Management

Manager nehmen die Schule unter die Lupe  

VDI nachrichten, Wiesbaden, 5. 4. 07, ws – „Eigenverantwortlichkeit“ und „unternehmerisches Denken“. So lauten die Forderungen der Politik an deutsche Schulen. Wie aber sollen Rektoren über Nacht von Schulleitern zu Managern mutieren? Das Projekt „Partners in Leadership“ aus Hessen zeigt, wie ihnen geholfen werden kann und wie auch die Wirtschaft von der Kooperation profitiert.

Schule und Wirtschaft können eine Menge voneinander lernen, findet der Präsident der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU), Dieter Weidemann. Deswegen bringt das VhU-Projekt „Partners in Leadership“ Schulleiter und Manager zum Erfahrungsaustausch „auf Augenhöhe“ zusammen.

In Zeiten, in denen die eigenverantwortliche Schule auf der politischen Agenda steht, ist dies für Rektorinnen und Rektoren ein Weg zu mehr unternehmerischem Know-how. Die Unternehmen wiederum können ihren gesellschaftlichen Horizont erweitern.

„Mit diesem Projekt haben wir offenbar den Nerv der Zeit getroffen und dauerhafte Gespräche in Gang gesetzt“, zieht Weidemann eine positive Bilanz der ersten Begegnungsrunde. 25 Manager aus der Deutschen Bank und der Wirtschaftsprüfungs- und beratungsgesellschaft KPMG sowie 25 Schulleiterinnen und Schulleiter aus der Rhein-Main- Region hatten sich für zehn Monate zu Paaren zusammengefunden und den Blick in eine andere Berufswelt gewagt. Fast alle Teams treffen sich auch über die Projektphase hinaus weiter.

„Der Gesellschaft etwas zurückgeben“, war eines der Motive, aus denen heraus sich KPMG-Partner Gerhard Heinz am Erfahrungsaustausch beteiligt hat: „Wir machen manchmal einen etwas trockenen Job“, erzählt der Wirtschaftsprüfer. „Mit Partners in Leadership bot sich mir ein ganz handfestes Projekt.“ Heinz kooperierte mit der Realschuldirektorin Michaela Eder. Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Personalführung sollten die Schwerpunkte ihrer Zusammenarbeit sein. Als Eders Schule im Februar 2006 wegen rückläufiger Schülerzahlen allerdings das Aus drohte, war vor allem Beratungs-Know-how gefragt.

Heinz sei zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen, meint Eder, die selbst Betriebswirtin ist. Beide entwickelten ein Marketingkonzept, um der Schule im Frankfurter Stadtteil Bornheim ein neues Profil zu geben. Beginnend mit einem Brainstorming über die Entwicklung eines Vorkonzeptes bis zur präsentationsfähigen Fassung verlief alles nach den Regeln aktueller Marketingkunst.

Kern der Neuausrichtung war eine Kooperation mit einer benachbarten Berufsschule unter dem Motto „Bildung und Beruf unter einem Dach“. Mit Hilfe von KPMG-Manager Heinz strukturierte Eder das Projekt, entwickelte eine Präsentationsstrategie und legte die Adressaten fest. Beim staatlichen Schulamt konnte sie schließlich mit einer professionellen Präsentationslogistik überzeugen.

„Die Zusammenarbeit war intensiv, erfolgreich und hat Spaß gemacht“, resümiert Eder, die heute Direktorin einer katholischen Privatschule ist und das, was sie über stringentes Projektmanagement gelernt hat, auch in ihrem neuen Job gut anwenden kann.

Unmittelbar für seine Arbeit konnte ihr Gegenüber zwar nichts mitnehmen, aber auf alle Fälle „das gute Gefühl, seine Energie und Zeit sinnvoll für die Allgemeinheit investiert zu haben.“

Als persönliche Bereicherung empfand auch Karoline von Richthofen ihr Eintauchen in die Schulwelt. Von Richthofen, bei der Deutschen Bank im Bereich Produktmanagement tätig, traf sich sechsmal mit der Direktorin einer Integrierten Gesamtschule. „Für mich war der Blick über den Gartenzaun spannend“, sagt Angelika Hachmann, Leiterin der Georg-August-Zinn-Schule.

Beide sahen sich gegenseitig über die Schulter. Von Richthofen hielt eine Unterrichtsstunde im Fach Wirtschaftslehre ab und brachte den Schülern den unbaren Zahlungsverkehr näher. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit standen Finanzplanung, Zielvereinbarungen und Mitarbeiterführung. Beide stellten durchaus gemeinsame Probleme bei ihren Führungsaufgaben fest, aber auch eine grundsätzlich unterschiedliche Ausgangsposition.

48 „Mitarbeiter“ muss Hachmann führen, fünf bis sechs ihre Partnerin von der Deutschen Bank. Mitarbeitergespräche wie sie in der freien Wirtschaft an der Tagesordnung sind, sind an der Schule nur schwer möglich. „Kooperativ und demokratisch“, findet von Richthofen die Entscheidungsfindung an Deutschlands Schulen.

Vieles laufe weniger über Weisungsbefugnis als über Motivation, ein neuer Impuls auch für die Bankmanagerin. Wie Heinz hat von Richthofen großen Respekt vor dem persönlichen Engagement, das die Schulleiter angesichts ihrer neuen Aufgaben, die die Politik ihnen als künftige Schulmanager aufgibt, trotz bürokratischer Hürden zeigen.

Mehr Handlungsfreiheit für die Schulleitungen hält Heinz für dringend notwendig. „Die Limitationen in öffentlich-rechtlichen Strukturen sind aus der Managementperspektive frustrierend“, meint der 43-Jährige eine Auffassung, die Hessens Ministerpräsident Roland Koch offenbar teilt. Ihm schwebt ein völlig neues Berufsfeld eines Schulmanagers mit mehr Geld, weitreichenden Kompetenzen und weitgehender Freistellung vom Unterricht vor.

„Partners in Leadership“ ist mittlerweile als Fortbildungsveranstaltung beim hessischen Institut für Qualitätsentwicklung akkreditiert. Gerade ist das Projekt mit Beteiligung von Procter&Gamble, der Deutschen Bahn und Siemens in die zweite Runde gegangen.

Mit dabei sind unter anderem Siemens-Personalleiter Rainer Welzel und der Direktor der Wiesbadener Gutenbergschule, Gerhard Schlotter. Das Gymnasium gehört zum MINT-Netzwerk, einem Netz mathematisch-naturwissenschaftlicher Schulen. „Wir zeigen den Schülern, wie Technik im wirklichen Leben aussieht“, so Welzel. Spannend fände es der Personalchef allerdings auch, Steuerungselemente aus der Wirtschaft in ein anders Umfeld zu bringen. „Warum sollte man zum Beispiel die Balanced Scorecard nicht auch an Schulen testen?“ J. WITTE

Bilanz: Manager und Schulleiter drückt oft der gleiche Schuh

Von J. Witte

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