Management

Management lässt sich nicht im Klassenzimmer lernen  

Henry Mintzberg ist seit vielen Jahren einer der schärfsten Kritiker der MBA-Ausbildung. Für den Managementprofessor an der kanadischen McGill University in Montreal ist das Ausbildungskonzept mit schuld an der gegenwärtigen Führungskrise.

VDI nachrichten: In den vergangenen Jahren haben viele Business Schools ihre Programme zum Master of Business Administration (MBA) geändert. Sie haben Kurse über Ethik eingeführt, die Studenten bearbeiten reale Projekte und reisen in andere Länder. Hat das etwas an Ihrer Kritik geändert?

Mintzberg: Nein, die ist sogar noch stärker geworden. Denn die Veränderungen sind wirklich unbedeutend. An den Business Schools werden noch immer Studenten ohne eigene Managementerfahrung ausgebildet. Das führt nur zu Arroganz. Denn Management kann man nicht im Klassenzimmer lernen. Es ist weder eine Wissenschaft noch ein Beruf. Man braucht Erfahrung. Wer Menschen, die selbst noch nie geführt haben, Management beibringen möchte, verschwendet nicht nur seine Zeit, sondern würdigt auch die Kunst des Managements herab. Durch das MBA-Studium bekommen selbst Teilnehmer, die vielleicht gute Manager werden könnten, eine völlig verzerrte Vorstellung von der Managementpraxis.

VDI nachrichten: Sie sind ein großer Kritiker der Fallstudien. Was haben Sie gegen diese praxisorientierte Unterrichtsmethode, bei der Studenten anhand realer Unternehmensbeispiele lernen, ihr Wissen anzuwenden?

Mintzberg: Die Fallstudie ist möglicherweise für viele Probleme im heutigen Führungsalltag verantwortlich. Da sitzen die MBA-Kandidaten in einem Büro und diskutieren über Worte und Zahlen, sind dabei der realen Situation, um die es geht, völlig entrückt. In einer Fallstudie haben Sie doch immer nur Informationen aus zweiter Hand. Ein Manager kann dagegen reale Erfahrungen sammeln und mit Mitarbeitern und Kunden reden.

Die Studenten dagegen wissen nichts über das Unternehmen. Sie lesen 20 Seiten und halten sich für einen Experten. Sie werden trainiert, Zahlen zu analysieren und schnelle Entscheidungen zu treffen. Und wenn sie dann Manager in einem Unternehmen sind, entscheiden sie genauso oberflächlich, wie sie es gelernt haben. Jedem Absolventen eines herkömmlichen MBA-Programms sollte man daher eine Warnung auf die Stirn stempeln: Auf Führungsaufgaben nicht vorbereitet.

VDI nachrichten: Warum hat sich dann an der Ausbildung in den letzten Jahren nichts geändert?

Mintzberg: Weil das Modell zu erfolgreich ist. Je mehr Prestige die MBA-Schulen haben desto konservativer sind sie gegenüber Veränderungen. Die Menschen sind einfach blind gegenüber den Problemen. Außerdem machen die meisten den MBA ja nicht wegen der Ausbildung, sondern weil sie damit mehr Geld verdienen wollen. Viele sind wie Söldner, die ausschließlich für Geld oder eine Belohnung arbeiten. Das führt zu einer Korrumpierung unternehmerischer Führung. Denn ihnen geht es vor allem ums persönliche Fortkommen und nicht um das Wohl des Unternehmens. Ihr Managementstil ist ungeduldig, aggressiv und egoistisch und sie sind besessen davon, die Bilanzgewinne zu manipulieren, die Personaldecke zu verschlanken und den Shareholder Value zu erhöhen. Das ist ein Managementstil, der frei von Führung ist.

VDI nachrichten: Was ist mit den berufsbegleitenden Executive MBA Programmen für erfahrene Führungskräfte?

Mintzberg: Wenn man junge Menschen ohne eigene Managementerfahrung hat, kann man nichts machen. Wenn man erfahrene Manager hat, dann könnte man ein gutes Programm entwickeln. Aber wenn man dort nur das anbietet, was man für Studenten ohne Managementerfahrung konzipiert hat, ist das kompletter Unsinn. Die renommierte amerikanische Business School Wharton wirbt auf ihrer Website sogar damit, dass man beim Executive MBA dasselbe Programm bekommt wie beim Vollzeit-MBA. Da wäre es für Manager ohne betriebswirtschaftlichen Hintergrund sinnvoller, ein paar Abendkurse über Strategie, Controlling oder Marketing zu besuchen.

VDI nachrichten: Deutsche Universitäten stellen derzeit ihr System auf das angelsächsische Modell mit dem Bachelor- und Masterabschluss um. Sind wir da auf dem falschen Weg?

Mintzberg: Es ist schon sehr ironisch, dass die Europäer das US-System kopieren müssen, um sich in den globalen Markt zu integrieren. Ich denke zwar nicht, dass das US-System grundsätzlich schlecht ist, aber es zwingt zur Standardisierung der Abschlüsse und das ist das Schlimmste, was man tun kann. Es verhindert Innovation und Experimentierfreude. Kein Land sollte die USA kopieren. Denn jedes Land hat eine andere Kultur und andere Bedürfnisse bei der Ausbildung seiner Manager. MBA-Absolventen, die sich für herausragende Manager halten, nur weil sie zwei Jahre die Schulbank gedrückt und hunderte von Fallstudien gelöst haben, können in deutschen Unternehmen erheblichen Schaden anrichten.

VDI nachrichten: Also Finger weg von den MBA-Programmen?

Mintzberg: Die amerikanische Industrie wurde ebenso wie die deutsche von Ingenieuren aufgebaut. Heute bilden die USA keine amerikanischen Ingenieure mehr aus. Die kommen aus Indien. Dafür ist das Land voll mit Leuten ohne substanzielle Ausbildung, aber mit einem MBA-Abschluss, die alle nur managen wollen. Wenn Deutschland denselben Weg geht und auf seine fundierte Ausbildung verzichtet, dann verliert es seinen Wettbewerbsvorteil und schwächt seine Wirtschaft.

BÄRBEL SCHWERTFEGER

Henry Mintzberg: Manager statt MBAs. Eine kritische Analyse. Campus Verlag, Frankfurt 2005, 416 S., 49,90 ?

Von Bärbel Schwertfeger

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