Management

Mittelständische Unternehmen sichern das Innovations-Niveau  

Deutschland nimmt im internationalen Wettbewerb der Innovationen in vielen Bereichen Spitzenpositionen ein, weist in anderen Bereichen aber Schwächen auf. So Kurt Demmer, Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank, in seiner folgenden Diagnose.

Betrachtet man aus verschiedenen Blickrichtungen die Frage nach den Stärken der deutschen Wirtschaft, so zeigt sich, dass Deutschland im Hinblick auf seine Innovationspotenziale in vielen Bereichen einen internationalen Spitzenplatz einnimmt. Die ökonomischen und politischen Veränderungen der letzten Jahre haben jedoch neue Herausforderungen mit sich gebracht, die – ohne entsprechendes Gegensteuern der Wirtschaftspolitik – diesen Spitzenplatz gefährden. In letzter Zeit mehren sich die Anzeichen dafür, dass sich die Innovationsdynamik in Deutschland abschwächt. Insofern ist auch bei uns im Bereich der Innovationspolitik der Reformbedarf deutlich angestiegen – auch weil sich viele Länder den Herausforderungen früher gestellt haben als das bei uns der Fall war.

Deutschland muss sich auf seine originären Stärken zurückbesinnen, d.h. insbesondere den Industriesektor weiterhin gezielt fördern. Eine Intensivierung von F+E und Innovationen ist notwendig, um den erreichten Wohlstand erhalten zu können. Bildung und Wissenschaft, Forschung und Technologie sind neben einer modernen Infrastruktur die Faktoren, die Deutschland im internationalen Wettbewerb zu seinen Gunsten einsetzen muss.

„Potenzial zum Besserwerden“ haben auch die Unternehmen selbst. Vieles an innovativer Kraft verpufft und kommt im Markt nicht zur Geltung. Das Wissen um die Erfolgsfaktoren von Innovationen ist bekannt und auch für die Finanzierung von Innovationsprojekten stehen geeignete Finanzierungsformen bereit. Desgleichen hat die Politik die Notwendigkeit des Handelns eingesehen, wovon „Innovationsoffensiven“ und „Lissabon-Ziele“ zeugen. Allerdings sind Innovationen nichts Selbstverständliches. Um neues Wissen und um seine Anwendung in innovativen Produkten und Dienstleistungen muss immer wieder aufs Neue gerungen werden. Unternehmen, Banken und Politik sind alle zugleich gefordert, damit Deutschland Spitze bleibt. Ein Land wie Deutschland, welches kaum über eigene Rohstoffe verfügt, kann seine Wohlstandsposition nur beibehalten, wenn es konsequent auf die Entwicklung und Nutzung neuer Techniken setzt und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft sichert und ausbaut.

Mit einem breiten Angebot an technologieorientierten Produkten ist die deutsche Wirtschaft heute recht gut auf den Weltmärkten positioniert. Ihr diesbezüglicher Marktanteil von ca. 15 % am Welthandel wird nur von den USA (19 %) übertroffen.

Die großen Volkswirtschaften haben sich allerdings im forschungsintensiven Sektor jeweils anders spezialisiert. Japan und die USA sind erfolgreich bei der Ausfuhr von Spitzentechnik, während die deutsche Exportstärke bei hochwertigen Technologien liegt. Unter dem Bereich der Spitzentechnologie werden Produktgruppen verstanden, in denen der F+E-Einsatz in der Regel mehr als 8,5 % des Umsatzes bedingt. Darunter zählen etwa die Pharmazeutik, Bio- und Gentechnologie, Software und die Mikrosystemtechnik.

Für Güter im Bereich der hochwertigen Technologie ist der F+E-Einsatz zwar geringer, zwischen 3,5 % und 8,5 %, aber im industriellen Quervergleich immer noch überdurchschnittlich. Maschinenbau, Automobilbau oder Chemie sind Anbieter von Produkten mit hochwertiger Technologie.

Im deutschen Exportportfolio sind die Güter der Spitzentechnologie im internationalen Vergleich unterrepräsentiert. Spitzentechnologie wird daher vermehrt über den Weltmarkt eingeführt. Beispielsweise weist Deutschlands Leistungsbilanz bei technologischen Dienstleistungen wie Patenten, Lizenzen oder Ingenieurleistungen einen negativen Saldo auf. Dieser Saldo verfünffachte sich zwischen 1991 und 2001 auf 7,5 Mrd. ?.

Dass in Deutschland das Feld der hochwertigen Technologie eine so große Bedeutung hat, resultiert nicht zuletzt aus der traditionellen Industriestruktur mit einem breiten Spektrum an leistungsstarken, oft mittelständisch geprägten Branchen. In zahlreichen Sparten des Maschinenbaus, in der Automobilzulieferindustrie oder auf einzelnen Gebieten der Chemie, Elektrotechnik und Feinmechanik/Optik agieren Unternehmen heute mit einem Angebot an Spezialprodukten als Weltmarktführer.

Es stellt sich die Frage, ob Deutschland auf Dauer mit der Spezialisierung im „mittleren“ Technologiebereich in ausreichendem Maße Wachstumskräfte freisetzen kann, um nicht gegenüber anderen Ländern ins Hintertreffen zu geraten. Eine Ausweitung der F+E-Tätigkeit würde Deutschlands Platz in der Rangliste der technologischen Leistungsfähigkeit festigen.

F+E-Investitionen geben wichtige Hinweise darauf, wie sich die relativen Wettbewerbspositionen von Volkswirtschaften entwickeln. Nach der F+E-Intensität, welche die den Anteil der F+E-Ausgaben am BIP angibt, befindet sich Deutschland in 2003 mit einem Wert von 2,5 % zwar über dem Durchschnitt der EU-15 (2 %), reiht sich aber in Europa hinter den skandinavischen Ländern Schweden, Finnland und Dänemark ein.

Insbesondere liegt Deutschland gegenüber den unmittelbaren Wettbewerbern zurück. Sowohl die USA als auch Japan verzeichnen recht hohe F+E-Intensitäten von 2,7 % bzw. 3,1 %.

Die europäischen F+E-Ziele für 2010 – die als Teil der Lissabon-Strategie zur Wettbewerbsfähigkeit Europas festgelegt wurden – sehen vor, dass die EU als Ganzes eine F+E-Intensität von 3 % erreicht. In Deutschland müssten dafür die gesamten F+E-Ausgaben von rund 50 Mrd. ? auf etwa 70 Mrd. ? ansteigen.

Es ist der Verdienst der Unternehmen, dass die deutsche F+E-Intensität im internationalen Kontext noch vergleichsweise hoch ist. In Deutschland stellt der Wirtschaftssektor zwei Drittel der gesamten F+E-Ausgaben (in den USA knapp zwei Drittel, in Japan drei Viertel – EU-Durchschnitt dagegen 55 %). Die Entwicklung der F+E-Aktivitäten wird vor allem durch Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten geprägt, die 2004 fast 90 % der F+E-Aufwendungen bestritten. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, muss der Mittelstand mehr zu F+E beitragen.

Investitionen in neues Wissen lohnen sich jedoch nur, wenn die Unternehmen von stabilen und ausreichend hohen Markt- und Absatzerwartungen ausgehen können. So verwundert es nicht, dass die forschungsintensivsten Branchen in Deutschland gleichzeitig die exportstarken Bereiche sind. Jeder dritte Forschungs-Euro der Wirtschaft wird in der Autoindustrie ausgegeben, wobei der starke deutsche Maschinenbau Innovationen im Produktionsprozess erleichtert. 10 % der F+E-Aufwendungen entfallen auf den Maschinenbau, wo viele Mittelständler globale Marktnischen dominieren. Die Chemie kann 17 % und die E-Technik 19 % der F+E-Ausgaben auf sich vereinigen.

Will Deutschland weiter sein Wohlstandsniveau aufrechterhalten, muss es sich stärker in zukunftsträchtigen Wachstumsfeldern engagieren. Als Wachstumsfelder der Zukunft werden die Biotechnologie sowie Mikro- und Nanotechnologie identifiziert. Bei Letztgenannter ist Deutschland in der internationalen Spitze vertreten. In der Biotechnik dagegen gibt es zwar eine Anzahl Unternehmen im Land, die Anwendungen in Landwirtschaft und Ernährung unterliegen jedoch restriktiver werdenden Bestimmungen, so dass Deutschland in der so genannten grünen Biotechnologie kein Vorreiter werden kann.

Deutsche Stärken lassen sich in der Energieeffizienz, bei Lasern und Werkstoffen, in der Medizintechnik und der Autoelektronik identifizieren. Die international gute Stellung in der Atomtechnik geht zunehmend verloren.

In Deutschland fällt es schwer, Erfindungen in marktfähige Produkte umzusetzen, die Entwicklung der Innovationspotenziale vollzieht sich in vielen Ländern dynamischer als bei uns.

Im Sinne seiner Stärken darf Deutschland den hochwertigen Technologiebereich nicht vernachlässigen, muss aber auf dem Feld der Spitzentechnologie zulegen. Aus der Forschung heraus müssen sich Technologien so weit entwickeln, dass sich für Unternehmen ein Aufgreifen der Vorarbeiten lohnt. Die Intensivierung von Forschung und Entwicklung ist dafür unabdingbar. KURT DEMMER

Kurt Demmer

Der promovierte Volkswirt ist seit 1994 Chefvolkswirt der auf Unternehmensfinanzierung spezialisierten IKB Deutsche Industriebank in Düsseldorf. Demmer ist Mitglied des Mittelstandsbeirates im Bundeswirtschaftsministerium und arbeitet in den wirtschaftspolitischen Beiräten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände sowie des Bundesverbandes Deutscher Banken.rok

Von Kurt Demmer
Von Kurt Demmer

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

Energie und Wasser Potsdam GmbH-Firmenlogo
Energie und Wasser Potsdam GmbH Wirtschaftsingenieur als Fachbereichsleiter Technischer Einkauf (m/w/div.) Potsdam
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Bauingenieur*in / Umweltingenieur*in als Betriebshofleitung (m/w/d) München
Total Deutschland GmbH-Firmenlogo
Total Deutschland GmbH Leiter (m/w/d) Produkttechnik & Rangemanagement Berlin
terranets bw GmbH-Firmenlogo
terranets bw GmbH Ingenieur (m/w/d) Elektrotechnik als Leiter (m/w/d) der Betriebsanlage Stutensee-Blankenloch
VPA Prüf- und Zertifizierungs GmbH-Firmenlogo
VPA Prüf- und Zertifizierungs GmbH Prüfstellenleitung / Laborleitung (w/m/d) Remscheid
über RSP Advice Consulting & Coaching-Firmenlogo
über RSP Advice Consulting & Coaching Leitung Werksplanung und Instandhaltung (d/m/w) keine Angabe
Bayernwerk AG-Firmenlogo
Bayernwerk AG Leiter Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umwelt (HSE) (w/m/d) Regensburg, München
HEKUMA GmbH-Firmenlogo
HEKUMA GmbH Fachbereichsleiter (m/w/d) Service im Sondermaschinenbau Hallbergmoos
Viessmann Group-Firmenlogo
Viessmann Group Leiter Entwicklung Großwärmepumpen (m/w/d) Dresden, Allendorf (Eder)
voestalpine Turnout Technology Germany GmbH-Firmenlogo
voestalpine Turnout Technology Germany GmbH Konstruktionsleiter (w/m/d) Bahnanlagen Gotha

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.