Personalmanagement

Mit der Arbeiterbewegung in die Vorstandsetage

Schon als Angehöriger des Betriebsrats hatte Manfred Reindl immer auch die Interessen des Unternehmens im Blick. Jetzt ist der Diplom- Ingenieur Personalchef.

Manfred Reindl führt noch schnell ein eiliges Telefongespräch im Stehen, das Sakko hat er über einen Stuhl gelegt. Die Gelassenheit, die der Mitfünfziger dabei ausstrahlt, kommt nicht von ungefähr. Der Ingenieur ist ein Mann des Ausgleichs.
Reindl ist das, was man im Ruhrgebiet ein Urgestein zu nennen pflegt. Gleich seine erste Stellung – Schaltingenieur für die Netzabteilung – brachte ihn 1968 zum RWE. Heute ist Reindl als Personal-Vorstand der nach der Fusion mit der VEW neu gegründeten RWE Net AG verantwortlich für insgesamt 8000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit hat er den vorläufigen Höhepunkt einer Karriere erreicht, für die er zwar einen etwas längeren Anlauf brauchte, die dann aber in gerader Linie verlief. Seine Ausbildung zum Maschinenbauingenieur führte über den zweiten Bildungsweg, sein Aufstieg in den Vorstand über den Betriebsrat und den Aufsichtsrat bei RWE.
Nach seiner Lehre als Elektroinstallateur bei der Hoesch AG war das Thema Schule für Reindl zunächst abgeschlossen: „Ich war mit meinem Beruf zufrieden und habe als Schwimmer viel trainiert“, erinnert sich der ehemalige Wettkämpfer, der vielleicht die Chance gehabt hätte an der Olympiade 1964 in Tokio teilzunehmen. Spezialdisziplin: 100 Meter Delphin. Damals fehlte ihm aber noch die nötige Zielstrebigkeit. „Etwas mehr Trainingseifer wäre wohl nötig gewesen“, gibt sich Reindl lächelnd selbstkritisch. Schwimmen geht er nur noch gelegentlich, aber er spielt in einer Tennismannschaft und – wie es sich für ein Vorstandsmitglied gehört – Golf.
Aufgewachsen ist Reindl im Essener Norden. Als Kind einer Kriegerwitwe musste er zunächst ohne Vater auskommen, bis seine Mutter einen Polizisten heiratete, von dem er voller Respekt spricht. „Aber die ersten Jahre, gerade in dieser Zeit, waren hart. Das prägt einen, das Bodenständige bleibt dann etwas länger haften.“ Auf seine Ruhrgebietsherkunft lässt sich Reindl jedoch nicht gerne festlegen. Angeregt durch seine Frau, einer Holländerin, wäre er gerne ins Ausland gegangen, praktische Erwägungen hätten das verhindert. Vielleicht auch deswegen berichtet er mit besonderem Stolz von seinen drei Söhnen, von denen zwei inzwischen im Ausland an ihren eigenen Karrieren feilen – der älteste in Mexiko.
Weil er sich in seinem damaligen Job in der Überwachungszentrale bei RWE nicht richtig ausgelastet fühlte, ließ sich Reindl 1972 in den Betriebsrat wählen. „Wir hatten zwar unsere Routineaufgaben, aber im Grunde mussten wir vor allem für den Störfall bereit sein.” Zuvor war er bereits Vertrauensmann der Gewerkschaft ÖTV in der Kreisverwaltung Essen. „Ich bin natürlich oft gefragt worden, ob ich nicht die Seiten gewechselt habe, von der Arbeiternehmervertretung zur Unternehmensleitung. Aber das Mitbestimmungsprinzip habe ich immer auch als Mitverantwortungsprinzip verstanden. Betriebsratsarbeit heißt, für die Arbeitnehmer einzustehen, aber dabei nicht die Unternehmensinteressen aus dem Auge zu verlieren.“ Folgerichtig interpretiert Reindl seine heutige Aufgabe durchaus als logische Fortsetzung seiner Arbeit als Arbeitnehmervertreter. Ganz Kind der Nachkriegszeit betont er die Bedeutung des Schulterschlusses zwischen Arbeiterbewegung und Kapital in den frühen fünfziger Jahren als Grundstein für die Entwicklung der Bundesrepublik. „Ich bedaure sehr, dass in der heutigen Ellenbogengesellschaft Individualisten großgezogen werden, die wenig davon halten, dass man nur gemeinsam etwas erreichen kann.“
Auch als Personalchef eines großen Unternehmens ist Reindl dieser Wandel nicht ganz geheuer. „Wir haben bei RWE beispielsweise eine Betriebsvereinbarung über Heimarbeitsplätze verabschiedet. Wenn man das etwas weiter spinnt, gibt es irgendwann keine Arbeitnehmer, sondern nur noch Freiberufler. Die Menschen kommen dann nur noch über die Technik zusammen.“ Dabei dürfe man die Gefahren für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft nicht unterschätzen, warnt Reindl. Auf der anderen Seite sieht er aber auch, dass den Unternehmen keine andere Wahl bleibt, als Kosten zu sparen. Ein Büroarbeitsplatz kostet ungefähr 100 000 DM, jeder könne sich ausrechnen, was durch Heimarbeitsplätze eingespart werden kann.
Geld sparen will der Konzern auch durch eine Vorruhestandsregelung für Mitarbeiter über 51 Jahre. Reindl, Jahrgang 44, und damit eigentlich selbst betroffen, trägt diese Entscheidung mit – wenn auch mit einem gewissen Unbehagen. Schließlich verliert das Unternehmen mit den Frühpensionären jede Menge Erfahrung und Know-how, und für die Betroffenen ist der frühe Wechsel in den Ruhestand nicht immer problemlos zu bewältigen. Auf der anderen Seite sehnt sich auch Reindl nach mehr Freizeit, um endlich mit seiner Frau die immer wieder aufgeschobenen Reisen unternehmen zu können. Nach der eigenen Pensionierung in einigen Jahren will er vielleicht als Berater Kontakt zum Unternehmen und zur Gewerkschaft halten. „Von hundert auf null runterzufahren ist sowieso schlecht. Aber ich werde dann sicherlich nur in den hinteren Reihen mitmischen, denn die Jüngeren haben ihre eigenen Vorstellungen, und das ist gut so. Man gibt Mitarbeitern die Möglichkeit, mit 51 zu gehen und beansprucht für sich selbst noch mit 66 im Unternehmen zu arbeiten: Ich weiß nicht so recht, ob das in die heutige Situation passt.“
Manfred Reindl ist Realist und rückblickend stellt er fest: „Das Wir-Gefühl aus früheren Zeiten wird es bei RWE nicht mehr geben.” Bereits in den 80er Jahren war zu beobachten, dass beispielsweise Betriebsausflüge oder der Betriebssport nicht mehr von der Belegschaft angenommen wurden. Das dafür notwenige Geld wurde dann als vermögenswirksame Leistung ausgezahlt. Mit zunehmendem Wettbewerb und den damit verbundenen Veränderungen würde es immer schwieriger, so etwas wie ein Gemeinschaftsgefühl aufrecht zu erhalten.
Reindl glaubt auch nicht, dass die Unternehmen gut beraten wären, dieses Wir-Gefühl in den Vordergrund zu stellen. „Diese Broker beispielsweise, die wir inzwischen auch beschäftigen, können sich mit unserem Unternehmen gar nicht mehr identifizieren. Das kritisiere ich auch gar nicht. Denn wenn es richtig ist, dass solche Mitarbeiter ihren Marktwert steigern, wenn sie nach fünf Jahren wechseln, ist ihr Verhalten einfach nachvollziehbar.“ Für das Gros der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könne aber gelten, dass sie versuchen müssten, ihre Selbstverantwortung, die sie aus ihrem Privatleben kennen, auch auf ihre berufliche Situation zu übertragen – denn was für das Unternehmen gut ist, ist auch gut für sie. Ein Prinzip, das Manfred Reindl für sich selbst wohl auch gelten lässt. MANFRED BURAZEROVIC
„Das Mitbestimmungsprinzip verstehe ich immer auch als Mitverantwortungsprinzip.“

Manfred Reindl
Manfred Reindl wurde am 21. Dezember 1944 im österreichischen Dellach geboren. Nach Volksschule und Lehre als Elektroinstallateur bei der Hoesch AG in Essen besuchte Reindl die Berufsaufbauschule, um über den zweiten Bildungsweg Maschinenbauingenieur in der Fachrichtung Elektrotechnik zu werden. Als Absolvent der Staatlichen Ingenieurschule für das Maschinenwesen in Siegen (Dipl. 1982) trat Reindl 1968 seine erste Stellung in der Regionalversorgung (RV) Essen des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks an. Seit 1972 im Betriebsrat, wurde er 1982 von seiner eigentlichen beruflichen Tätigkeit freigestellt. Über die Stationen Gesamtbetriebsratsvorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der RWE AG (1990) sowie Arbeitsdirektor und Vorstandsmitglied für den Bereich Personalwesen der RWE Energie AG (1996) wurde Reindl im Oktober 2000 Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor der RWE Net AG. MB

Von Manfred Burazerovic

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