Management

Malkurs für Führungskräfte

Einseitige Betrachtung verhindert, sein Gegenüber zu verstehen. Mit seinen Kunstkursen will Andreas Goetz Führungskräften neue Perspektiven der Kommunikation aufzeigen.

Ein letzter Bleistiftstrich, dann schaut Karsten Höhnig zufrieden auf sein Bild. Die Aufgabe, ein Stillleben abzuzeichnen, ist in seinen Augen gut gelungen. „Perspektivenwechsel, alle wechseln bitte ihren Platz und zeichnen über das ursprüngliche Bild ein Stillleben aus neuer Perspektive“, ruft Kursleiter Andreas Goetz. Höhnig wird unwirsch. Schon die erste Zeichnung hat den Verkaufsleiter genug Mühen gekostet. Nun soll er sie auch noch durch Überzeichnung verunstalten. Zwei Perspektivenwechsel weiter ist er erstaunt. Was er zunächst ablehnte, hat ein neues Bild hervorgebracht, fast gefällt es ihm besser als das erste Exemplar.

Genau das ist das Ziel von Andreas Goetz. Der 37-jährige diplomierte Künstler setzt seit über zehn Jahren sein Handwerk zur Beratung von Spitzenkräften ein. Und hat damit Riesenerfolg. Sein Konzept ist, in Managern durch die Methode der Kunst ein neues Gefühl für Entwicklungsprozesse zu wecken. Wenn sie aus verschiedenen Perspektiven zeichnen oder aber in Teamarbeit ein Bild erstellen, lernen sie, ihnen bislang unbekannte Methoden einzubeziehen und zu erkunden. Zwar wird schon seit Jahrzehnten in Seminaren für Persönlichkeitsentwicklung gepredigt, dass im Team auf andere einzugehen ist. „Der Unterschied zu theoretischer Vermittlung psychologischer Erkenntnisse ist aber, dass die Teilnehmer in ihrer kreativen Entfaltung selbst die Erkenntnisse erleben. Dadurch bleibt das Vermittelte viel intensiver haften“, erklärt Goetz.

Gerade Absolventen ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge tendierten zur Betrachtung aus rein technischer Sicht. Durch seine Seminare werde, so Goetz, die emotionale Komponente wieder gefördert, die eine bereichsübergreifende Kommunikation vereinfache – unabdingbare Voraussetzung beispielsweise für den Vertrieb.

Insbesondere Ingenieure stehen dem Medium der Kunst skeptisch gegenüber. Aber zugleich, so weiß etwa der Berater Klaus Fischer zu berichten, würden sie die unkomplizierte Handhabe schätzen. Fischer ist selbst Ingenieur und bereits seit mehreren Jahren für die Bayer AG gemeinsam mit Künstlern beratend tätig. Die Erfahrungen mit Kulturentwicklung in Unternehmen bezeichnet er als sehr positiv. „Wenn man kognitive Prozesse wie etwa Teamgeist bildhaft dargestellt, werden Spannungen sofort aufgedeckt und anschließend erstaunlich aggressionsfrei diskutiert.“ Deshalb hält er den Einsatz von Kunst gerade zur Schulung von Schlüsselqualifikationen für besonders sinnvoll.

Über 200 Mitarbeiter wurden beispielsweise „auf künstlerische Weise“ bei VW über rund 20 Monate geschult die Resonanz bezeichnet Anke Hattendorf, Projektleiterin bei VW im Bereich Personalmanagement, als „überwältigend“. Im Bereich Change-Management eingesetzt, sollte Andreas Goetz Mitarbeiter auf einen Wechsel in neue Positionen vorbereiten. Was zunächst misstrauisch beäugt wurde, war nachher Werksgespräch. Nicht nur, wie eigentlich angestrebt, verbesserte sich die Teamfähigkeit, sondern auch die Bereitschaft, sich auf Neues und Suspektes einzulassen.

VW ist nur einer der Großkunden von Goetz bei der Audi AG hat er 240 Mitarbeiter geschult, Bayer verpflichtete ihn drei Jahre lang für 250 Führungskräfte sein neuestes Projekt läuft beim Hamburger Medienriesen Axel Springer. Auch mittelständische Unternehmen wie etwa den Hersteller von Heizungsanlagen Elco Klöckner oder den Industriemaschinenhersteller Oltrogge gewann Goetz für sich. „Aber kleinere Unternehmen sind noch nicht so offen für die neue Idee wie Konzerne.“ Wahrscheinlich nicht zuletzt, weil der Erfolg auch bezahlt sein will: Der Tagessatz von Goetz liegt bei rund 1300 €.

Mit seiner Methode liegt der Augsburger Berater im Trend: Kunst wird mittlerweile auf ganz verschiedene Arten in das Management eingebracht. Einige Unternehmen, wie etwa der Drogerie-Riese dm oder Daimler-Chrysler, haben bereits exklusiv Künstler für den Managementbereich unter Vertrag. Auch die Politik hat Feuer gefangen: Im Auftrage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung leitet das Bonner Institut für Kulturpolitik seit zwei Jahren das Projekt „Kultur und Arbeit“, in dessen Rahmen das Potenzial von Kunst für den Managementbereich untersucht wird. „Dieser Bereich wird zunehmend an Bedeutung gewinnen“, prognostiziert der wissenschaftliche Leiter des Instituts, Bernd Wagner. Bisherige Beobachtungen in dem Projekt zeigen, dass durch Kunst und kreative Entfaltung außerfachliche Qualifikationen wie beispielsweise Teamfähigkeit, Offenheit und Flexibilität direkt erlebt und damit unmittelbar und sehr schnell erlernt würden.

An der Studie beteiligt ist auch das Remscheider Institut für Bildung und Kultur dessen Leiterin, Gerda Sieben, ist zwar begeistert, dass neue Wege zur Unterstützung einer gewandelten Arbeitsmentalität beschritten werden, beklagt jedoch Mängel in der Transferleistung: „Nach der Schulung müssten den Mitarbeitern mehr Möglichkeiten eingeräumt werden, die trainierte Flexibilität und Kommunikationsfähigkeit am Arbeitsplatz anzuwenden.“ Ansonsten verkomme das ganze Unterfangen zur reinen Marketing-Kampagne. Offenheit für Kreativität schreibe sich jeder gern auf die Fahne.

Kunst und Kultur in Unternehmen ist mittlerweile auch ein Thema für die Wissenschaft: An der Uni Witten/Herdecke ist das Forschungsprojekt „Wirtschaftskultur durch Kunst“ angelaufen. Unter Leitung des Kunstwissenschaftlers Michael Bockemühl soll in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, Managern, Künstlern und Kulturverantwortlichen erarbeitet werden, welche Erfolgsfaktoren durch künstlerisches Schaffen aktiviert werden können. Von brotloser Kunst kann hier wohl keine Rede mehr sein. J. BAER-HENNEY

Kontakt: art e com, Andreas Goetz, Roseggerstr. 6a, 86179 Augsburg, Tel: 0821/881948,
E-mail: artecom@web.de

Projekte

Kunst befruchtet WirtschaftDas Thema Kunst in der Wirtschaft zieht mittlerweile weite Kreise. Ein Überblick, welche Einsatzmöglichkeiten es in dem Bereich bislang gibt, bieten beispielsweise das Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft in Bonn (www.kupoge.de) oder das Remscheider Institut für Bildung und Kultur (www.ibk-kultur.de). Über das Kooperationsprojekt der Universität Witten/Herdecke informiert die Seite www.wirtschaftskultur.de. Mit dem Zusammenspiel von Kunst und Wirtschaft wird sich auch die von der Siemens AG und den Hamburger Deichtorhallen konzipierte Ausstellung „Art & Economy“ auseinander setzen (28.02. bis 23.06., Hamburger Deichtorhallen, Info karolin.timm@siemens.com ). jbh

Von J. Baer-Henney

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