichten: Hätte die Entführung unter anderen Voraussetzungen, wie intensiverer Betreuung oder besserer Kenntnisse kultureller Eigenheiten, verhindert werden können?

Worcester: Es stellt sich die Frage: Warum haben die beiden Ingenieure außerhalb des Sicherheitsgeländes gewohnt und nicht innerhalb? Wir hätten die beiden Ingenieure auf dem sichersten Wege ins Sicherheitsgelände gebracht und dort für den gesamten Aufenthalt beschützt. Die Wahrscheinlichkeit einer Entführung wäre so erheblich gesenkt worden. Hundertprozentigen Schutz aber gibt es nicht.

VDI nachrichten: Kann jedes mittelständische Unternehmen solche Sicherheitsmaßnahmen bieten?

Worcester: Natürlich, dieser Schutz ist auf dem freien Markt zu kaufen und muss in die Kalkulation des Auftrages eingebaut werden – vor Abschluss des Vertrages. Alles andere ist Betrug an den Firmen, die die Sicherheit ihrer Mitarbeiter sehr ernst nehmen.

VDI nachrichten: Was sind die gröbsten und häufigsten Fehler bei Entsendung von Mitarbeitern?

Worcester: Oft wird Mitarbeitern nicht erklärt, wie sie sich in alltäglichen Situationen und Notfällen zu verhalten haben. Das bedarf intensiven Trainings. Hält man sich nicht an die kulturellen Gepflogenheiten, hat das nicht selten Situationen zur Folge, die schnell eskalieren.

VDI nachrichten: Sind Westeuropäer in Ländern wie Irak und Iran gleichermaßen gefährdet?

Worchester: Zwischen beiden Ländern liegt ein himmelweiter Unterschied. Im Iran gibt es nicht die gleiche unmittelbare Bedrohung wie im Irak. Iran ist für einen Geschäftsreisenden sogar ein vergleichsweise sicheres Land. Auch innerhalb des Iraks sind die Unterschiede groß. Der Norden, Kurdistan, ist im Gegensatz zur Mitte, zum Süden und vor allem Südwesten sicheres Terrain. Man kann den Irak nicht über einen Kamm scheren.

VDI nachrichten: Welche Motive liegen den Entführungen zu Grunde?

Worcester: Meist handelt es sich um Bandenkriminalität gepaart mit ein wenig Politik und Fanatismus. Die größte Gefahr sind aber weniger Entführungen als vielmehr Bombenanschläge.

VDI nachrichten: Gibt es so etwas wie eherne Gesetze, die Unternehmen und deren im Irakeinsatz befindliche Mitarbeiter unbedingt beachten müssen?

Worchester: Mein Ratschlag: Sich nicht ohne professionelle Betreuung ins Land wagen. ws

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