Personalmanagement

„Mit Boni gute Mitarbeiter anlocken“  

Hinter den meisten Arbeitnehmern hierzulande liegen magere Jahre. Die Schere zwischen Unternehmensgewinnen und dem Einkommen der Privathaushalte geht weiter auf. Was tun? Fragen an den Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe, Michael Heise.

Heise: Nein, gerade die Zurückhaltung bei Löhnen und Gehältern hat jetzt zu einem deutlichen Anstieg der Beschäftigung geführt. Viele Arbeitslose haben wieder einen Job bekommen. Im Moment sind wir Deutschen klare Gewinner der Globalisierung, da sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen – aufgrund intensiver Restrukturierungen und durch die moderaten Lohnabschlüsse – kräftig verbessert und die positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung ausgelöst hat. Die Verbesserung am Arbeitsmarkt, die auch zu sinkenden Abgaben auf die Lohneinkommen geführt hat, ist eine wichtige Bedingung für mehr private Vorsorge.

VDI nachrichten: Dennoch sind Gewinn- und Vermögenseinkommen zuletzt viel stärker gestiegen als Einkommen aus unselbstständiger Arbeit. Das Wohlstandsgefälle nimmt zu. Sehen Sie Gefahren für Demokratie und Marktwirtschaft, wenn die Entwicklung anhält?

Heise: Akut sind die Gefahren für unsere Wirtschaftsordnung wohl nicht, aber es ist unverkennbar, dass die Spannungen zunehmen und ein langfristiges Risiko darstellen. Auch in den angelsächsischen Ländern wird ja derzeit intensiv über die gerechte Besteuerung von Kapitalerträgen diskutiert. Es handelt sich dabei um eine globale Entwicklung, nicht um ein deutsches Phänomen. Und wir müssen Wege finden, die Akzeptanz der Marktwirtschaft zu erhöhen.

VDI nachrichten: Die Bundesregierung möchte die Schere zwischen stagnierenden Arbeitseinkommen und steigenden Gewinneinkommen durch eine stärkere Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter schließen. Ist das ein Erfolg versprechender Ansatz?

Heise: Das ist ein guter Ansatz. Ein höherer Anteil an den Gewinn- und Kapitaleinkommen hätte gerade in den letzten Jahren erhebliche Vorteile für die Arbeitnehmer gehabt. Insofern ist es sicher sinnvoll, die Anreize für Mitarbeiterbeteiligungen am Kapital oder am Gewinn der Unternehmen zu verbessern, etwa indem die Arbeitnehmersparzulage einbezogen und aufgestockt und auch die steuerlichen Arbeitnehmerfreibeträge erhöht werden.

Man darf aber nicht vergessen, dass in erster Linie die Tarifpartner gefordert sind. Für die Gewerkschaften haben Barlohnsteigerungen stets Priorität gehabt, so dass für zusätzliche Erfolgsbeteiligungen nur wenig Raum blieb. Und auf Arbeitgeberseite hat es auch Vorbehalte gegeben.

VDI nachrichten: Union und SPD haben bereits ihre Modelle zur Mitarbeiter-beteiligung vorgelegt. Welches Modell favorisieren Sie?

Heise: Wenn es um Kapitalbeteiligungen an Unternehmen geht – also Mitarbeiter zu Mitunternehmern werden -, ist das Unionsmodell zweifellos vorzuziehen. Es sieht die direkte Beteiligung der Arbeitnehmer vor. Sie ist entscheidend, weil nur so eine hohe Identifikation des Mitarbeiters mit seinem Unternehmen entstehen kann, aus der sich eine stärkere Motivation ergibt.

Wenn es dagegen um reine Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer geht, ist ein Fondskonzept durchaus angemessen. Auch eine Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer hat eine positive Anreizwirkung, und wenn sie langfristig angelegt wird, kann man sie durch Instrumente der Vermögensbildungspolitik fördern.

VDI nachrichten: Wie wollen Sie die Unternehmen für Mitarbeiterbeteiligungen begeistern?

Heise: Grundsätzlich: Mitarbeiterbeteiligungen beruhen auf Freiwilligkeit. Man kann versuchen, steuerliche Anreize zu schaffen, und man sollte die Vorteile für die Unternehmen besser kommunizieren. Ich sehe eher Chancen für eine Erfolgsbeteiligung in Form von Gewinnbeteiligungen.

VDI nachrichten: Großunternehmen wie BASF oder BMW beteiligen ihre Mitarbeiter seit Langem am Gewinn. Bei Porsche hat jeder Vollzeitbeschäftigte für das letzte Geschäftsjahr 3500 € als Sonderzahlung erhalten. Ein Vorbild auch für andere Unternehmen?

Heise: Sehr viele Betriebe – gerade aus dem Kreis mittelständischer Familienunternehmen – beteiligen bereits ihre Mitarbeiter nach erfolgreichen Jahren via Bonuszahlungen. Porsche ist durch die egalitäre Art, in der dies gemacht wurde, aufgefallen.

Bedingung für solche Zahlungen ist natürlich, dass es dem Unternehmen wirklich gut geht, denn bei diesen Zahlungen handelt es sich um Zusatzleistungen zum Tariflohn. Solche Boni sind ein gutes Instrument, um gute Mitarbeiter anzulocken und so weiteres Wachstum zu sichern. Aber gesamtwirtschaftlich sollten wir versuchen, generell die Erfolgskomponente in der Entlohnung zu erhöhen. Das kann nicht nur on top gehen.

VDI nachrichten: Wenn dank der guten Konjunktur die Einkommen wieder kräftiger steigen, was raten Sie als Volkswirt? Mehr konsumieren, noch mehr vorsorgen?

Heise: Wir wissen, dass in 20 bis 30 Jahren kräftige Rentenkürzungen auf uns zukommen werden. Die Pflegeversicherung bereitet erhebliche Probleme. Und im Gesundheitsbereich wird nicht mehr alles von den gesetzlichen Kassen bezahlt, was Patienten benötigen. Da kommt also noch einiges auf uns zu.

Aber es geht bei der privaten Vorsorge nicht nur darum, mehr zu sparen, sondern auch langfristiger und renditebewusster anzulegen. In Deutschland sind die privaten Haushalte zu sehr in kurzfristigen Anlageformen engagiert.

VDI nachrichten: Das scheint ein wunder Punkt zu sein. So ist die Rendite, die mit Geldanlagen erzielt wird, bei uns wesentlich geringer als etwa in den USA.

Heise: Die Renditelücke lässt sich für die Jahre 1991 bis 2004 überschlägig auf jährlich 60 Mrd. € beziffern. Um sie wenigstens teilweise zu schließen, müssten freie Mittel verstärkt zur langfristigen Eigenvorsorge genutzt und entsprechend angelegt werden.

Dabei kommt der Aktie eine wichtige Rolle zu. Die längerfristige Entwicklung am deutschen Aktienmarkt zeigt klar, dass eine höhere Aktienquote zu einer deutlich höheren Anlagerendite geführt hätte.

Aber es gibt natürlich auch andere hochrentierliche Anlageinstrumente. Dabei spielt immer das Risiko eine Rolle – wozu der Berater eingehend zu befragen wäre.

VDI nachrichten: Aktienerwerb setzt eine risikofreudige Mentalität voraus, die den Deutschen im Allgemeinen eher fremd ist. Selbst jetzt, in Zeiten steigender Kurse, geht die Zahl der Aktionäre in Deutschland zurück…

Heise: Gefordert sind vor allem die Finanzinstitute. Sie müssen durch Kundenberatungen optimale Vermögensstrukturen aufbauen. Insbesondere bei langfristig ausgerichteten Anlegern sollte für eine höhere Aktienquote plädiert werden, zumal sich das Risiko begrenzen lässt.

Aber es müssen auch eine Reihe politischer Weichenstellungen erfolgen. So lässt das Wissen der Menschen über finanzielle Zusammenhänge sehr zu wünschen übrig. Und die Bürger haben sich zu lange auf umlagefinanzierte Sozialsysteme in Deutschland ohne eigenverantwortliche langfristige Vorsorge verlassen. Das Umdenken muss sich noch beschleunigen. D. HEUMANN/ps

Michael Heise

ist seit 2002 Chefvolkswirt der Allianz Dresdner Bank-Group. Vor seinem Eintritt in die Allianz-Gruppe war Heise Generalsekretär des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Chefvolkswirt der DG Bank sowie Chefvolkswirt und Leiter Research der DZ BANK. Heise hatte Lehraufträge an der European Business School Oestrich-Winkel und lehrt seit 1991 an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main, wo er Honorarprofessor ist. Heises besonderes Engagement gilt zudem dem Finanzstandort Deutschland: In der „Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD)“ steht er dem Kreis der IFD-Volkswirte vor. dh

Von Dieter Heumann
Von Dieter Heumann

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