Personalmanagement 13.10.2000, 17:26 Uhr

Mit dem Rollcontainer zum Arbeitsplatz

In einigen deutschen Unternehmen begeben sich die Mitarbeiter nun morgens mit einem Rollboy auf die Suche nach einem adäquaten Arbeitsplatz.

Robert B. * ist Berater bei Andersen Consulting. Einen für die meisten Bürohengste üblichen Arbeitsplatz mit vertrauten Acessoirs wie Fotos und Blumen hat er nicht. Den Großteil seiner Zeit verbringt er beim Kunden für die Projektarbeit. Und wenn er mal einen Tag im Büro arbeitet, fühlt er sich eher wie im Hotel: Tags zuvor reserviert er beim Kundenservice die gewünschten Räumlichkeiten. In der Eingangshalle checkt er dann per Touchscreen und Smartcard ein und bekommt die Information, welche Einzelzelle für ihn gebucht ist und in welchem Raum am Nachmittag die Besprechung mit zwei Kollegen stattfinden wird.
New Workplace nennt Andersen Consulting sein Konzept des modernen Büros. Die Rechnung geht auf, denn 80 % ihrer Zeit verbringen die Berater nach eigenen Schätzungen nicht an ihrem Arbeitsplatz – wozu dann große Büros bauen oder anmieten?
Auch bei der DVG in Hannover, Softwareanbieter für die Sparkassenorganisation, sind Vertriebsleute und Entwickler häufig aushäusig. „In Spitzenzeiten waren unsere Arbeitsplätze gerade einmal bis zu 62 % belegt, daher haben wir in unserem Neubau auch nur 75 % der früheren Fläche realisiert“, so DVG-Sprecherin Silke Bals. Den 1850 Mitarbeitern stehen seit Ende vergangenen Jahres 1350 Arbeitsplätze zur Verfügung – gruppiert nach Abteilungen.
„Die befürchtete Handtuchmentalität haben unsere Leute schnell abgelegt“, berichtet Bals. Anstatt sich den Lieblingsplatz morgens früh für den ganzen Tag zu sichern, nutzen sie die Räumlichkeiten flexibel: Wer ungestört sein will, nimmt ein 10,5-m2-Zimmer mit Glastür, für die Teamarbeit in einer kleinen Gruppen zieht man in einen der offenen oder geschlossenen Projekträume um. Daneben gibt es Besprechungsräume und Steharbeitsplätze.
Auch die Deutschland-Zentrale von IBM in Stuttgart wird gerade Zug um Zug nach diesem Prinzip umgebaut; die DVG nennt es Business-Club, der weltgrößte Computerkonzern E-Place. Gemeinsam ist beiden Konzepten, dass sie zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) entstanden sind.

IBM-Deutschland-Chef tauscht sein Eckbüro mit einem E-Place

Die Wissenschaftler beschäftigen sich seit vier Jahren in dem Projekt Office 21 mit dem Büro der Zukunft, das ihrer Meinung nach wesentlich durch die Informationstechnologie getrieben wird: Die Digitalisierung, die Miniaturisierung der Geräte, die Integration der IT-Systeme und nicht zuletzt der Preisverfall der Produkte ermöglichen laut Office-21-Projektleiter Werner Biesenberger das Aufbrechen der herkömmlichen Konzepte. „Arbeiten mit wem, wo und wann Du willst“ – das ist die Arbeitswelt von morgen. „Wir ziehen einen Schlussstrich unter den überholten Anspruch ‚mein Büro – mein Schreibtisch – mein Vorzimmer““, erklärt IBM-Deutschland-Chef Erwin Staudt, der sein großes Eckbüro bald ebenfalls mit einem E-Place eintauschen wird.
„Die Technik ist heute so weit, jetzt lassen die Menschen allmählich lieb gewordene Strukturen los“, formuliert Biesenberger die IAO-Erkenntnisse. Was den meisten entgegenkomme, sei ein Mix aus Gruppenraum- und Einzelbüros. „Große Gruppen-Arbeitsräume fördern die Teamarbeit, für konzentriertes Arbeiten braucht der Mensch Rückzugsmöglichkeiten“, bestätigt Philipp Flaig, Leiter des IBM-Bauwesens.
Erstaunlich wenig Probleme bereitet offenbar die Verpflichtung, den Schreibtisch aufgeräumt zu verlassen. Bei der DVG steht jedem Mitarbeiter ein Roll- oder Pilotenkoffer für seine persönlichen Dinge zur Verfügung. Der verschwindet abends inklusive Familienfoto in einem Schließfach.
„Die größte Umstellung war das weitgehende Verschwinden der Aktenschränke“, gibt Bals zu. Nur 16 Ordner bzw. 2 m Schrankfläche gesteht das Unternehmen jedem zu. Dokumente und Post muss jeder für sich einscannen, eine Software für das Dokumentenmanagement hilft bei der Verwaltung und beim Wiederfinden, und nur im Notfall wird ein alter Ordner aus dem Keller-Archiv geholt. „Statt des oftmals propagierten papierlosen Büros wird derzeit das papierarme Büro gelebt“, weiß auch IAO-Experte Biesenberger.
Manchen Mitarbeitern kommen die digitalen Dokumente gerade recht – ermöglichen sie ihnen doch das relativ problemlose Arbeiten im Home-Office. Das Hin- und Herschleppen von Aktenordnern entfällt. Bei IBM wird die Telearbeit schon seit ein paar Jahren praktiziert. Bei der DVG haben soeben 20 Mitarbeiter eine zwölf Monate lange Testphase abgeschlossen, in der sie maximal drei Tage pro Woche zu Hause arbeiten durften.
„Zwei von ihnen wollen lieber wieder ständig im Büro arbeiten“, resümiert Bals. Der Rest sei begeistert und stecke nun die übrige Belegschaft an: Das Software-Unternehmen stellt sich darauf ein, dass mehr als die Hälfte der Mannschaft das so genannte Mobile-Working angehen will. „Das motiviert die Leute, ihre Arbeit wird dadurch nur besser“, so die DVG-Sprecherin. Bedenken, dass das neue Gebäude ab und an leer stehen könnte, hat sie nicht: „In unserer Branche ist Wachstum angesagt.“
Andersen Consulting hingegen verzichtet teilweise schon auf das Anmieten von Büroflächen: In Stuttgart hat das Unternehmen als weltweiten Versuchsballon ein „Virtual Office“ eröffnet: Für Kunden ist eine 0800-Servicenummer eingerichtet. Die Andersen-Berater, die den Südwesten der Republik abdecken, sind via Telefon, Handy und Mail erreichbar. Für IAO-Mann Biesenberger ist dies eine utopische Weiterentwicklung für das Büro von morgen. Seiner Meinung nach brauchen die Menschen auch in Zukunft eine – wenn auch temporäre – Homebase. SABINE KOLL
*Name geändert

Ein Beitrag von:

  • Sabine Koll

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