Management

Parolen wie „Gier ist gut“ ziehen in den USA nicht mehr  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 1. 2. 08, ws – Die Amerikaner haben spätestens seit dem Bilanzfälschungsskandal um den Energiekonzern Enron genug von Betrug und Verfilzungen, meint der Wissenschaftler Reinhard Zaiser gegenüber den VDI nachrichten. Nutznießer des Wirtschaftsethik-Booms könnten die US-Präsidentschaftskandidaten der Demokraten sein, die auf die Wende zur „grünen Supermacht“ setzen.

Zaiser: Als Vertreter der katholischen Soziallehre befinde ich mich automatisch auf Kollisionskurs mit dem Neoliberalismus. Ich bin Anhänger der sozialen Marktwirtschaft, obwohl ich in einem Land arbeite, das dem Neoliberalismus wohlgesonnen ist. Allerdings gehe ich mit deren Vertretern und vielen Amerikanern konform, wenn es heißt: Für einen Top-Manager, der Top-Leistung bringt, muss es keine Verdienstgrenze geben.

VDI nachrichten: Der Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann spricht von einer neuen Radikalität der deutschen Manager. Anreiz- und Sanktionssysteme führten zwangsläufig zu Verstößen.

Zaiser: Wer sich in dieser Mühle befindet, ist erheblichen Zwängen ausgesetzt. Es wäre aber ein Mythos, zu behaupten, man wäre gezwungen, unethisch zu handeln. „Nein“ sagen erfordert Mut, kostet aber nicht automatisch die Karriere. Der Trend wird sich durchsetzen, dass die Leute sich wehren.

VDI nachrichten: Das heißt im Umkehrschluss, dass zurzeit die Angst vor Sanktionen überwiegt.

Zaiser: Deshalb haben wir ja die Skandale um Siemens, VW und andere. Damit wir daraus lernen.

VDI nachrichten: Lernen deutsche Manager, die sich der öffentlichen Kritik gegenübersehen, daraus?

Zaiser: Sie werden lernen müssen. Von Pierer hätte radikal ausmisten müssen. Stattdessen hat Siemens sich unvorbereitet an der Wall Street notieren lassen, womit das Unternehmen der US-Börsenaufsicht unterliegt. Die versteht keinen Spaß. Mutmaßliche Schmiergeldzahlungen könnten den Konzern teuer zu stehen kommen. Mit einigen wenigen Milliarden Euro Strafe kämen die Siemensianer glimpflich davon. Die Aktionäre sind betrogen und das Vertrauen in die Wirtschaft schwindet. Die Politik ist in der Pflicht.

VDI nachrichten: Sie sind jetzt seit vier Jahren in den USA. Wie kam es zu der Anstellung am Marian College of Fond du Lac in Wisconsin?

Zaiser: Nach den Skandalen um die Unternehmen Enron, Worldcom oder Tyco finden in den USA in Schulen, Hochschulen und Unternehmen ethische Debatten statt. Insbesondere das Fach „BusinessEthics“ erfährt ein nie gekanntes Interesse. Über 1000 Colleges und Hochschulen suchen Fachleute, die aber in der Kombination von Philosoph/Theologe und Management-Experte schwer zu finden sind. Mit meiner Qualifikation lag ich im Anforderungsprofil: ein wenig Kant, ein wenig Aristoteles und dazu das Wissen um die Managementpraxis, um den kommerziellen Kontext.

VDI nachrichten: Warum plötzlich dieser Aufschrei in den USA? Geschoben und getrickst wurde doch schon immer.

Zaiser: Das Erdbeben Enron erschütterte die gesamte Gesellschaft und wirkt bis heute nach. In Folge der unglaublichen Vergehen der Enron-Manager wurden 2002 die Gesetze im so genannten „Sarbanes-Oxley Act“ drastisch verschärft. So sitzt Enron-CEO Jeffrey Skilling jetzt rund 20 Jahre in Haft. Dieser und andere Skandale der letzten Jahre zeigten der Öffentlichkeit die gewaltigen Dimensionen der Korruption, die Selbstbedienungsmentalität und Maßlosigkeit der Manager auf Kosten der Gesellschaft. Parolen wie „Gier ist gut“ ziehen nicht mehr.

VDI nachrichten: Aber noch zeigen die USA doch, wie Politik und Wirtschaft sich gegenseitig die Hände waschen.

Zaiser: Das ist richtig. Enron hat die Wahlkämpfe von Bush senior und Bush junior erheblich mitgesponsert. Niemals zuvor war eine Politikerfamilie dermaßen eng mit einem Unternehmen verbunden wie die Bushs mit Enron. Dessen Gründer Kenneth Lay war ein harter Verfechter von Deregulation. George Bush hat ihn da in jeglicher Form unterstützt. Ein anderer Fall ist Halliburton, ein Zulieferer des US-Militärs, der mächtig am Irak-Krieg verdient hat und eng mit US-Vizepräsident Dick Cheney verbunden war. Diese Verstrickungen haben mit der ethischen Erosion ins Chaos geführt. Wir brauchen Regulierung. Die Amerikaner ziehen ihre Schlüsse daraus.

VDI nachrichten: Verliert Bush in der Bevölkerung an Glaubwürdigkeit?

Zaiser: Der breite gesellschaftliche Konsens, dass der Mensch den Planeten nicht frittieren darf, zeigt, wie sehr sich die Menschen in den USA vom Präsidenten losgesagt haben. Bush steht für Verfilzung, Ölkrieg und Umweltverschmutzung. In einem Jahr ist er weg und der Wechsel, hoffentlich nicht nur der personelle, wird kommen.

VDI nachrichten: Wird es unter einem neuen Präsidenten tatsächlich zu einer „ethischen Erneuerung“ mit Umweltakzenten kommen?

Zaiser: Mit Hillary Clinton oder Barak Obama, für den die Zukunft grün und erneuerbar ist, würde zugleich ein neues ethisches Bewusstsein, ja eine Vision, implementiert. Dann wären die Weichen gestellt für die USA als künftige grüne Supermacht.

VDI nachrichten: Aber die US-Unternehmen haben ihre Führungskräfte nicht völlig ausgetauscht. Das alte Gedankengut ist noch vorhanden.

Zaiser: Die Manager legen ja nicht nur aus moralischen Gründen höheren Wert auf Fairness und Ehrlichkeit. Unternehmen wie General Electric, ein großer Rivale von Siemens, wissen um die Bedeutung des Ethikmanagements für den Wettbewerb, für betriebswirtschaftliches Wachstum. Da hat vielfach ein neues Denken eingesetzt.

VDI nachrichten: Hat das System der Boards of Directors, der Kontrollgremien von US-Unternehmen, versagt?

Zaiser: Sie sind sicherlich auch im Falle Enron mitverantwortlich. Sie haben sich täuschen lassen. Die Boards of Directors werden jeden Stein umdrehen, die meisten Schuldigen sind aber nicht mehr zu fassen.

VDI nachrichten: Verfilzungen gibt es auch in Deutschland. Etwa bei Managern, die gleichzeitig in fünf oder sechs Aufsichtsräten sitzen.

Zaiser: Zweifellos. Die ganze Deutschland AG ist verfilzt. Daran hat sich nichts geändert. Die Top-Manager überwachen sich selbst. In der Aufarbeitung dieses Problems gibt es in Deutschland noch viel zu tun.

VDI nachrichten: Sie sagen, Deutschland könne von den USA lernen. Was machen die Amerikaner besser?

Zaiser: Nicht Gesetze, sondern eine starke Ethik bringt korrupte Manager zu Fall. Das setzen die Amerikaner unter anderem in der Ausbildung um. Dieses neue ethische Bewusstsein ist in den Staaten neben dem Trend zu Umweltinhalten zu einem wichtigen Bestandteil von MBA-Studiengängen geworden, wo Ehrlichkeit, Integrität und Fairness unverzichtbare Themen des Lehrplans sind. Die Akkreditierungsgesellschaften verweigern nicht selten die Zulassung, wenn Hochschulen kein Business Ethics anbieten. In High Schools gibt es Essay-Wettbewerbe in Sachen Ethik. Die Unternehmen suchen nach entsprechenden, funktionierenden Kontrollen.

VDI nachrichten: Der Handyhersteller Nokia macht seine Produktion von Mobiltelefonen in Deutschland trotz großer Gewinne dicht und siedelt nach Rumänien um. Betroffen sind rund 3000 Menschen. Entspricht dies der Hire-and-fire-Mentalität in den USA oder verstößt das gegen die Prinzipien der Wirtschaftsethik?

Zaiser: Das ist ganz sicher eine wirtschaftsethische Frage. International tätige Großunternehmen wie Nokia sind heute weitaus mächtiger als mancher Nationalstaat. Genauer gesagt sind sie die mächtigsten sozialen Systeme, die sich nicht mehr an bestimmte Staaten gebunden fühlen. In Osteuropa oder in der so genannten Dritten Welt können sie ohne viele Auflagen weitaus kostengünstiger, leider auch viel zu oft zu Lasten der Umwelt, produzieren. Es ist zu hoffen, dass dieses Verhalten der Global Player vom neuen Ethik-Diskurs in den USA beeinflusst wird.

VDI nachrichten: Unternehmensskandale sind Themen, die immer wieder hochkochen, dann aber schnell in der Öffentlichkeit an Interesse verlieren. Besteht die Gefahr, dass solchen Themen die Nachhaltigkeit fehlt?

Zaiser: Enron ist auch nach fast sieben Jahren in den USA noch aktuell. Allerdings ist dort viel mehr passiert. In Deutschland hingegen ist Ethik ein Fremdwort geblieben. Ein paar vereinzelte Manager belegen Seminare, mehr nicht. Vielleicht brauchen wir mehr Fälle wie Siemens, damit Wirtschaftsethik auch in Deutschland zum Dauerthema wird. WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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