Management 31.05.2002, 18:20 Uhr

Kraft aus Sieg und Niederlage

Andreas Köpke hat in seiner Laufbahn auch viele Schlappen einstecken müssen. Der ehemalige Nationaltorwart gibt seine Erfahrungen heute an Manager weiter.

Wer sich Zeit und Muße nimmt, die geschichtsträchtige Umgebung des Nürnberger Frankenstadions zu erkunden, trifft neben den stummen Zeitzeugen der NS-Vergangenheit auch auf die Namen nationaler Fußballgrößen, so etwa in Form des Max-Morlock-Platzes oder der Hans-Kalb-Straße. Einer, der im Gegensatz zu diesen verstorbenen Helden des 1. FC Nürnberg noch lebt, der ihnen in Bedeutung und Popularität aber keineswegs nachsteht, ist Andreas Köpke.
Ob denn nach dem Idol der jüngeren Fußballgeneration auch einmal ein Platz benannt wird? Obwohl ihn das sehr ehre, sei es wohl vermessen, sich ernsthaft über so etwas Gedanken zu machen, meint der ehemalige Nationaltorwart mit leicht verlegenem Lächeln. Typisch Köpke. Auf-die-Pauke-hauen ist nicht sein Ding, die Zurückhaltung eines Gentlemans prägte auf dem Spielfeld und im Interview sein Bild in der Öffentlichkeit. Toni Schumacher, Vorgänger Köpkes im Allerheiligsten der deutschen Nationalmannschaft, oder Nachfolger Oliver Kahn leben hingegen mit dem Image zähnefletschender Bluthunde, die ihren „Kasten“ unter Einsatz äußerster Mittel „sauber“ halten. Auch die aufbrausende Art eines Uli Stein, der bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko seine Koffer packte, weil er von der Reservebank dem Geschehen zuschauen sollte, passt nicht zu Köpkes Sachlichkeit. „Ob Stein damals im Recht war oder nicht: Hätte ich in seiner Haut gesteckt, wäre ich bei der Mannschaft geblieben. Es geht eben nicht immer mit dem Kopf durch die Wand. Hätte ich Theater gemacht, wäre das fürs Team schädlich gewesen und hätte meine Karriere als Nationaltorwart gefährdet.“ Dementsprechend handelte er bei der Weltmeisterschaft acht Jahre später und begnügte sich – obwohl von den Medien gefordert – mit der Rolle des Ersatztorwartes.
Ein Verhaltensmuster, das sich laut Köpke auch auf das Berufsleben eines Managers übertragen lässt. „Bei einer Weltmeisterschaft werden 24 deutsche Topspieler eingeladen, aber nur elf davon können spielen. Das ist hart für die, die nicht zum Einsatz kommen. Um den Erfolg des Ganzen zu ermöglichen, muss man solche Entscheidung hinnehmen und weiter hart an seiner Karriere arbeiten. Der Erfolg stellt sich meist über kurz oder lang ein. Ähnliches gilt auch für Führungskräfte.“
Mit seinen Erfahrungen, die nicht nur von Siegen und Meisterschaften geprägt waren, kann und will der Welt- und Europameister Managern der mittleren und hohen Geschäftsebene mehr Gesprächspartner und Ratgeber denn knallharter Managementexperte sein. „Dabei erzähle ich Geschichten aus meiner Karriere, deren Erkenntnisse auch für Manager hilfreich sein können.“ Vom Begriff „Motivationskünstler“ hält Köpke daher wenig. Mit großspurigen Erfolgsparolen Marke Höller hat das nichts gemein. „Niederlagen und Abstiege bringen einen oft weiter als Siege. Sie härten ab und zwingen, intensiv in den Spiegel zu schauen: Hätte ich etwas anders machen sollen? Wenn ja, was? Oder: Will ich überhaupt etwas ändern?“ Ein Beispiel aus dem Jahre 1996: „Damals war ich bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag. Obwohl wir in der Spitze mitspielen wollten, stiegen wir in die Zweite Liga ab. Wenige Wochen später wurde ich mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister. Das geht nur, wenn man mit sich selbst im Reinen ist.“ Auch hier sieht Köpke eine deutliche Parallele zum Alltag anderer Berufsgruppen. „Wenn Dinge schief gelaufen sind, muss man einen Schlussstrich ziehen und nach vorne schauen. Wichtig ist allerdings, dass alle Beteiligten sich darüber im klaren sind, in einem Boot zu sitzen.“ Wer sich bemüht, nahe an der Basis zu sein, erkenne Strömungen, die einer harmonischen Entwicklung im Wege stehen könnten. Entscheidend sei letztlich der Wille, denn „Menschen und Teams scheitern selten, weil sie versagen, sondern meist weil sie aufgeben“.
Die wichtigste Botschaft des Mannschaftssportlers: Ein gesunder Teamgeist ist die Basis des Erfolges. Köpkes Seminare, die er im Namen der Leipziger Unternehmensberatung „Ehricht & Kühn“ anbietet, tragen daher auch den Titel „Gemeinsam erfolgreich“. Köpke will sein Publikum nicht wie manch anderer Trainer oder Berater mit Fremdwörtern oder mehrdeutigen Redewendungen drangsalieren. Die Wortwahl wird Köpke nicht schwer fallen er weiß, mit wem er redet. Erfahrung im Umgang mit Kaufleuten hat der 39-Jährige bereits durch seine Tätigkeit beim Marketingpartner des 1. FC Nürnberg. Authentisch und daher glaubhaft sollen die Vorträge und Beratungen des gelernten Kfz-Mechanikers sein.
Wer vom „Welttorhüter des Jahres 1996“ lernen möchte, muss allerdings kräftig ins Portmonee greifen. Um die 24 000 € kostet eine Beratung. Wie letztlich die Dienstleistung des 40-Jährigen aussieht, hängt auch von den Wünschen und Vorstellungen der Käufer ab. Am 29. Juni etwa, einen Tag vor dem Endspiel der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea, empfangen Köpke und seine Partner Sven Ehricht und Sven Kühn Geschäftsleute im Frankenstadion. Dann wird diskutiert, aber auch gekickt. Wer bislang noch keinen Mannschaftsgeist entwickelt hat, ist von diesem Tag an vielleicht etwas harmoniebedürftiger.
                       WOLFGANG SCHMITZ

Andreas Köpke
. . . wurde 1990 Fußballweltmeister, damals allerdings noch als Ersatztorwart hinter Bodo Illgner. 1996 stand er im deutschen Europameisterteam und wurde im gleichen Jahr zum Welttorhüter gewählt. Nach der EM platzte der Wechsel zum CF Barcelona, weil Köpke sich voreilig mit einem Trikot des VfB Stuttgart ablichten ließ. Der Wahl-Franke bestritt 354 Bundesliga- und 59 Länderspiele, stieg allerdings auch drei Mal aus der Bundesliga ab. In seiner letzten Saison als Fußballprofi hatte er beim 1. FC Nürnberg, für den der gebürtige Kieler mehr als zehn Jahre zwischen den Pfosten stand, noch einmal ein Erfolgserlebnis und stieg in die erste Bundesliga auf. Im Juli 2001 beendete er seine Karriere. Andreas Köpke (40) hat zwei Kinder und lebt in Herzogenaurach bei Nürnberg. ws

Experten-Tipp
Favorit Frankreich
Andreas Köpke glaubt, dass Frankreich den Weltmeistertitel verteidigen wird, „weil Sie eine tolle Mannschaft haben und mir der Fußball gefällt“. Deutschland kommt seiner Meinung nach ins Viertelfinale. „Wichtiger als die Platzierung ist, dass wir uns gut verkaufen, uns als Mannschaft präsentieren und für die WM 2006 im eigenen Land dazu lernen.“ ws

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