Management

Macht und ihre Opfer

VDI nachrichten, München, 26. 11. 04 -Angst und Ohnmacht passen nicht zum Image einer erfolgreichen Führungskraft. Sie sind aber ständige Wegbegleiter von Top-Managern. Denken „die da oben“ wirklich noch an das Wohl von Unternehmen und Mitarbeitern? Oder gehen die eigenen Machtbedürfnisse vor? Braucht Deutschland einen neuen Managertypus?

Das Platzen des Börsenhype, die Bilanzskandale bei US-Top-Unternehmen, die Gerichtsverhandlung um die Mannesmann-Übernahme – der Lack bei den Wirtschaftsführern blättert ab. Die Krisen bei Karstadt und Opel haben ihr Übriges getan. Hiobsbotschaften über Fehlentscheidungen und Missmanagement häufen sich. Selten haftet der oberste Boss mit seinem Privatvermögen für das Desaster, das er angerichtet hat. Wenn er gehen muss, dann erhält er meist eine saftige Abfindung.
Unvergessen auch das Foto von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann mit der zum V-Zeichen erhobenen Hand, Siegesgewissheit und Machtbewusstsein demonstrierend. „Wenn jemand im Machtzentrum Angst hat, dann zeigt er es nicht. Angst und Ohnmacht passen eben nicht zum Image einer erfolgreichen Führungskraft“, konstatiert Walter Hoffmann. Der Volkswirt und Managementberater hat 41 Vorstände sowie Berater aus dem deutschsprachigen Raum befragt, ihre Antworten anonymisiert und in einem Buch protokolliert.
Aus seinen Aufzeichnungen wird deutlich: Spitzenpositionen in großen Firmen sind und machen attraktiv Verantwortung, Statussymbole, Dienstreisen und exklusive Treffen mit anderen Wirtschaftsbossen und hochrangigen Politikern versetzen in die Welt des Exklusiven.
Doch die Macht hat Schattenseiten. Im Alltag der Manager, so Hoffmann, gibt es viele Faktoren, die Angstgefühle auslösen: Stress, Überforderung, Konflikte, Neid und Konkurrenz. Auch sie kennen das Gefühl von Ohnmacht und die Angst zu versagen oder zu scheitern. Gerade in den oberen Chefetagen werde der Verlust von Macht als ständige Bedrohung erlebt.
„Ich vermute, dass die Tabuisierung dieses Themas ein Schutzmechanismus ist. Denn wenn sie über ihre Rolle reflektieren würden, würden sie merken, wie ambivalent der Job ist“, meint der Autor und attestiert: „Wer einmal Macht hat, gibt sie ungern wieder her.“ In seinen Aufzeichnungen geben die Spitzenmanager zu, viel Zeit und Energie in die Machterhaltung zu investieren. Und das nicht immer zum Wohl des eigenen Unternehmens oder der Kunden und Mitarbeiter, sondern zum eigenen Wohl oder zur Befriedigung eigener Machtbedürfnisse. Nur ist die Öffentlichkeit kritischer geworden, die Medien scheuen sich nicht mehr, die „Unberührbaren“ zu kritisieren.
Möglicherweise haben sich die tradierten Machtstrukturen überlebt und eine neue Generation von Managern ist gefragt. Manche Hochschule bietet neue Studienangebote an, etwa die Universität St. Gallen (USG), deren Studenten schon oft während des Studiums von Unternehmen angeworben werden. Peter Gomez, Rektor der USG, nennt in einem Interview mit der schweizerischen Sonntagszeitung „ganzheitliches Denken“ als Ziel. Ein Manager müsse sein Handwerk verstehen, er müsse Verantwortung übernehmen, seine Mitarbeiter glaubwürdig führen und Spaß an der Aufgabe haben.
So heißen die Angebote in der wirtschaftlichen Ausbildung neuerdings „Philosophie und Ökonomie“ oder „Ethisches Verhalten im Management“. Gomez hält diesen Trend für „eine eher unglückliche Entwicklung“. Es genüge nicht, wenn jemand ein guter Mensch sei. Durchsetzungskraft und eine Prise Schlauheit seien ebenfalls Voraussetzung. Walter Hoffmann geht sogar weiter, er bezeichnet solche Studienangebote als Feigenblatt. Im Wirtschaftsleben zähle eben auch die Darwin“sche Maxime „survival of the fittest“. Auch viele USG-Absolventen seien dem Macht- und Erfolgshunger erlegen.
Doch wer bringt den künftigen Entscheidungsträgern bei, in einem immer komplexer werdenden Umfeld zurecht zu kommen? Einer der Berater, die in Hoffmanns Buch zu Wort kommen, hat dies treffend auf den Punkt gebracht: „Die Topshots in Wirtschaft und Politik wissen inzwischen alle, dass die alte Definition von Macht im Sinn von Ursache und Wirkung tot ist. Sie stehen vor einem Dilemma. Sie haben die Form der direkten Macht gelernt und sind damit groß geworden.“
Die Globalisierung bringe eine zunehmende Vernetzung mit sich und damit auch atmende, dynamische Organisationen. Die alten Machtstrukturen funktionieren nicht mehr: Ein Umdenken ist nötig, meint der oben zitierte Berater, vor allem bei der Ausbildung des Nachwuchses: „Wir haben keine Erlebnissituation für eine Netzwerkdynamik. Wir machen noch triviale Ausbildungen nach dem Motto: mein, dein, ich hier und du da.“E. TSAKIRIDOU
Walter K. H. Hoffmann ist selbstständiger Organisations- und Managementberater.

Von E. Tsakiridou

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