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Mit Wassergüssen ins Nirwana

„Ich fühle mich wie neugeboren.“

Im Deutschen bedeutet es „die Wissenschaft vom Leben“ – Ayurveda, das alte indische Heilverfahren, das im Westen einen wahren Boom erlebt. Das ist kein Wunder, gilt es doch als Wunderwaffe gegen Streß und chronische Krankheiten.
Das Ayurveda, dessen Geheimnisse in alten Sanskrit-Schriften niedergelegt sind, soll vor 3000 bis 5000 Jahren in Südindien entstanden sein. Im Bundesland Kerala, dem Heilkräutergarten Südindiens, gibt es über 100 ayurvedische Kliniken, mehr und mehr entstehen auch Ferienorte mit westlichem Standard, in denen sich eine Kur mit zahlreichen Urlaubsfreuden verbinden läßt.
Geplagt von Streßsymptomen, Schlaflosigkeit und generellem Überdruß des mitteleuropäischen Dauerregens buchen wir eine dreiwöchige Kur in Kerala, das aufgrund einer hohen Alphabetisierungsrate und geringer Arbeitslosigkeit als Vorzeigestaat Indiens gilt. Unser Ziel ist das „Ideal guest house“ in Chowara Beach, ein paar Kilometer südlich des bekannten Badeortes Kovalam Beach und etwa 20 km von der keralischen Hauptstadt Trivandrum entfernt. Hier, kurz vor der Südspitze Indiens, konzentrieren sich viele Ayurveda-Kliniken, weil in der Gegend die besten Kräuter gedeihen. Und hier landen wir direkt im Paradies: Kokospalmen, so weit das Auge reicht, ein weißer Sandstrand ganz in der Nähe und freundliche und entgegenkommende Menschen, die bestrebt sind, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.
Die erste Konsultation bei Dr. Rajaretnam, einem ehemaligen Professor des staatlichen Ayurveda Colleges in Trivandrum, ergibt nach ausführlicher Befragung und eingehender Pulsdiagnose: Mein „Vata“ ist gestört, deshalb die Schlafprobleme und die Erschöpfung. Mit sphinxhaftem Lächeln und dem typisch indischen Hin- und Herwiegen des Kopfes, bei dem man nie genau weiß, ob es ja oder nein bedeutet, verspricht mir Dr. Rajaretnam, daß ich innerhalb kürzester Zeit tief und fest schlafen werde. Er verordnet Kräutermedizin und Pancha Karma, die Reinigungskur des Ayurveda.
Ab jetzt beginnen die Tage mit einer Rejuvenation-Massage, bei der unsere indischen Masseurinnen und Masseure uns eineinhalb Stunden lang von Kopf bis Fuß sorgfältig durchkneten, und zwar nicht nur mit den Händen, sondern auch mit den Füßen, wobei sie sich an einer von der Decke hängenden Kokosschnur festhalten.
Nach dem Frühstück folgen weitere, im Laufe der drei Wochen wechselnde Behandlungen, von denen die meisten aus mindestens einstündigen, von zwei Masseuren synchron verabreichten Massagen mit verschiedenen Kräuterzubereitungen bestehen. Wer sich dabei noch nicht dem Nirwana nahe fühlt, begegnet ihm spätestens beim Dhara, den berühmten ayurvedischen Kopfgüssen, bei denen sich himmlischer Frieden und meistens ein kurzer Tiefschlaf einstellt.
Nicht so beliebt, aber, wie Dr. Rajaretnam versichert, ein wichtiger und unverzichtbarer Teil des Pancha Karma, sind die „Vasthis“, Einläufe, die uns kundig verabreicht werden und dafür sorgen, daß wir uns an manchen Tagen nicht allzu weit vom Hotel entfernen mögen. Außerdem bekommen wir Schwitzbäder in einem Kräutersud und drei- bis viermal am Tag ayurvedische Medizin, deren oft bitterer Geschmack uns mit Bananen- oder Ananasstückchen versüßt wird. Abends, vor dem Schlafengehen, wird mir ein schlafförderndes „Thalam“ auf den Scheitel gerieben, eine Paste aus warmem Öl und Kräuterpulver, die mit einem Blatt abgedeckt wird. Nach einer Woche stellt sich der ersehnte Tiefschlaf ein. Er hält sogar den hinduistischen Tempelfesten stand, die in diesen Tagen überall in den umliegenden Dörfern gefeiert werden und vorzugsweise mitten in der Nacht die Gegend mit ohrenbetäubender Musik beschallen.
Wir ertragen das mit indischer Gelassenheit und bestätigen einander täglich neu, daß nicht nur zunehmend heitere Entspanntheit unsere Gesichter verschönt, sondern auch Muskelverkrampfungen schwinden, die Haut pfirsichweich wird und Fettpölsterchen und Cellulitis wegschmelzen wie Schnee in der Sonne. Längst haben wir unsere Kosmetikprodukte in den Koffer verbannt, weil Sesam- und Kokosöl, mit würzig riechenden, auf jeden Patienten individuell abgestimmte Kräutermischungen versetzt, ihre Funktion übernehmen.
Vier bis fünf Stunden verbringen wir täglich unter den liebevollen Händen unserer Therapeuten, die die Behandlungen mit großer Hingabe ausführen. Sie wurden vom Ayurveda College in Trivandrum ausgebildet und sprechen neben der melodischen Landessprache Malayalam auch ein paar Brocken Englisch, so daß wir im Laufe der drei Wochen tiefe Einblicke in die indische Denk- und Lebensweise bekommen.
Um die Gegend kennenzulernen, mieten wir nachmittags ein Taxi oder eine Motorrikscha und liefern uns fassungslos dem indischen Straßenverkehr aus, bei dem die Hindu-Götter ihre Hand im Spiel haben müssen, denn anders ist es nicht zu erklären, daß trotz einer unvorstellbar chaotischen Fahrweise, bei der laute Hupkonzerte eine wichtige Rolle spielen, so wenig passiert. Wir machen eine Bootstour in die nahegelegenen idyllischen Backwaters, ein Netz von Flüssen und Seen, das das ganze Hinterland von Kerala durchzieht, schauen uns die Althippies am Strand von Kovalam Beach an oder erkunden die quirlige Hauptstadt Trivandrum, stöbern in Läden nach Seidenstoffen und bewundern die grazilen, sich mit unnachahmlicher Eleganz bewegenden indischen Frauen in ihren farbenprächtigen Sarees und die Männer in ihren um die Hüften geschlungenen Tüchern, den Lungis.
Dr. Rajaretnam, der fast täglich unseren Kurverlauf kontrolliert, ist nicht begeistert von unserer Ausflugslust. Er findet, daß die Behandlung anstrengend genug ist und wir uns an den Nachmittagen nicht der Hektik der Stadt aussetzen sollen. Also durchstreifen wir meistens die umliegenden Kokoswälder, die die Grundlage für den bescheidenen Wohlstand Keralas bilden, und von denen alle Teile nutzbringend verwertet werden – vom Öl über den Palmzucker bis hin zu Hausdächern und Zäunen aus Palmblättern oder Seilen und Matten aus Kokosbast. Von 15 Bäumen, erzählt unser Hotelmanager, kann sich eine mehrköpfige Familie ernähren.
Fisch ist die einzige Ausnahme in unserer sonst rein vegetarischen, gleichwohl sehr wohlschmeckenden Kost, die überwiegend aus Basmatireis, verschiedenen Gemüsecurrys, gebackenen Weizenfladen und frischen Ananas, Papayas, Bananen und köstlichen Säften besteht. Nach drei Wochen fühlen wir uns buchstäblich wie neu geboren und stellen fest, daß wir nicht ein einziges Mal an Kaffee oder Alkohol gedacht haben. Das Wohlbefinden besteht den Alltagstest – auch nach zwei Monaten halten guter Schlaf und Wohlbefinden an. Das hindert uns allerdings nicht, schon Pläne für die nächste Ayurveda-Kur im grünen Paradies Kerala zu schmieden.
CHRISTIANE GIBIEC
Hinter malerischer Kulisse erscheinen in Indien die Sonnenuntergänge fast kitschig schön. Wer hier Urlaub macht, kann das Angenehme mit dem Nützlichen einer Ayurveda-Kur verbinden.
Himmlischen Frieden und einen kurzen Tiefschlaf verheißt Dhara, der ayurvedische Kopfguß.

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