Management

Old Economy bereitet neuen Techniken den Weg in den Markt

Die deutschen Unternehmen hätten durchaus die Kraft, mehr Wirtschaftswachstum mit den entsprechenden positiven Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte zu erzeugen als es die politischen Rahmenbe- dingungen zulassen. Kurt Demmer plädiert im folgenden Beitrag für mehr Markt und weniger Staat.

Von der Stärke der Unternehmen her wäre Deutschland durchaus gerüstet, ein höheres Wirtschaftswachstum mit entsprechenden positiven Konsequenzen für die Beschäftigung zu erwirtschaften. Der Schlüssel hierfür liegt in Technologiefeldern, wie der Anwendung von IT-Lösungen, der Integration von Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik in Produkte der Old Economy, die höherwertiger Technik zuzuordnen sind. Hier haben deutsche und europäische Anbieter im Maschinenbau, im Automobilsektor und in der Elektrotechnik eine international führende Wettbewerbsposition inne.

So sind die Markttrends für die Anwendungsbereiche der Mikrotechnologie sehr günstig.

࿓ Konsumenten geben mehr für Mobilität und Kommunikation aus. Und hier gibt es vielfältige Anwendungsbereiche für Mikrosysteme.

࿓ Dies gilt auch für den Maschinenbau oder die Chemie, wo Produktionsverfahren verbessert werden, um damit die Produktivität zu steigern und gleichzeitig Umwelt und Ressourcen zu schonen.

࿓ In der Medizintechnik, der Umwelttechnik und in der Lebensmitteltechnik gibt es ebenfalls vielfältige Einsatzgebiete für Mikrosysteme, die von dem Trend getrieben werden, dass wir alle gesünder und sicherer leben wollen.

Die Mikrotechnik wartet seit langem auf den breiteren Marktdurchbruch. Bei den meisten Anwendungen im Maschinenbau oder in der Medizintechnik handelt es sich typischerweise um Kleinserien oder Einzelfertigung. Es fehlen die Kostendegressions-Effekte. Neue Impulse kommen aber durch das Vordringen der Elektronik im Automobilbau. Die zunehmende Integration von Funktionalitäten im Automobil, wie „drive by wire“, Sprachbedienung, Navigationssysteme, erfordert es, dass mechanische Produkte die Elektronik integrieren und sich dabei schrittweise zu mechatronischen Produkten hin entwickeln. Die Elektronik ebnet quasi für Mikrosysteme den Weg in die Großserie. Damit wird eine deutliche Kostendegression erreicht, und dies wird auch die Kosten der Anwendung von Mikrosystemen in Kleinserien entscheidend senken.

Weshalb sind die Chancen der deutschen und europäischen Industrie so gut, von diesem Trend zu profitieren?

Zum einen besitzen die deutschen Unternehmen der Investitionsgüterindustrie eine besondere Fähigkeit zur Integration von Systemen. Deutschland hat sowohl in der Mechanik als auch in der Elektronik eine starke Position.

Außerdem erfordert der Markt mehr und mehr individualisierte Produkte. Und dies ist ebenfalls eine Stärke der deutschen Unternehmen. An Sonderlösungen kann der deutsche Ingenieur seine besonderen Fähigkeiten ausspielen.

Die Gefahr von Sonderlösungen sind jedoch zu hohe Kosten. Die Lösung muss deswegen in einem sogenannten Mass-Customization bestehen, in der maßgeschneiderten Massenfertigung. Kernelement einer solchen Mass-Customization-Strategie sind modulare Bauweisen und die Organisation der gesamten Produktion in einem Zulieferernetzwerk. Nur so kann die hinreichende Flexibilität und die Optimierung der Kapazitätsauslastung entlang der gesamten Prozesskette erreicht werden.

Hier kommen die leistungsfähigen deutschen mittelständischen Unternehmen, die das Gros der Aussteller auf der Hannover Messe bilden, ins Spiel. Nur in Deutschland findet sich ein so dichtes und leistungsfähiges – weil Technologie-orientiertes – Zuliefernetz, in dem sich maßgeschneiderte Massenfertigung organisieren lässt. Die räumliche Nähe von Partnern in der Prozesskette bleibt trotz aller Globalisierung ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Räumliche Nähe spielt zwar weniger eine Rolle bei der Fertigung standardisierter Massenprodukte, ermöglicht das Internet doch globale Kooperationen ohne Reibungsverluste, zum Beispiel in der Konstruktionsphase komplexer Industrieprodukte oder Anlagen. Aber für die Organisation einer Kunden-individuellen Massenfertigung hochwertiger Produkte ist der regionale Verbund entscheidend.

In internationalen Vergleichsstudien wird den deutschen Unternehmen zwar vielfach ein Mangel an Stärke in der Spitzentechnologie zugeschrieben, aber wir besitzen eine besonders gute Position in der sogenannten höherwertigen Technik. Dies sind der Maschinenbau, weite Bereiche der Elektrotechnik, der Chemie und der Automobilindustrie. Durch Integration neuer Technologien werden die deutschen Unternehmen ihre Produkte weiter differenzieren und sich Wettbewerbsvorteile gegenüber ihren Konkurrenten verschaffen. Die Unternehmen der Old Economy sind damit Katalysator für neue Technologien und bereiten ihnen den Weg in den Weltmarkt. Es ist sehr viel leichter, eine IT-Komponente in ein Produkt der mittleren Technologie zu integrieren, als für den IT-Hersteller z.B. eine Waschmaschine zu entwickeln und zu vertreiben.

Auf Dauer wird nicht die IT-Technologie an sich die Differenzierungsvorteile für sich vereinnahmen können, sondern „herkömmliche Güter“, die durch Integration der IT neue Differenzierungsmerkmale schaffen.

Deswegen sollten wir in Deutschland und in Euroland nicht den Kopf in den Sand stecken, weil wir meinen, amerikanische Wachstumsraten auf Dauer nicht erreichen zu können. Die europäischen Staaten sind vor allem durch politische Rahmenbedingungen strukturell daran gehindert, höhere Wachstumsraten zu erreichen. So darf man nicht vergessen, dass in Deutschland – wenn man die Sozialversicherung einbezieht – jede zweite Mark vom Staat ausgegeben wird. Und in der sozusagen „marktwirtschaftlichen Hälfte“ unserer Volkswirtschaft sind darüber hinaus noch viele Preise durch den Staat festgeschrieben.

Das vergangene Jahr war weltweit von einem konjunkturellen Abschwung gekennzeichnet. Bei den Ausrüstungsinvestitionen, die in den USA über mehrere Jahre im zweistelligen Bereich gewachsen waren, und die auch in Deutschland in den Jahren 1998 bis 2000 an die 10 %-Marke heranreichten, kam es in der zweiten Jahreshälfte des vergangenen Jahres zu einem kräftigen Einbruch.

Inzwischen mehren sich jedoch die Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung. Deutlich sichtbar sind diese vor allem für die USA. Das Bruttoinlandsprodukt war dort nur im dritten Quartal des vergangenen Jahres absolut rückläufig. Der konjunkturelle Abschwung hat sich also nicht zu einer tatsächlichen Rezession ausgeweitet. Anders ist dies für Deutschland, wo wir sowohl für das letzte Quartal des abgelaufenen Jahres, vermutlich aber auch für das erste Quartal des neuen Jahres, eine negative Veränderungsrate des BIP erwarten müssen.

Spannend ist die Frage, inwieweit Euroland und Deutschland wieder von dem von den USA eingeleiteten weltwirtschaftlichen Erholungsprozess werden profitieren können. Insbesondere die Chancen, ein kräftiges wirtschaftliches Wachstum auf mittlere Sicht zu erreichen, wäre entscheidend für das Geschäft der in Hannover ausstellenden Investitionsgüterindustrie. Vieles spricht dafür, dass die USA, zwar nicht bereits in diesem Jahr, so aber doch im nächsten Jahr wieder Wachstumsraten von 3 % und mehr erreichen werden – und damit an den Wachstumspfad, den sie in der zweiten Hälfte der 90er Jahre verfolgten, in etwa anknüpfen. In Deutschland könnten wir dagegen froh sein, im Jahr 2003 eine gute 2 vor dem Komma zu erreichen.

In den USA haben neue Technologien – insbesondere im Informations- und Kommunikationssektor – das gesamtwirtschaftliche Wachstum getrieben. Dies wird vor allem beim Produktivitätsfortschritt deutlich. Die USA spielten mit Steigerungsraten um jährlich 2,5 % bis 3 % in einer anderen Liga als Deutschland (mit 1,5 % durchschnittlichem Produktivitäts-Zuwachs), und auch im konjunkturellen Abschwung des letzten Jahres wies die Zuwachsrate der Produktivität immerhin noch einen Wert von fast 2 % auf. Dies ermöglichte es den USA, hohes wirtschaftliches Wachstum zu erreichen, ohne dass Inflationsgefahren auftraten.

Auf mittlere Sicht sind die Aussichten für die deutschen Unternehmen aber ebenfalls positiv zu bewerten. Dies gilt insbesondere dann, wenn es zur beschriebenen Integration der IT-Technologien in die Produktionsverfahren der Old Economy kommt. Daher ist meine Erwartung auch die, dass wir in der kommenden Woche viele positive Stimmungsbilder auf der Hannover-Messe erleben werden.

KURT DEMMER

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