Management 01.07.2005, 18:39 Uhr

„Mobile Business ist kein Voodoo-Zauber“

VDI nachrichten, Düsseldorf, 1. 7. 05 – Dirk Buschmann kennt das Mobile Business aus der Praxis. Rund die Hälfte aller Projekte der Knowledge Intelligence AG (KI AG), deren Gründer und Vorstand er ist, dreht sich um die Implementierung von mobilen Geschäftsprozessen. „Technisch sind die Voraussetzungen für Mobile Business gut“, so Buschmann. „Aber erst jetzt beginnen Unternehmen verstärkt, sich dieses Themas strategisch anzunehmen.“

Buschmann: Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, hat die aus den frühen Zeiten des E-Business bekannte irrationale Euphorie die Mobile-Business-Branche nicht erreicht. Die Unternehmen haben gelernt, viel nüchterner an das Thema Mobile Business heranzugehen und konkret zu hinterfragen, wie ihnen die neuen Technologien und Lösungen in ihren Geschäftsprozessen helfen können. Sie wissen sehr genau, dass Mobile Business kein Voodoo-Zauber ist. Und das ist auch gut so.

VDI nachrichten: Inwieweit hat das Mobile Business vom E-Business profitiert?

Buschmann: Schon durch E-Business wurden und werden viele interne Prozesse optimiert. Der gemeinsame Zugriff auf Datenbanken und das Intranet sind Kinder dieser Zeit. Allerdings machen diese Lösungen an den Grenzen der Firmengebäude Halt, während die Prozesse über diese Grenzen hinaus bis zu den Mitarbeitern unterwegs reichen. Beim Mobile Business geht es darum, genau diese Grenzen zu überwinden. Immer mehr Firmen erkennen, dass es schlichtweg keinen Sinn macht, wenn der Außendienst Tonnen von Papier erzeugt, die gefaxt und abgetippt werden müssen. Mit einem PDA in der Hand können die Kolleginnen und Kollegen – vereinfacht gesagt – draußen diese Arbeit gleich selbst erledigen.

VDI nachrichten: Wo liegen die Vorteile des Mobile Business?

Buschmann: Die Antwort auf diese Frage ist der wesentliche Bestandteil einer Mobile-Business-Strategie, die es firmenindividuell zu entwickeln gilt. In der Praxis kristallisieren sich dabei häufig folgende Vorteile heraus: Senkung der Prozesskosten, Verbesserung der Datenqualität und Bereitstellung wichtiger Informationen beim Außendienst vor Ort. Konkret kann dies z. B. heißen, dass die Servicetechniker erstmals vor Ort auf eine Wartungshistorie zugreifen können. Oder dass dank intelligenter Dienste wie GPS-Ortung derjenige Mitarbeiter zu einem Unternehmen geschickt wird, der sich in der Nähe befindet. So lassen sich Leerfahrten vermeiden, Arbeitszeiten optimal nutzen und mehr – das rechnet sich.

VDI nachrichten: Sind diese so genannten Location-based-Services denn tatsächlich gefragt?

Buschmann: Ja, immer mehr Unternehmen erkennen gerade in ortungsbasierten Diensten erhebliche Wettbewerbs- und Kostenvorteile für sich. So zählt zu unserer Kundschaft beispielsweise ein mittelständisches Unternehmen mit über 50 Servicetechnikern, das aus der Kombination von Ortung, Navigation und digitaler Datenerfassung jeden Tag 15 Minuten pro Außendienstmitarbeiter einspart.

VDI nachrichten: Die KI AG hat sich auf Facility Management und den technischen Außendienst spezialisiert. Gibt es da besondere Anforderungen?

Buschmann: Wir kümmern uns gerne um Mobile-Business-Projekte, die anspruchsvoll sind. Dazu gehören die von Ihnen angesprochenen, aber auch viele weitere Bereiche. Viele Firmen glauben ja schon, dass sie auf Mobile Business umstellen, wenn sie den Mitarbeitern unterwegs einen Blackberry in die Hand drücken. Nun funktioniert dies bei der Mobilisierung von gängigen Büroanwendungen wie E-Mail durchaus. Aber bei Servicetechnikern und anderen Zielgruppen liegen die Kernkompetenzen völlig anders. Hier ist Akzeptanz entscheidend – mit ihr steht und fällt das Mobile-Business-Projekt. Entsprechend vielfältig ist das Spektrum der Geräte: von Spezialgeräten etwa von Höft & Wessel über PDAs bis hin zu Smartphones mit integrierter Kamera. Wir haben z. B. eine Autovermietung im Kundenkreis, die bei der Rücknahme von Fahrzeugen Kratzer am Lack fotografiert und sie via WLAN zur Zentrale leitet, um ein Beweismittel dem Kunden gegenüber vorweisen zu können.

VDI nachrichten: Auf welche Infrastruktur setzen Sie? GPRS, WLAN oder UMTS?

Buschmann: Unsere Lösungen arbeiten in allen Netzen. Die Daten können völlig unabhängig von der verwendeten Technik synchronisiert werden – im WLAN ebenso wie in klassischen Mobilfunknetzen. Dabei ist zu bedenken, dass Mobile Business nicht etwa bedeutet, dass ein Großteil der Daten ständig hin- und herwandert – ganz im Gegenteil. So weit wie möglich halten wir Daten offline, um nicht unnötig Datenvolumen und damit laufende Kosten zu generieren.

VDI nachrichten: Sind wir in Deutschland gut für das Mobile Business aufgestellt?

Buschmann: Im Großen und Ganzen ja. Die Netze sind vorhanden, die Datendienste laufen gut. Durch volumenbasierte Tarife halten sich die Kosten im Rahmen. Allerdings haben sich die Netzbetreiber in den letzten Jahren fast nur am Verbraucher orientiert und das Handy als Konsumgut verstanden. Für den mobilen Geschäftseinsatz sind andere Anwendungen und zum Teil auch andere Geräte notwendig. Dennoch: Die Voraussetzungen für Mobile Business sind ausgesprochen gut. Die Endgeräte sind leistungsstark, die notwendige Basissoftware steht zur Verfügung. Jetzt liegt es an Unternehmen wie der KI AG, gemeinsam mit den Unternehmen kundenspezifische Lösungen zu entwickeln und in die Geschäftsprozesse zu integrieren. R. BÖNSCH

Ein Beitrag von:

  • Regine Bönsch

    Regine Bönsch

    Redakteurin VDI nachrichten
    Fachthemen: Telekommunikation, Mobilfunk, Automobilelektronik, autonomes Fahren, E-Mobilität, Smart Home, KI, Datenschutz/IT-Sicherheit, Reportagen

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