Personalmanagement

„Nur wer Frauen fördert, wird sich als Global Player behaupten“  

Nach einer Erhebung der amerikanischen „Corporate Women Directors International“ (CWDI) liegt der Frauenanteil im Top-Management der 200 größten Unternehmen weltweit bei nur 11,2 %. Die meisten Frauen schaffen es in den USA an die Spitze. Die US-Studie notiert allerdings auch drei deutsche Unternehmen als „frauenfreundlich“: Die Deutsche Post, die Deutsche Bank und die Allianz.

Sie sind Viele: jedes Alter und jede Hautfarbe ist vertreten. Auf dem „Global Summit of Women“ trafen sich rund 1000 beruflich erfolgreiche Frauen aus 95 Nationen in Berlin.

Gipfel-Präsidentin Irene Natividad scheut für das Treffen keine großen Vergleiche. Vom „Davos der Frauen“ oder dem „G-95-Gipfel“ spricht die Amerikanerin gern. Doch obwohl Natividad als Mitinitiatorin auf eine nun 17-jährige Gipfel-Tradition verweisen kann, liegt das weltweite Frauen-Treffen im Bekanntheitsgrad doch weit etwa hinter den männlich dominierten Treffen der mächtigen Männer in Davos.

Von nur wenig Interesse zeugt auch die politische Anteilnahme am Weltfrauengipfel in Berlin. Doch schließlich wollten die Organisatorinnen auch weniger wohlfeile Statements, sondern praktische Arbeit. Mehrere Studien bestätigten die Notwendigkeit des Treffens. In den Top-Positionen regieren nach wie vor die Männer. Nach einer Erhebung der amerikanischen „Corporate Women Directors International“ (CWDI) liegt der Frauenanteil auf den Führungsetagen der 200 größten Unternehmen weltweit bei 11,2 %.

Die meisten Frauen schaffen es in den USA an die Spitze. In Europa sind Großbritannien und die Niederlande die Vorreiter. Die US-Studie notiert allerdings auch drei deutsche Unternehmen als „frauenfreundlich“: die Deutsche Post, die Deutsche Bank und die Allianz.

Gipfel-Chefin Natividad kritisiert die Entwicklung nicht nur, weil es sehr langsam vorangeht mit der weiblichen Besetzung im oberen Management. Sie vermisst bei den Unternehmen den wirtschaftlichen Sachverstand. Frauen sollten nicht als Vorzeigequote an die Spitze kommen, sondern weil sie 80 % der Kaufentscheidungen treffen. Darüber hinaus repräsentieren sie 50 % der arbeitenden Bevölkerung weltweit und leiten 40 % der kleineren Unternehmen. Grund genug für Natividad den Konzernchefs klar zu machen, dass nur wer Frauen fördere, sich auch in Zukunft als Global Player werde behaupten können.

Was weltweit kein Grund zur Freude ist, sieht in Europa nicht besser aus. Nach einer McKinsey-Studie sind die europäischen Frauen hoch qualifiziert. Sie stellen 59 % aller Uni-Absolventen in den EU-25-Ländern. In diesen Ländern gibt es 9,5 Mio. Unternehmerinnen. Aber in den Entscheidungsgremien (Vorstand und Aufsichtsräte) sitzen nur 11 % Frauen und ihr Anteil in allen nationalen Parlamenten liegt bei 23 %.

Höchste Zeit etwas zu verändern, glauben Claudia Funke, Leiterin IKT-Services bei McKinsey und ihre Kollegin vom Berliner Büro, Katrin Suder. Entscheidend wäre für die beiden Mangerinnen eine bessere Betreuung der Kleinkinder und finanzielle Anreize, damit „es genauso attraktiv ist, wenn Frauen arbeiten und die Männer zu Hause bleiben“.

Aber auch die Unternehmen sollten mitziehen. Vorbilder auf den unterschiedlichen Hierarchieebenen seien ebenso hilfreich wie „ein flexibles Arbeitsumfeld“. Außerdem, so die Autorinnen der Studie, habe sich gezeigt, dass Frauen in Unternehmen mit „objektiver Leistungsbeurteilung“ schneller an die Spitze kommen. Dies korrespondiert durchaus mit den Erfahrungen der Gipfel-Teilnehmerinnen. Maud Pagel, Leiterin des Ressorts Chancengleichheit bei der Deutschen Telekom, weiß, dass Frauen sich selten von selbst melden, wenn es um Aufstiegsjobs geht. „Sie warten eher, bis sie gefragt werden.“ Und: „Die perfekten Netzwerker sind wir auch nicht.“

Doch genau dafür gibt es ja den Gipfel. Denn er soll weder zu übermäßigen Klagen noch zu gemeinsamen Deklarationen führen. Sich kennenlernen, von den anderen lernen, diese zwei Punkte bestimmen die Tagesordnung. Und darüber hinaus gilt es ins Geschäft zu kommen. Nicht umsonst finanzieren Firmen wie Microsoft oder Pfizer Delegationsgrößen von 60 bis zu über 100 Frauen die Reise nach Berlin.

Maud Pagel hat schon vor ein paar Jahren mit Telekom-Projekt „Frauen ans Netz“ erfolgreich gepunktet. Das Projekt läuft mittlerweile in Südafrika, der Slowakei, Ungarn und Mexiko. International geht es im kommenden Jahr weiter: die Frauen reisen zum Gipfel nach Saigon, der Hauptstadt Vietnams. BIRGIT BÖHRET

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