Lebensmittelhandel

Nachhaltigkeit für den Massenmarkt

Die Rewe Group hat ein eigenes Nachhaltigkeitslabel entwickelt. Dafür erhielt der Konzern auf seinem 1. Nachhaltigkeitsforum am 19. April in Berlin viel Lob. Aber er wurde auch gewarnt: Mit einem solchen Label begebe sich der Konzern ins Rampenlicht – und sei damit öffentlicher Kritik um so mehr ausgesetzt.

„Wir wollen mit nachhaltigen Produkten den Verbrauchern neue Impulse für einen umwelt- und sozialverträglichen Konsum geben“, sagte Alain Caparros, Vorstandsvorsitzender der Rewe Group am 19. April auf dem ersten Stakeholder-Forum des Kölner Handels- und Touristikkonzerns in Berlin.

Rewe stellte dort das Nachhaltigkeitssiegel „Pro Planet“ für Eigenmarken vor. „Es soll unseren Kunden eine Orientierungshilfe für nachhaltig produzierte Produkte geben.“ Caparros ist ehrgeizig. Bis Ende 2011 will der Konzern mehr als 500 Mio. Artikel mit diesem Label verkaufen.

Das erste und bislang einzige Pro-Planet-Produkt sind Erdbeeren aus der spanischen Provinz Huelva. Im Herbst sollen weitere gelabelte Produkte hinzukommen. Die Siegelvergabe wird für verschiedene Obst- und Gemüsesorten vorbereitet, aber auch für ausgewählte Textilien, Papiersorten, Stühle und Laminatfußböden.

Rewe betritt mit dem Nachhaltigkeitssiegel für Massenprodukte Neuland. Klaus Töpfer freut das: „Das zeigt, Nachhaltigkeit ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Nachhaltigkeit bedeutet für Töpfer, den stellvertretenden Vorsitzenden des Nachhaltigkeitsrates der Bundesregierung, unter anderem das Diktat kurzfristiger Entscheidungen zu überwinden. Das scheint Rewe zu gelingen: Der Konzern beschäftigt sich immerhin seit 2007 mit dem Thema.

In den ersten drei Jahren hat Rewe viele Mitarbeiter informiert und geschult. Nachhaltigkeit als Unternehmenskultur könne nur lebendig werden, wenn Menschen das leben, so Caparros: „Jeder muss ein Kämpfer in Sachen Nachhaltigkeit sein“ – jeder Gabelstaplerfahrer und jede Verkäuferin genauso wie jedes Vorstands- und Aufsichtsratsmitglied.

Damit das Siegel glaubwürdig ist, nimmt der Konzern den Prozess der Siegelvergabe ernst und hat ihn gemeinsam mit dem Zentrum für nachhaltigen Verbrauch und nachhaltige Herstellung (CSCP) in Wuppertal entwickelt. Das CSCP (Centre on Sustainable Consumption and Production) ist ein Zusammenschluss des United Nations Environment Program (Unep) und des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Validiert wurde der Prozess vom TÜV Rheinland.

Im ersten Schritt fasst ein unabhängiges Institut die wichtigen ökologischen und sozialen Probleme im Lebenszyklus des betreffenden Produktes zusammen. Diese Hot-Spot-Analyse deckt die Themen Artenvielfalt und Tierschutz, Klima- und Ressourcenschutz, aber auch soziale Verantwortung und Produktsicherheit ab.

In einem zweiten Schritt werden Maßnahmen vorgeschlagen. Im Fall der spanischen Erdbeeren ist den Experten der hohe Wasserverbrauch ins Auge gesprungen. Das Anbaugebiet in Huelva, aus dem jede vierte in Europa verkaufte Erdbeere stammt, liegt in der Nähe zur Coto de Doñana, einem Feuchtgebiet mit beeindruckender Artenvielfalt.

Da Wasserknappheit das Naturschutzgebiet bedrohen kann, hat Rewe gemeinsam mit dem Umweltverband WWF ein Bewässerungssystems installiert, das den Wasserverbrauch um ein Fünftel senken soll. Zudem wurde der Pestizideinsatz systematisch und konsequent gesenkt.

Bevor ein Produkt das Siegel tragen kann, muss ihm im dritten Schritt ein Beirat zustimmen. In ihm sitzen vier Fachleute aus der kritischen Szene: Georg Abel von der Verbraucher-Initiative, Oliver Müller von Caritas, Klaus Kastenhofer vom österreichischen Umweltverband Global 2000 sowie als Vorsitzender Bernward Geier, Berater in der Landwirtschafts- und Umweltpolitik.

Das neue Siegel von Rewe kann nachhaltige Produkte in den Massenmarkt bringen. Rewe setze sich damit aber auch ins Rampenlicht, so Klaus Töpfer. „Sie werden sehr genau beobachtet werden“ – und eventuell heftig kritisiert, wenn etwas schief läuft. Rewe-Chef Caparros weiß das – und er denkt dabei nicht nur an kritische Umweltverbände: „20 Mio. Kunden beobachten uns jeden Tag.“ Da müsse jeder Schritt sitzen.

Rewe ist sich der Chancen und Risiken bewusst, Vorreiter zu sein. Beim Thema Energie und Klimaschutz ist es der Konzern bereits. Vorstandsmitglied Manfred Esser betonte, dass alle Häuser bereits grünen Strom bezögen. Und im November 2009 hatte in Berlin-Rudow der erste CO2-neutrale Supermarkt seine Tore geöffnet: Photovoltaikanlagen auf dem Dach liefern Strom, geheizt wird mit Erdwärme. Ein zweiter CO2-neutraler Supermarkt soll im August in Mainz eröffnet werden.

Rewe engagiert sich nicht allein aus Nächstenliebe um Nachhaltigkeit. „Wir wollen uns damit im knallharten Wettbewerb absetzen“, erklärte Vorstandsmitglied Manfred Esser. Er ist gespannt, wie Verbraucher reagieren werden. Der Preis spielt zwar für den Verbraucher eine wichtige Rolle, „doch wir merken, dass billig allein nicht ausreicht“, so Esser. Die Mehrkosten für die nachhaltigen Massenprodukte mit dem Pro-Planet-Siegel sollen im Centbereich liegen.

Das Siegel könne aber nur der Anfang sein, so Töpfer. Erst wenn die gesamte Angebotspalette nachhaltige Produkte enthält und auch der Beschaffungszyklus nachhaltig ist, sei der Prozess abgeschlossen.

Das weiß der Konzern. Doch alles brauche seine Zeit. „Rewe allein kann den Ananasanbau in Mittelamerika nicht revolutionieren“, erläuterte Guido Siebenmorgen, Leiter der Abteilung Strategischer Einkauf Lebensmittel, „doch mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie und mit dem Siegel wollen wir letztlich den Markt verändern.“

Auch Renate Künast, ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin, begrüßt das Nachhaltigkeitssiegel. „Immer mehr Verbraucher wollen wissen, ob Produkte gut sind und ob sie sauber und unter fairen Bedingungen hergestellt wurden“, sagte Künast.

Auf dem Siegel ist eine Kennnummer aufgedruckt, die auf der Rewe-Internetseite www.proplanet-label.com eingegeben werden kann. Die Webseite informiert dann über den Anbau der Erdbeeren – und in Zukunft auch über die Produktion weiterer Artikel und Lebensmittel.

Künast fordert den Konzern auch auf, sich einzumischen – sowohl in die EU-Agrarpolitik als auch in die Debatte um die grüne Gentechnik. Je nachdem, welche Entscheidungen Politiker in Brüssel und Berlin träfen, desto einfacher oder schwieriger wird es für Rewe – und alle anderen Händler – nachhaltige Produkte anzubieten. RALPH AHRENS

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

Lufthansa Technik AG-Firmenlogo
Lufthansa Technik AG Teamleiter (m/w/d) für den Bereich Non Destructive Testing (NDT) Hamburg
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Chemieingenieurin / Chemieingenieur als Laborleiterin / Laborleiter (w/m/d) München
Obermeyer Planen + Beraten GmbH-Firmenlogo
Obermeyer Planen + Beraten GmbH Abteilungsleiter Versorgungstechnik (m/w/d) Berlin
MTU Maintenance-Firmenlogo
MTU Maintenance Triebwerksingenieur (m/w/d) Langenhagen
interpars Ltd.-Firmenlogo
interpars Ltd. Industriemeister / Techniker als Schichtleiter (w/m/d) Selm
SWAP GmbH über heiden associates-Firmenlogo
SWAP GmbH über heiden associates Geschäftsführer / Chief Executive Officer (m/w/d) – Leichtbautechnologie Chemnitz
ED Netze GmbH-Firmenlogo
ED Netze GmbH Leiter (m/w/d) Betrieb und Instandhaltung Rheinfelden
NP Neumann & Partner GmbH-Firmenlogo
NP Neumann & Partner GmbH Senior Vice President Technology (m/f/d) Salzburg (Österreich)
über Headmatch GmbH & Co. KG-Firmenlogo
über Headmatch GmbH & Co. KG Leiter Traktion / Leiter operativer Verkehr (m/w/d) Mainz
Richard Hönig Wirtschaftsberatungen-Firmenlogo
Richard Hönig Wirtschaftsberatungen Produktionsleiter (m/w/d) Sondermaschinenbau Raum Augsburg

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.