Personalmanagement

Mit sauberer Weste werben  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 5. 07, cha – Der promovierte Arbeitsrechtler Oliver Heeder von der Kanzlei Reed Smith in München vertritt die Ansicht, dass deutsche Automobilzulieferer sich freiwillig den Compliance-Vorschriften aus den USA annähern sollten. Dazu zählt die Einrichtung einer „Whistleblower“-Hotline. Hier können Mitarbeiter Beobachtungen melden, die ihnen seltsam oder illegal vorkommen.

Heeder: Sie sind Teil des Sarbances Oxley-Acts (SOX) und für Unternehmen, die an amerikanischen Börsen gelistet sind und für deren deutsche Tochterunternehmen verpflichtend. Viele Dinge, die in den USA Standard sind, sind also längst Teil auch hier ansässiger Firmen wie DaimlerChrysler.

VDI nachrichten: Gilt das auch für Zulieferer? Oder welcher Zusammenhang besteht da?

Heeder. Nicht direkt, Zulieferer haben Verträge mit Herstellern. Ein Reifenhersteller beispielsweise, der nicht in den USA gelistet ist, muss sich den Regeln eigentlich auch nicht unterwerfen. Aber: Angesichts der vielen Skandale wie bei VW, Siemens und anderen wächst das Bewusstsein bei den großen Herstellern, nicht nur im eigenen Haus, sondern auch von allen Zulieferern klare Bedingungen zu fordern. Das ist verständlich, schließlich besteht ein Auto aus 80 % Zuliefer-Teilen. Und Zulieferer sollten diese Chance nutzen. Es gilt, nicht auf ein Gesetz zu reagieren, sondern im Vorfeld aktiv zu sein. Wenn ich ein solches Compliance-System habe, kann ich am Markt auftreten und sagen: Ich bekämpfe aktiv die Korruption, ich tue alles, damit das nicht bei uns vorkommt. Das kann dann ein großer Vorteil bei Ausschreibungen sein. Compliance-Instrumente wie die in USA vorgeschriebene „Whistleblower-Hotline“ kann also ein wichtiges Marketinginstrument sein.

VDI nachrichten: Das Prinzip „Whistleblowing“ ist rechtlich ein wenig in der Grauzone und Arbeitnehmer müssten doch wohl Nachteile befürchten?

Heeder: Ja, so ist es. In Frankreich ist Whistleblowing sogar verboten. In Deutschland ist es aber nicht illegal. Wenn ein Mitarbeiter von illegalen Dingen erfährt und nach außen trägt, begeht er keinen Gesetzesverstoß. Jetzt beginnt jedoch das große Aber. In der Praxis sieht es anders aus: Natürlich muss sich jeder Arbeitnehmer überlegen, ob er seinen Arbeitsplatz noch hat, wenn herauskommt, dass er solche Infos weitergegeben hat. Leider verlieren sogar in den USA fast 80 % der Whistleblower ihren Job. Sie müssen bedenken, dass das Fehlverhalten nicht immer auf persönliche Bereicherung zurückzuführen ist. Es ist nicht so selten, dass solches Fehlverhalten auch von einer Firma gedeckt oder zumindest geduldet wird, wenn Schmiergelder fließen, weil es Aufträge bringt und somit der Firma nutzt.

VDI nachrichten: Wie lassen sich die Schwierigkeiten für Arbeitnehmer lösen?

Heeder: Es ist natürlich wichtig, größtmögliche Anonymität zu ermöglichen. DaimlerChrysler hat an die interne Revision eine Abteilung angehängt, die Anrufe auf der Hotline entgegennimmt, oder Faxe oder E-Mails, aber ohne Rückkopplungsmöglichkeit. Wenn dann die Angaben nicht ausreichen, muss Daimler den Fall ruhen lassen, weil es keine Möglichkeit gibt, die Person mit Rückfragen zu kontaktieren. Andere machen es anders: Allianz, BASF beispielsweise haben meistens ein System, in dem man eine anonyme E-Mail-Adresse hinterlässt oder andere Kontaktmöglichkeiten bei eventuellen Rückfragen.

VDI nachrichten: Birgt das System „Whistleblower“ nicht generell die Gefahr, dass es missbraucht wird, um beispielsweise unliebsame Vorgesetzte oder Kollegen loszuwerden?

Heeder: Das wird oft angesprochen, insbesondere auch von Betriebsräten in Bezug auf Mitarbeiter. Seit dem letzten Jahr gibt es eine Entscheidung in Deutschland, dass die Whistleblowing-Instrumente, insbesondere die Hotline, mitbestimmungspflichtig sind. Der Betriebsrat muss der Einführung zustimmen. Natürlich besteht immer die Gefahr des Missbrauchs. Aber hier kann man auf die Praxis verweisen: Die Deutsche Bahn beschäftigt externe Anwälte, die für diese Fragen zuständig sind. Die haben mitgeteilt, dass es in den letzten fast sieben Jahren keinen Fall von Denunziantentum gegeben hat.

VDI nachrichten: Wie lässt sich der Mitarbeiterschutz verbessern?

Heeder: Es müsste gewährleistet sein, dass ein Mitarbeiter, der eine Beobachtung weitergibt, die sich aber letztendlich als unbegründet herausstellt, deshalb nicht arbeitsrechtlich belangt werden kann. Es müsste ein Abmahnschutz eingezogen werden, Abmahnungen dürften nicht erfolgen. Außerdem könnten die Fälle zusammen mit dem Betriebsrat besprochen werden, sodass der Mitarbeiter den Schutz des BR hat. Insofern kann man da eine Betriebsvereinbarung abschließen. Aber machen wir uns nichts vor, formaljuristisch hilft das nichts, wenn der Mitarbeiter, der die Hotline genutzt hat, dann gemobbt wird. Das Beste ist, eine umfangreiche Info an alle Mitarbeiter zu geben, sie zu schulen und zu sensibilisieren. Bei ihnen das Bewusstsein zu schärfen dafür, dass jemand per se kein Buhmann ist, wenn er etwas an eine übergeordnete Stelle weiterträgt. Dass es eher gut ist, denn so könnten Korruptionsfälle wie bei Siemens unterbunden werden.

VDI nachrichten: Wie sollte ein Automobilzulieferer bei der Implementierung der „Whistleblower“-Hotline vorgehen?

Heeder: Kleine und mittlere Unternehmen könnten es erstmal intern versuchen, beispielsweise eine „Whistleblower“-Hotline an die interne Revision anhängen oder einen Compliance-Officer benennen. Diese Lösung ist kostengünstig. Die zweite Lösung: Das Thema extern vergeben an bestimmte Anbieter, Anwälte, spezialisierte Firmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass gleich Hunderte Eingaben eingehen, ist ja eher gering. Bei einem Mittelständler würden wahrscheinlich ein bis drei Fälle im Jahr auftreten. C. HANTROP

Von C. Hantrop

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