Management

Material sparen im Netzwerk  

„3 % weniger Materialkosten bringen genauso viel Gewinn wie 60 % mehr Umsatz“, hat Ingo Buck ausgerechnet, Innovationsberater bei der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) in Lübeck. Informationen, wie das geht, gibt es in Netzwerken, die vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert werden.

16 Netzwerke gibt es bereits in der Bundesrepublik. Mehr als 130 mittelständische Unternehmen sind darin schon aktiv. Messebauer, Messedienstleister und Eventagenturen haben sich beispielsweise im Netzwerk Faircycle zusammengeschlossen. Gemeinsam mit Forschungspartnern erkunden sie Einsatzmöglichkeiten für „innovative Materialien“ wie Messestellwände mit Papierwabenkern. Die sind billiger zu produzieren, enthalten keine Schadstoffe, lassen sich leichter handhaben.

Im Visier haben die Akteure zudem Nanobeschichtungen, die Oberflächen kratzfest machen. Die schützen Messeaufbauten aus Aluminium- und Kunststoffglasoberflächen vor Kratzern, so dass man sie mehrmals verwenden kann. Im Februar 2008 stellen die Organisatoren ihre Innovationen auf der Branchenmesse Euroshop in Düsseldorf vor.

Den Einsatz neuer Gleitlagerlösungen erkunden Firmen in einem von der Technologietransfer und Innovationsförderung Magdeburg GmbH (Tti) koordinierten Netzwerk. Ihr Ziel: weniger Verschleiß und weniger Verbrauch von Zusatzmaterialien. Eine der möglichen Lösungen könnten mit Spezialfolien umwickelte Gleitlager sein – zum Beispiel für den Einsatz in Kältemaschinen. Auf der nächsten Hannover Messe präsentiert das Netzwerk die Lösungen auf dem Stand der Universität Magdeburg.

„Die entscheidende Frage für Unternehmen ist immer, was ihnen die Teilnahme an einem solchen Firmenverbund finanziell wirklich bringt“, sagt Jutta Bauer, die das in Stuttgart angesiedelte „Netzwerk für betrieblichen Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften Modell Hohenlohe“ koordiniert.

Den Nutzen von Netzwerken belegt Dr. Stefan Enzler vom Süddeutschen Netzwerk Materialeffizienz bei der Imu Augsburg: „Unsere Unternehmen erzielen nachweislich eine Effizienzsteigerung von bis zu 27 %.“

40 000 € Kostenersparnis pro Jahr brachte das Netzwerkengagement der Rawe Electronic GmbH ein, ein Hersteller elektronischer Baugruppen und Systeme in Weiler im Allgäu. Geschäftsführer Markus Hertkom hatte in seinem Unternehmen ein Optimierungspotenzial „im Zusammenspiel zwischen Auftragsvorbereitung und Fertigungssteuerung“ vermutet und sich im März 2007 dem Imu-Netzwerk angeschlossen. Er fand eine Lösung, die sich sogar ohne Investitionen realisieren lässt: „Durch eine bessere Zusammenarbeit in den Teams haben sich schon nach kurzer Zeit die Logistikabläufe verbessert.“

Netzwerkteilnehmer sollen in zwei Stufen vom NeMat-Programm profitieren.

In der ersten Phase analysieren Experten die Stärken und Schwächen der Netzwerkpartner und untersuchen mögliche Synergien einer Zusammenarbeit.

Die zweite Stufe besteht darin, Lösungen zum Materialeinsparen zu erkunden, von denen alle Partner gleichermaßen profitieren.

„Im Endeffekt haben alle beteiligten Firmen branchenunabhängig ähnliche oder gleich geartete Probleme“, beobachtete dabei Stephan Nusser, Geschäftsführer der auf Metall- und Blechbearbeitung spezialisierten W. Nusser GmbH in Neusäß. Er schloss sich dem Imu-Netzwerk an, weil in seinem Unternehmen zwei größere materialintensive Projekte anstanden. „In der Startphase rechneten wir mit höheren Verschnittquoten und Fehlerteilen“, so Nusser, „wir wollten rechtzeitig geeignete Mittel finden, um die Materialausnutzung zu optimieren.“

Die beim Förderverein Wip-Kunststoffe in Hannover zusammengeschlossenen Unternehmen haben als einen besonders Erfolg versprechenden Weg die Sensibilisierung der Mitarbeiter ausgemacht.

„Bei einem ersten Praxistest kamen auf Anhieb 24 gute Verbesserungsvorschläge zusammen“, berichtet Koordinatorin Berit Bartram. Auf dieser Basis soll jetzt ein Leitfaden für die Materialeffizienz-Ideenfindung durch Mitarbeiter entstehen.

Für manche Unternehmen lohne sich indes schon allein das regelmäßige Treffen mit den anderen Netzwerkpartnern auf Workshops und Informationsveranstaltungen, weiß Stephan Nusser: „Für eine gerade bei uns anstehende Lagerlösung können wir jetzt auf Erfahrungswerte einer Firma aus unserem Verbund zurückgreifen.“

ALFRED PREUSS

Von Alfred Preuss

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