Management

„Ökologisches Handeln bringt  

VDI nachrichten, Glatten/Schwarzwald, 7. 3. 08, sta Die J. Schmalz GmbH aus Glatten im Schwarzwald wuchs mit Vakuum-Handhabungssystemen in zehn Jahren von 50 auf 500 Mitarbeiter. Zugleich haben die Brüder Kurt und Wolfgang Schmalz das Familienunternehmen zum „Plusenergie-Betrieb“ umgebaut und für ihre ethische Unternehmensführung diverse Preise erhalten. Wolfgang Schmalz erklärt die Motive.

Schmalz: Nein, (lacht) sicher nicht. Wir respektieren, dass Menschen verschiedene Ansichten haben. Und unser Unternehmen verbraucht ja selbst Ressourcen und setzt Emissionen frei. Wir versuchen aber, verantwortlich mit diesem Thema umzugehen. Nachhaltigkeit ist unsere Strategie. Und das meinen wir ernst. Als Familienunternehmen in der dritten Generation denken wir langfristig. Eigentlich schlimm, dass das in der Wirtschaft noch eher die Ausnahme ist. Was hinterlässt denn die heutige Gesellschaft ihren Kindern und Kindeskindern? Einen geplünderten Planeten voller Abfälle! Wir lassen unsere Nachfahren auf Kosten sitzen, die sie nicht zu verantworten haben.

VDI nachrichten: Viele pochen heute auf „Nachhaltigkeit“ – auch Ihre Kunden aus der Auto- oder Kunststoffbranche. Nicht alle wirken glaubwürdig.

Schmalz: Wir zeigen nicht mit Fingern auf andere. Wir stellen uns unserer Verantwortung und tun, wozu wir in der Lage sind. So stammt unsere gesamte Energie aus regenerativen Quellen. Wir betreiben zwei Windräder und ein Wasserkraftwerk auf unserem Gelände. Auf den Hallendächern sind Solarzellen und -kollektoren installiert. Gerade haben wir ein neues Holzheizkraftwerk in Betrieb genommen, das unseren Ölverbrauch um 90 % senkt. Wir speisen mehr Energie ins Netz, als wir verbrauchen.

VDI nachrichten: Rechnet sich das?

Schmalz: Nicht in Quartalszahlen, aber über längere Zeiträume schon. Ein neuer Ölbrenner hätte ein Zehntel des Holzkraftwerks gekostet. Aber der Brennstoff kostet ein Drittel. Nach acht Jahren rechnet es sich. Und beim Müll rechnet es sich sofort. Wir trennen in 15 Reststofffraktionen und erzielen so gute Preise. Vor allem aber rechnet sich das für die kommenden Generationen. Das geht aber leider in keine Wirtschaftlichkeitsberechnung ein.

VDI nachrichten: Wie lautet die Wirtschaftlichkeitsformel für Ihr soziales Engagement?

Schmalz: Wir haben eine Ausbildungsquote von 13 %. Das kostet viel Geld. Aber wir sehen es als unsere Verantwortung, jungen Leuten Perspektiven zu geben. Und wenn man die gesellschaftlichen Kosten der Arbeits- und Perspektivlosigkeit bedenkt, wird es plötzlich sehr wirtschaftlich.

VDI nachrichten: Kann sich ein Unternehmen im internationalen Wettbewerb diese Denke leisten?

Schmalz: Aktionäre würden es sicher nicht so leicht hinnehmen.

VDI nachrichten: Ihre Mitarbeiter können ihre Arbeits- und Urlaubszeit sehr frei bestimmen, bis zu 150 Negativstunden im Jahr anhäufen und problemlos die Stundenzahl reduzieren. Kehrt da nicht der Schlendrian ein?

Schmalz: Gegenfrage: Wie können wir 500 Mitarbeitern die gleiche Arbeitszeit diktieren? Es sind doch Individuen in verschiedenen Lebensphasen. Wir gehen darauf ein, um die Motivation zu heben. Das kostet nichts, bringt aber sehr viel.

VDI nachrichten: Aber wie behalten Sie die Zügel in der Hand, wenn jeder kommt und geht, wann er will?

Schmalz: Das funktioniert nur mit mündigen Mitarbeitern. Unsere Mitarbeiter können jederzeit am Arbeitsplatz Auftragseingang, Umsätze und wirtschaftliche Situation einsehen und sind am Gewinn beteiligt. Wir wollen unternehmerisch denkende Personen. Und es klappt: Sie stimmen ihre Arbeitszeit mit der Geschäftslage ab, behalten die Bedürfnisse der Firma und vor allem die der Kunden im Blick.

VDI nachrichten: Transparenz pflegen Sie nur intern. Ihre Kennzahlen bleiben geheim. Warum?

Schmalz: Wir stehen im strammen internationalen Wettbewerb. Wir glauben, dass es uns hilft, Geschäftszahlen nicht öffentlich zu kommunizieren.

VDI nachrichten: Die Geschäfte laufen doch. Sie hatten in den 90-er Jahren 50 Mitarbeiter, heute sind es knapp 500. Worauf geht der Zuwachs zurück?

Schmalz: Wir haben das Ohr am Kunden und übersetzen Wünsche in Innovationen. Über 30 % unserer Produkte sind jünger als drei Jahre. Rund 7 % unseres Umsatzes geht in die Entwicklung.

VDI nachrichten: Welche Rolle spielt die Internationalisierung?

Schmalz: Sie treibt das Wachstum stark voran. Und wir bekommen wichtige Impulse. So mussten wir unsere Handhabungssysteme in Japan neu designen, weil sie für die kleineren Menschen dort schlicht nicht passten. Und für unsere Kunden aus der asiatischen Elektronikbranche haben wir sehr sensible Greifsysteme entwickelt, die keinerlei Abdrücke auf Glas und Displays hinterlassen.

VDI nachrichten: Sie haben auch Niederlassungen in Indien und China. Erzielen Sie dort deutsche Preise?

Schmalz: Das sicher nicht, aber unsere Qualität, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit rechtfertigen einen Aufpreis. Und neuerdings produzieren wir in geringem Umfang auch in Indien. Es gibt Produkte, die sich in Deutschland nicht mehr herstellen lassen, weil der manuelle Anteil zu hoch ist. Zusätzlich kaufen wir global ein, um die Kosten zu begrenzen.

VDI nachrichten: Fühlen Sie sich vor chinesischer oder indischer Konkurrenz sicher?

Schmalz: Gar nicht. Es ist für uns ein Riesenproblem, dass Produkte in kürzester Zeit kopiert werden. Dabei helfen unsere 150 Patente wenig, weil sie sich dort nicht durchsetzen lassen.

VDI nachrichten: Wie reagieren Sie?

Schmalz: Mit Innovation. Sowohl bei Produkten als auch mit sehr schlanker Hightech-Produktion.

VDI nachrichten: In welchen Bereichen haben Sie Vorsprung?

Schmalz: Bei den Werkstoffen der Vakuumgreifer und bei den Düsen der Ejektor-Pumpen. Unsere Ejektoren erzeugen in 160 ms ein Vakuum, das 2000 kg trägt. Das ermöglicht rasante Taktzeiten. Und hochwertige Greifermaterialien steigern die Verfügbarkeit. Insgesamt sind wir in der Vakuumtechnik breiter aufgestellt, als alle Wettbewerber. Wir projektieren Lösungen für verschiedenste Branchen. Unsere Maschinen heben fast alles – Pralinen genauso wie etwa Puzzles. Außerdem können sie Holzmaschinen in einer Möbelfabrik ebenso beschicken wie Pressen in der Automobilindustrie.

VDI nachrichten: Um den Kreis zu schließen: Wie lange lässt sich ihre Umwelt- und Sozialstrategie durchhalten, wenn die Luft im Markt dünner wird?

Schmalz: Es gelingt uns seit 15 Jahren, das Gleichgewicht zwischen Profit, Ökologie und sozialem Handeln zu wahren. Unsere Strategie behindert den wirtschaftlichen Erfolg nicht. Sie sichert ihn ab – und zwar langfristig. Es ist nicht so, dass ökologisches Handeln ein Unternehmen ins Grab bringt.

VDI nachrichten: Gelten ihre hohen Standards auch für die Produktion in Indien.

Schmalz: Klares ja. Aber auf dortigem Niveau. Wir versichern alle Mitarbeiter samt ihren Familien, kümmern uns um Wohnungen, regelmäßige Mahlzeiten und Ähnliches. Aber wir ernten im Ausland oft Kopfschütteln. Gerade in Sachen Ethik. Auch in Russland, Indien oder China verwahren wir uns gegen Bestechung. Das hat oft negative Folgen. Aber diese Nachteile nehmen wir in Kauf.

VDI nachrichten: Sie führen ein Unternehmen von überschaubarer Größe. Ist Ihr Stil auch realistisch für Großunternehmen?

Schmalz: Größe ist nicht der Knackpunkt, es geht um Familienbetrieb oder Börse. Wir messen Erfolg nicht an der Dividende. Deshalb treffen wir andere Entscheidungen.

VDI nachrichten: Sie sind profitabel, wachsen schnell. Weckt das Begehrlichkeiten bei Konzernen, die gerne Ihr Know-how hätten?

Schmalz: Es gibt immer wieder Angebote. Sie schmeicheln uns, sind aber irrelevant. Eigenständigkeit ist zentral in unserer Vision. Um sie zu behalten, brauchen wir allerdings eine hohe Eigenkapitalquote. Eigenkapitalquote geht für uns vor Umsatzwachstum. Es nützt nichts, doppelt so schnell zu wachsen, wenn wir danach illiquide sind. Gesund wachsen heißt für uns, dass das Geld, das investiert werden soll, zunächst verdient werden muss.

VDI nachrichten: Wer expandiert, braucht auch Fremdkapital…

Schmalz: Wir bauen hier in Glatten gerade 10 000 m2 zusätzliche Produktionsfläche. Finanziert wird das auch via Bank – aber nur in dem Maße, wie wir es verantworten können. Die nächste Umsatzdelle werden wir danach ohne Pistole auf der Brust überstehen.

PETER TRECHOW

Von Peter Trechow

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