Ohne Fachwissen läuft auch künftig nichts

So sollte ihrer Ansicht nach der Manager des kommenden Jahrzehnts aussehen.

Mit bloßem Fachwissen ist im neuen Jahrtausend kein Rad mehr zu bewegen, kein Kunde mehr zu gewinnen, und auch kein Staat mehr zu machen. Auch nicht für Ingenieure. Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (iw) hat 500 Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstitute zum Thema „Der Ingenieurberuf der Zukunft“ befragt und ist zu dem Ergebnis gekommen: „Fachwissen macht nur noch die Hälfte aller Qualifikationen aus“, die andere Hälfte setze sich aus „Persönlichkeitsmerkmalen“, „Eigenschaften“ und „Einstellungen“ zusammen.
Schön und gut – aber was bedeutet das konkret? Vielleicht braucht der Ingenieur den „Schalk im Nacken“, mit dem das Kölner iw die Ergebnisse seiner Befragung schlagzeilte – aus Selbstschutz oder als Überlebenspaket für den Wandel, den man ihm abverlangt? Die Forderungen sind nicht gering: Immerhin soll er vom „technischen Spezialisten zum kommunikationsfreudigen Organisationstalent mit hoher Frustrationstoleranz“ mutieren. Die VDI nachrichten haben Meinungsführer und Meinungsmacher zum „Ingenieur 2000“ befragt. Die meisten haben Schwierigkeiten mit dem Idealbild des ewig lächelnden 24-Stunden-Allrounders, der mehrsprachig verhandeln kann, auf seinen Geschäftsreisen um die Welt keine physische Erschöpfung zeigt und für seine Mitarbeiter zum Coach wird.
Am deutlichsten auf Distanz gehen Frauen. Angela Koschies von der Lobster Technology Holding AG in Berlin stellt die Frage: „Was soll das sein: Mensch oder Maschine?“ Und die Gütersloher Personalentwicklerin Elke Schumacher konstatiert: „Als Spitzenmanager gilt heute der geklonte Technokrat mit geschulter glatter sozialer Kompetenz und ausgeprägtem Geld- und Machtinstinkt.“ Die Zukunft erfolgreich meistern könne aber „nur der begeisterte Techniker mit ausgeprägtem unternehmerischen Gespür für Produkte, Menschen und Märkte sowie mit Ecken und Kanten, die ihn und sein Unternehmen zu einer unverwechselbaren Einheit machen.“ Sibylle Eichhorn vom Existenzgründerbüro KlettWBS in Berlin, das mit dem Arbeitsamt Nord kooperiert, glaubt auch nicht daran, dass der Unternehmer/Manager 2000 mit Ingenieur-Background plötzlich zum Tausendsassa mutieren kann. Für sie steht deshalb fest: „Er arbeitet eng mit Kooperationspartnern zusammen“.
Mit dieser Einschätzung steht sie nicht allein. Eher pragmatisch sieht auch Hans-Michael Lezius den Umgang mit den hoch gesteckten Anforderungen an den „Ingenieur 2000“. Der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft in Kassel ist davon überzeugt: „Ingenieure kochen auch nur mit Wasser und sie wissen selbst, dass bei ihnen eine `soziale Lücke´ besteht“. Deshalb sei Partnerschaft angesagt. Lezius glaubt fest daran: „Der Unternehmeringenieur für das Jahr 2000 holt sich komplementäre Kompetenz.“
Hans Send, Geschäftsführer des Neusser Datenspeicherspezialisten Imation GmbH hält den Idealtypus ebenfalls „für eine Fiktion“. Messbar sei ohnehin nur das, „was Frau oder Mann in verantwortlicher Position an der Stelle zu Wege bringen, an der man sie mit einer Aufgabe konfrontiert.“ Niemand könne alles gleich gut. Sends Fazit: „Managementqualität ist eine Frage der Aufgaben – nicht des Typs“.
Eine ähnliche Auffassung vertritt auch Michael Thierschmann, Gründer und Geschäftsführer der Berliner LuraTech GmbH. Der Bildverarbeitungsspezialist sieht den Manager/Unternehmer 2000 als „Libero“ in einem Unternehmen: „Wo es brennt, muss er sich stärker einbringen.“ Die Hauptaufgabe des modernen Chefs sieht er darin, „das Selbstverständliche möglich zu machen.“ Das gehe „oft nicht mit einem Lächeln“. Generell aber sei „Lächeln für ein positives Betriebsklima unverzichtbar.“
Sebastian Küster, Chef der online-Zeitung ovivo.com AG, hält Freundlichkeit und humorige Talente ebenfalls für wichtig. Gleichwohl warnt er vor Übertreibung und Instrumentalisierung. Der Berliner Unternehmensgründer sagt: „Ich beobachte immer wieder, dass Strahlemänner versuchen, mit operativer Hektik von geistiger Windstille abzulenken, dass sie versuchen, ein Team als ´toll-ein-anderer-machts` zu missbrauchen.“
Eine andere Vokabel bringt Alexander Pschera, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Maisberger & Partner in München in Erinnerung: emotionale Intelligenz. Unter Ökonomen galt sie in den vergangenen Jahren als Zauberwort für Erfolg, nun werde auch der Ingenieur 2000 nicht mehr „der Chef“ sein, sondern „mehr und mehr primus inter pares, der mit fachlicher Kompetenz, internationalem Weitblick, vernetztem Denken und auch mit Humor seine Mitarbeiter am Erfolg seiner Projekte teilhaben lässt.“
Der Chef der IBM Deutschland GmbH hält sich nicht mehr an einzelnen Skills fest. Erwin Staudt konstatiert einen „erneuten radikalen Wandel“ durch Internet und Intranet. „Dem Manager kommt damit in viel geringerem Maß die Rolle des Informationsgebers zu, sondern die des Wissensvermittlers“. Der Manager 2000 werde führen, „indem er Informationen priorisiert und Mitarbeiter bei der Einordnung von Informationen coached“.
Einen zusätzlichen Aspekt nennt auch Karl-Jürgen Rajar vom Büro Führungskräfte der Wirtschaft (BFA) bei der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesanstalt für Arbeit in Frankfurt. Er sagt: „Man sollte nicht immer nur an den jungen dynamischen, leider aber auch manchmal erfolglosen Manager denken, sondern ganz besonders an den jung gebliebenen, erfahrenen, mit dem Blick für das Wesentliche ausgestatteten Manager der reiferen Altersstufe. Dazu werden uns nicht zuletzt kommende geburtenschwache Jahrgänge und damit ein Mangel an Nachwuchsführungskräften zwingen. Der heutige Trend zum Jugendwahn wird sich daher in einigen Jahren umkehren. Jugend, Dynamik und geistige Frische sind keine Frage des Alters, sondern der Lebenseinstellung.“
Wolfgang Brickwedde gehört zu denen, die Ingenieuren den Ausbau der geforderten sozialen und kaufmännischen Fertigkeiten uneingeschränkt zutrauen. Der Leiter Personalentwicklung bei der Hamburger Philips GmbH meint: „Der Ingenieur 2000 mit Management-Qualitäten hat mehr und mehr nicht nur das technisch Machbare, sondern das wirtschaftlich Sinnvolle und damit den Kunden im Sinn.“
Am weitesten geht wohl der Technologie-Unternehmer Michael Huber aus Schwarzenbek bei Hamburg. Seine Forderung an den Ingenieur 2000 lautet schlicht und ergreifend: „Er sollte seine Zeit nicht damit vergeuden, darüber nachzudenken, wie er sein sollte, sondern es einfach tun.“
Ein Mann der Praxis, wie der Reutlinger Personalberater Stefan Müller, glaubt, dass weniger geredet und mehr gehandelt werden muss. Müller sagt aber auch: „Der Unternehmer 2000 muss vom Pferd herabsteigen. Das Bild des immer schneller reitenden Visionärs wird manchem Unternehmer in spätestens zehn Jahren das Genick brechen.“ Denn so gebetsmühlenartig, wie in der vergangenen Dekade stets über den „Wert des Mitarbeiters als wichtigstes Kapital des Unternehmens“ gesprochen wurde, so auffällig selten taucht die Verantwortung für die Mitarbeiter heute noch auf. Und auch Ludger Ramme, Geschäftsführer der Union der Leitenden Angestellten (ULA) in Berlin, ist aufgefallen, dass an dem Ingenieur-Idealtypus für das Jahr 2000 etwas in Ungleichgewicht zu geraten scheint. Ramme kann zumindest diejenigen beruhigen, die ihr Ingenieur-Know-how völlig verraten sehen. Der Geschäftsführer des mit 52 000 Mitgliedern größten Zusammenschlusses von Führungskräften in der deutschen Wirtschaft vermutet: „Soziale Kompetenzen werden in Zukunft noch wichtiger werden. Ein Garant für Erfolg sind sie aber nur in Verbindung mit exzellentem Fachwissen.“ REGINA-C. HENKEL
Sebastian Küster: Humor und Freundlichkeit erleichtern partnerschaftliche Kontakte.
Hans Send: Managementqualität ist eine Frage der Aufgaben – nicht des Typs.
Wolfgang Brickwedde: Das wirtschaftlich Sinnvolle und den Kunden im Blick.
Ludger Ramme: Ingenieur-Know-how bleibt auch weiterhin ein wichtiger Baustein.

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