Management 23.09.2005, 18:40 Uhr

„Nicht In- oder Outsourcing – nur Best-Sourcing zählt“  

VDI nachrichten, New York, 23. 9. 05 – Management-Guru Tom Peters ist bekannt für seine markigen Worte. Auch auf dem World Economic Forum in New York mangelte es nicht an spitzen Bemerkungen, denn aktuelle Anlässe gab es zur Genüge.

Mit süffisanten Anspielungen auf die jüngsten Ereignisse zog Management-Consultant und Erfolgsautor Tom Peters die 5000 Topmanager aus aller Welt in seinen Bann: „Wie wird man Millionär? Ganz einfach, man wird Milliardär und kauft sich dann eine Airline.“ Das dürfte den Chefs der pleitegefährdeten Gesellschaften Delta, United und Northwest gar nicht gepasst haben. Aber auch die Softwarebranche bekam ein paar Randbemerkungen ab. „Warum hat Oracle Siebel aufgekauft?“, fragte Peters und gab selbst die Antwort: „Weil Chef Larry sein Ego füttern muss.“

Eher genereller Natur war dann das Zitat von Reuters-Chef Peter Job: „Akquisitionen bedeuten Zukauf von Marktanteilen, unsere Herausforderung sehen wir darin, dass wir Märkte kreieren.“ Nach Peters“ Ansicht sind alle Großfusionen aber völliger Unsinn. Nur die beteiligten Banken würden reich daran. Größe sei das erste Indiz für einen programmierten Misserfolg.

Als Beispiel verweist er auf die Forbes-100-Tabelle. So waren 1987 nur noch 18 Firmen in diesem Club der Größten, die auch schon im ersten Listing, im Jahre 1917 aufgeführt sind. Diese 18 Unternehmen waren aber in ihrer Leistung 20 % schlechter als der Rest des Marktes. Nur General Electric (GE) hat sich seit 1917 besser entwickelt als der Markt. Oder, um es mit Peters Worten zu sagen: „Wie lernt man am besten, einen Kleinbetrieb zu managen? Man kauft einen Großen und wartet.“ Deshalb sieht er eine weitreichende Dezentralisierung als langfristigen Haupterfolgsfaktor. So sei GE nur deshalb so erfolgreich, weil es Musterbeispiel an Dezentralisierung ist.

Das zweite Erfolgsrezept ist für ihn Veränderung. Hier knüpfte er an seine früheren Veröffentlichungen an. „Veränderung ist die Zukunft. Nur wer stets Innovationen hervorbringt, wird langfristig überleben“, ist eine seiner Hauptthesen. Das gelte auch für die großen Markennamen: „Brands haben keinen Saft mehr, sie sind tote Hüllen.“ Jeder könne heute mit Kreativität und Risikobereitschaft die größten Konzerne knacken. Hierzu verweist er auf die aktuellen Probleme von Delta, United und anderen Airlines, während es andererseits Richard Branson mit seiner Virgin-Air ohne große Werbeetats gelungen sei, eine hoch profitable Fluggesellschaft aufzubauen. Bransons Devise: „Ich stelle nur Manager ein, die mit allen Leuten viel reden können.“

Peters geht noch einen Schritt weiter: „Mit den Leuten über alles reden ist nur der Anfang. Noch wichtiger ist es aber, dass man das Gehörte auch ins alltägliche Geschäftsleben umsetzt.“ Als einen modernen und äußerst kommunikativen Manager sieht er Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. „Ich habe sowohl für die Reagan-Regierung als auch mit Jack Welch bei General Electric gearbeitet, aber ich habe niemals einen so neugierigen Kommunikator wie Klaus getroffen.“

Der überwiegende Teil des Topmanagements sei viel zu steif, zu konservativ und zu wenig innovationsfreudig. Das sei vor allem ein Problem der Ausbildung, die von der Schule bis zum MBA den modernen Managementanforderungen nicht gewachsen sei.

In einer eigenen Untersuchung hat Peters die Lehrpläne der weltweit 15 führenden MBA-Schulen ausgewertet und festgestellt, dass in keiner Grundwissen in Design, Kreativität oder Innovation gelehrt wird. Notwendig sei ein neuer Abschluss in MMM, „Master of Metaphysical Management“.

Abgesehen von solchen allgemeinen Mängelhinweisen, an denen sich kurzfristig nichts ändern werde, gab es aber auch handfeste Hinweise für das Alltagsgeschäft. So sagte Peters zu einem brandaktuellen Thema: „Nicht Outsourcing, nicht Offshoring, nicht Near- shoring, nicht Insourcing, sondern nur Best-Sourcing zählt.“ Indien habe schon vor 25 Jahren versucht, ins IT-Geschäft zu kommen, aber die Qualität war lange Zeit so schlecht, dass es nur magere Aufträge gab. Erst als die Qualität an westliche Ansprüche heranreichte, sei der Durchbruch erfolgt.

An dieser Stelle durfte nicht der Hinweis auf China fehlen, wo derzeit alle 43 Stunden ein neues Forschungs- und Entwicklungslabor entstünde.

HARALD WEISS

Ein Beitrag von:

  • Harald Weiss

    Freier IT-Journalist, IT-Analyst und IT-Consultant in Kaiserslautern. Nach verschiedenen Positionen in Softwareentwicklung,  MarCom und PR, 17 Jahre President New York Reporters in New York. Seit 2016 freischaffend wieder in Deutschland.

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