Personalmanagement

„Partnerschaften sind das Salz in der Suppe“

Die Belegschaft ist am Gewinn beteiligt.

Auf dem kleinen Display taucht ein rechteckiges Firmenlogo auf – eine rote Weintraube auf braunem Grund in einem ovalen Ausschnitt, darunter der Schriftzug „Weber Rittergut – Les Terres Blanches – Spätlese“. Harald Voß justiert das Etikett am Bildschirm, tippt einen Zahlencode ein und wirft noch schnell einen Blick auf Druckmaschine und Papierrolle, legt zwei schwarze Hebel um und schon läuft der Druck an. 5000 Etiketten sind nach einer halben Stunde versandfertig. Dann kontrolliert er noch einmal die schnell rotierenden Gummiwalzen der Maschine: „Wenn sich das Papier verzieht, die Spannung nicht richtig ist, dann können wir den ganzen Andruck wiederholen“.
Ein ganz normaler Etiketten-Druckereibetrieb, könnte man meinen – und doch ist es mehr, vielleicht ein Stück Zukunft in Deutschland.
Denn bei „Bluhm Systeme“ läuft das, was vor Jahren noch als eine Art sozialistisches Experiment galt: Mitarbeiterbeteiligung. Für Eckhard Bluhm aber, den Chef des Hauses, ist sie etwas ganz anderes: „ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland“.
Schon von weitem ist der Schriftzug „Bluhm Systeme“ in der 600-Seelen-Ortschaft Unkel am Rhein zu sehen, dann taucht das moderne, dreigeschossige Produktionsgebäude auf.
In der Produktionshalle riecht es nach Tinte und Industriealkohol. Neun Druckmaschinen rattern. Gelbe, weiße und graue Papierrollen werden auf den Millimeter genau zugeschnitten. Hinter der8 m langen Druckvorrichtung stehen zahlreiche Paletten, tausende Etiketten warten auf den Versand. Auch für so bekannte Firmen wie die Reifenhersteller Continental und Goodyear, die Firma Ruhrglas und den Chemieriesen Johnson. „Alles Kunden von uns“, brüllt Bluhm gegen den Lärm der Maschinen an.
Rund 5 Mio. DM hat Unternehmer Eckhard Bluhm in diese High-Tech-Schmiede investiert, 30 Jahre ist er mittlerweile im Geschäft.
Während einer USA-Reise Anfang der 60er Jahre fiel ihm ein Industriestempel mit austauschbarer Stempelfläche in die Hände. „So etwas gab es damals in Deutschland noch nicht“, erinnert sich Bluhm. Amerikanische Unternehmen konnten damit flexibel Verpackungen und Kartons beschriften. Die Stempel waren in den USA ein Renner, warum sollte es in Deutschland dafür keinen Markt geben, so die Überlegung des damals 28-jährigen Bluhm. Vier lange Jahre bemühte sich Bluhm um den deutschen Generalvertrieb für die Matrizenstempel des amerikanischen Herstellers „Weber Marking Systems“, 1968 erhielt er den Zuschlag und konnte schon im ersten Jahr 50 deutsche Industriekunden für die US-Stempel gewinnen.
Die waren die Basis für den weiteren Expansionskurs – heute beschäftigt Bluhm 180 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von etwa 80 Mio. DM. „Bis zum Jahr 2000 wollen wir die 100-Mio.-DM-Grenze überschreiten“, erklärt der Firmen-Chef.
Der gebürtige Siegener investierte jede Mark in den Ausbau des Betriebes. Denn der Markt, so seine damalige Einschätzung, wird, ähnlich wie in den USA, boomen. „Und dafür wollte ich gerüstet sein“, sagt Bluhm.
Aber er wollte auch für schwierigere Zeiten gerüstet sein, und da waren seine guten Erfahrungen mit den amerikanischen Partnern prägend: „Als Newcomer wurde ich immer fair behandelt“, erinnert er sich und zog für sich daraus den Schluß: „Partnerschaften sind das Salz in der Suppe“.
Ein schriller Pfeifton erklingt: Punkt zwei Uhr, Schichtwechsel. Von seinem Büro aus sieht Bluhm seinen Mitarbeitern hinterher, wie sie über das Firmenglände verschwinden. „Das ist mein Kapital, mein größtes Potential, und sie wissen das.“
Eine Einsicht, aus der Bluhm praktische Konsequenzen zog: Schon vor 15 Jahren dachte er darüber nach, wie er seine Beschäftigten am Unternehmensgewinn beteiligen kann. Sein wichtigstes Ziel: Gewinn-Sharing mit der Belegschaft, verbunden mit einer größeren Unabhängigkeit von Kapitalgebern und Banken.
Mit seiner Belegschaft fand er schließlich eine Lösung: Zusätzlich zu ihrem Gehalt bekommen die Bluhm-Beschäftigten eine Gewinnbeteiligung. Diese fließt in die unternehmenseigene Bluhm Leasing GmbH, an der alle Mitarbeiter als stille Gesellschafter beteiligt sind. Am Jahresende wird ein Teil des Profits auf zehn Jahre festgelegt. In dieser Zeit erhalten die Mitarbeiter die Verzinsung auf das eingesetzte Kapital. „Als Unternehmer verzichte ich zwar auf einen Teil des Gewinns, habe dadurch aber auch zahlreiche Vorteile, die sich für mich rechnen“, meint Bluhm.
Bluhms Leasinggesellschaft hat sich mittlerweile zu einer firmeneigenen Hausbank entwickelt. Das Beteiligungsunternehmen steht für den eigenen Betrieb, aber auch für Kunden bereit, um Investitionen zu finanzieren. Der Anteil der Mitarbeiterbeteiligung beträgt inzwischen rund 5 Mio. DM, immerhin fast 14 % der gesamten Finanzmittel. Und die Mitarbeiter sind es zufrieden: Die Kapitalrenditen lagen in den vergangenen Jahren im Durchschnitt zwischen 20 % und 25 %. „Das bekommt auf dem freien Markt keiner“, weiß Bluhm.
Doch auch für seine eigenen Expansionsziele ist er auf dieses Geld angewiesen, denn seit Jahren entwickelt er selbständig Etikettendrucker. In einer Ecke der Halle laufen gut 40 cm lange Schachteln über ein Transportband in einer Metallführung im Kreis. Eine kleine Teststrecke für Bluhms neueste Entwicklung mit dem Namen „Legitronic 2138“. Im Sekundenrhythmus fährt eine 6 cm x 8 cm breite Stanze von oben nach unten, zieht dabei ein Etikett von einer Spule und preßt die kleine Folie auf die durchlaufenden Kartons. „Bevor wir eine Maschine ausliefern, wird sie von unseren Technikern getestet“, sagt Bluhm.
Jetzt taucht Harald Voß mit einer Palette voller Kartons auf und bereitet einen weiteren technischen Probelauf vor. Direkt neben einer großen Druckmaschine ist ein eher undefinierbares Stahlgerüst zu sehen. Im oberen Teil der Konstruktion laufen vier Metallwalzen, rechts außen ist eine große Papierrolle zu erkennen. „Das ist unser AP 87, unsere Druckmaschine für große Etikettenformate“, erklärt Bluhm. Die Maschine läuft wie geschmiert – blitzschnell jagt ein Stempel mit einem Palettenetikett aus dem oberen Teil des AP 87.
Mit seinem Mitarbeiter-Beteiligungsmodell hat Eckhard Bluhm mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. So haben die Einlagen der Belegschaft Bluhm zu einem satten Finanzpolster verholfen, mit dem er erfolgreich seine Marktposition verteidigen und ausbauen konnte: Egal, wo heute bei Herstellern in Deutschland Produkte und Verpackungen beschriftet oder etikettiert werden, im Regelfall handelt es sich um eine Technik, die in seinem Unternehmen entwickelt worden ist.
Und vor wenigen Monaten hat Bluhm sich auf neues Terrain begeben: Zusammen mit den Milchwerken Köln/Wuppertal hat er begonnen, Milchtüten mit Bild-Etiketten zu versehen, auf denen die Bevölkerung dazu aufgerufen wird, sich bei der Suche nach vermißten Kindern zu beteiligen. „Technisch ist das für uns kein Problem“, meint auch der Produktionsleiter, Hans Dörre, seit 1980 bei Bluhm.
Zugleich aber bindet und motiviert Bluhms Modell die Mitarbeiter. So auch Walter Scharbach, der mittlerweile Harald Voß an der Druckmaschine abgelöst hat. Seit vier Jahren ist der Drucker bei Bluhm beschäftigt. Besonders in diesen Tagen spekulieren er und seine Kollegen wieder gern: „Wieviel bekommen wir in diesem Jahr ausbezahlt, hat sich die Beteiligung wieder gelohnt? Das ist immer wieder ein Thema in der Kantine, am Arbeitsplatz“. Er unterbricht sich, legt eine neue Papierrolle in die Maschine ein. Im Vorjahr ist für ihn bei der Ausschüttung ein gutes 13. Monatsgehalt rausgekommen. „Wer länger dabei ist, kann auch mit mehr rechnen“.
Nach zehn Jahren dann können die Beschäftigten wählen, ob sie ihre Einlage ausbezahlt haben oder das Geld in der Hausbank des Unternehmens lassen und weiter von der Verzinsung als stille Gesellschafter der Firma profitieren wollen.
Die meisten bleiben dabei. „Wir fühlen uns wie Mitunternehmer in diesem Betrieb, das ist schon etwas Besonderes“, erklärt Hans Dörre, „und wir wissen, wenn es dem Unternehmen gut geht, dann rechnet sich die Sache auch für uns“.
Was dieses „Unternehmergefühl“ wert ist, kann er jeden Tag mit eigenen Augen sehen: Die 100 Fahrzeuge der Firmenflotte sind alle über die Bluhm Leasing GmbH finanziert worden. „Und alle tadellos in Schuß“, meint Dörre. Draußen vor der Verladerampe stehen acht rote Bluhm-Pkw. Dörre öffnet die Fahrertür des Opel-Vectra. „Drei Jahre alt, aber wie ladenneu“, so sein Kommentar. Die Außendienstmitarbeiter gingen schon aus eigenem Interesse sorgfältig mit den Service-Fahrzeugen um. „Reparaturen drücken die Bilanz“, und von der hängt ab, wie hoch die Ausschüttung am Jahresende ausfällt.
„Meine Leute sind mit viel Eigeninitiative bei der Sache. Darauf kann ich mich verlassen“, sagt Bluhm. „Letztlich ist es doch die ganze Mannschaft, die zum Erfolg eines Betriebes beiträgt. Und deshalb sollte sie auch am Gewinn beteiligt werden“.
MICHAEL FRANKEN/moc
Mitarbeiterbeteiligung Profit für alle Als regelrechte „Vielzweckwaffe“ gegen die aktuellen Probleme der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft betrachtet die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP) in Kassel die Mitarbeiterbeteiligung. So ließen sich damit Fragen der Unternehmensnachfolge lösen, Konkurse abwenden und Arbeitsplätze sichern, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen fördern, die Investitionsfreudigkeit wegen der höheren Liquidität steigern sowie die Motivation der Mitarbeiter und damit auch der Erfolg des Unternehmens verbessern. Nach Meinung von zahlreichen Experten haben Unternehmen mit Mitarbeiterbeteiligung im Vergleich zu anderen Unternehmen eine höhere Pro-Kopf-Leistung, mehr Kosten- und Qualitätsbewußtsein der Mitarbeiter und einen deutlich geringeren Krankenstand.
Außerdem, so AGP-Geschäftsführer Michael Lezius, würden in der Regel auftretende Probleme und selbst Unternehmenskrisen besser bewältigt. Insgesamt haben erst rund 2500 Betriebe in Deutschland, von ungefähr 100 000 Mittel- und Großunternehmen, ihre Mitarbeiter zu Mitbesitzern gemacht. Von rund 35 Mio. Arbeitnehmern sind nur 2 Mio. am Unternehmensvermögen beteiligt. Fest steht: Beteiligungen fördern den Unternehmergeist. Nach einer Umfrage unter rund 120 AGP-Mitgliedsfirmen kam heraus, daß 85 % solche Beteiligungen als entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg betrachten. Innerhalb von zwei Jahren haben die befragten Unternehmen ihre Produktivität um 11,3 % gesteigert. Umsatz und Umsatzrendite konnten verbessert werden und auch die Krankenstände lagen durchschnittlich um 1 % niedriger als in vergleichbaren Betrieben.
Informationen: AGP, Landgraf-Karl-Str.2, 34131 Kassel, Tel.:0561/36044, Fax:0561/33850
mf

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