Management

Konzentration auf das Stammgeschäft

Deutsche Maschinen- und Anlagebauer stoßen viele ihrer Beteiligungen ab. Was dahinter steckt, erläutert im folgenden Beitrag Michael Schäfer vom Institut für Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen.

Den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern geht es wieder besser. Nach dem enttäuschenden Jahr “99 mit rückgängigen Umsätzen erwartet die Branche jetzt einen realen Produktionsanstieg von 6 %. Wie andere zyklische Industrien profitiert man von der anziehenden Konjunktur. Neben der technologischen Spitzenstellung hat hier allerdings auch der schwache Euro seinen Teil zu der erfreulichen Entwicklung beigetragen. Dies belegt die im Vergleich zu den Inlandsbestellungen deutlich stärker gestiegene Nachfrage aus dem Ausland. Allerdings ist fraglich, wie lange dieser Trend anhalten wird. In den USA mehren sich die Zeichen für eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und auch der Euro hat sich von seinem Tief bereits wieder spürbar erholt. Neben diesen makroökonomischen Rahmenbedingungen entscheidet natürlich die Positionierung der einzelnen Unternehmen über die zukünftige Entwicklung der Branche.

Schwachpunkt der Branche: die Auslandsmärkte

Die technologische Führerschaft der deutschen Maschinenbauer steht zweifellos außer Frage, aber die Stellung auf wichtigen Auslandsmärkten lässt noch immer zu wünschen übrig. Insbesondere auf dem mit Abstand größten Maschinenmarkt der Welt, dem amerikanischen, wiegt das Defizit besonders schwer. Von dem 700 Mrd. DM großen Kuchen konnten sich die deutschen Anbieter von Maschinen und Anlagen bisher nur ein bescheidenes Stück herausschneiden. Inklusive der Exporte bringt man es dort gerade einmal auf einen Anteil von 4 %. Damit liegt man deutlich hinter den Japanern mit 7 % und auch hinter den Kanadiern, die auf 5 % kommen.
Zu den wenigen nennenswerten Auslandsengagements der vergangenen zwölf Monate zählt die Übernahme der BWI plc durch die IWKA AG. Der britische Verpackungsmaschinenhersteller wurde im Rahmen eines Übernahmeangebots für über 250 Mio. DM erworben. Damit konnte IWKA die entsprechende Sparte auf über 600 Mio. DM ausbauen und sich als führender Anbieter von Verpackungsmaschinen im Nahrungsmittel-, Pharma- und Kosmetikbereich etablieren. Neben der Entwicklung der Verpackungstechnik in Richtung Komplettanbieter gelang den Karlsruhern auch der Sprung auf den amerikanischen Markt. Der Bereich wurde Ende vergangenen Jahres weiter durch die Übernahme großer Teile der Jagenberg Verpackungstechnik gestärkt. Von der Rheinmetall AG wurden vier von sieben Beteiligungen im Verpackungsbereich erworben, die zusammen 220 Mio. DM umsetzen. Da man sich künftig auf die Sparten Automobil- und Konsumgüterindustrie sowie die Prozesstechnik fokussieren möchte, wurden im Gegenzug die Wehrtechnik-Aktivitäten mit einem Umsatzvolumen von 190 Mio. DM an Rheinmetall abgegeben.
Einen Zukauf im Ausland konnte auch die MAN AG melden. Von der französischen Alstom S.A. wurde zum 31. März das Dieselmotorengeschäft übernommen, das mit 1500 Mitarbeitern 200 Mio. DM jährlich umsetzt. MAN erhofft sich von dem Erwerb der vornehmlich in Wachstumsfeldern tätigen Sparte vor allem Synergien in der Entwicklung und im Vertrieb. Gleichzeitig trennte man sich von der 50%-igen Beteiligung an der amerikanischen New Elliott Corp. Zwar war MAN selbst an der Übernahme der restlichen Anteile interessiert, aber der japanische Partner Ebara Corp. hielt an seiner ebenfalls hälftigen Beteiligung fest. Weil MAN nicht länger an einer Finanzbeteiligung interessiert war, gab man den Anteil an Ebara ab, wodurch der Teilkonzern MAN Turbomaschinen knapp 30 % seines Umsatzes von zuletzt 1,1 Mrd. DM verliert.
Auch generell kann vor allem eine Zunahme von Beteiligungsverkäufen durch deutsche Maschinen- und Anlagenbauer beobachtet werden. Dies ist nicht weiter verwunderlich, stellt doch der Kapitalmarkt immer höhere Anforderungen an die Unternehmen. Von den Analysten wird immer wieder auf den nach wie vor hohen Diversifikationsgrad in der deutschen Industrie hingewiesen. Gleichzeitig bessert sich, wie eine Studie der Beratungsfirma A.T. Kearney belegt, langsam das Umfeld für Desinvestitionen. Während Beteiligungsverkäufe bisher häufig als Zeichen für das Scheitern des Managements gedeutet wurden, setzt sich nun vermehrt die Überzeugung durch, dass die Unternehmensleitung nur in einem begrenzten Maß unterschiedliche Geschäfte kompetent führen kann. Die Konzentration auf das Stammgeschäft wird nun regelmäßig positiv kommentiert und auch von den Unternehmen werden Desinvestitionen zunehmend als wertgenerierendes Instrument erkannt und akzeptiert.
Ein Unternehmen, das derzeit mitten in diesem Prozess steckt, ist die Babcock Borsig AG. Von den ursprünglich fünf Geschäftsfeldern (Antriebstechnik, Maschinenbau, Kraftwerkstechnik, Energiesysteme und Gebäudetechnik) soll der Konzern auf drei Kernbereiche zurückgestutzt werden. Die neue Konzernstruktur sieht eine Konzentration auf die Energietechnik, den Schiffbau sowie den Bereich Beteiligungen vor, in dem im Wesentlichen profitable Maschinenbauunternehmen zusammengefasst sind. Im Frühjahr trennte man sich vom ersten größeren Brocken. Die 75,5 %-ige Beteiligung am Getriebehersteller Flender AG wurde an die englische Citicorp Venture Capital sowie das Flender-Management veräußert. Darüber hinaus trennte man sich auch vom Flüssiggas-Geschäft, das kürzlich an die englisch-norwegische Kvaerner-Gruppe ging. Der Löwenanteil der geplanten Desinvestitionen von 3,5 Mrd. DM steht den Oberhausenern jedoch noch bevor. Auf der Verkaufsliste stehen unter anderem noch der Textilmaschinenbauer Moenus, die Wasser- und Rohrtechnik sowie die Gebäudetechnik.

Forderung des VDMA: stärkeres US-Engagement

Ein regelrechter Ausverkauf fand in den vergangenen Monaten bei der AGIV AG statt. Nachdem der Hauptaktionär, die BHF-Bank, seit mehr als drei Jahren vergeblich einen Käufer für ihre 49 %-ige Beteiligung suchte, beschloss man Ende 1999 den Verkauf der einzelnen AGIV-Töchter. Der Anfang wurde mit der Abgabe der österreichischen Andritz AG gemacht. Der Hersteller von Papier- und Zellstoffmaschinen sowie Anlagen für die Stahlindustrie mit einem Umsatz von 1,2 Mrd. DM ging für 900 Mio. DM an ein Konsortium um die amerikanische Carlyle Group. Weiterhin wurden 51,5 % am Prüf-, Wäge- und Montagetechnikhersteller Carl Schenck mit knapp 900 Mio. DM Umsatz an die Dürr AG abgegeben. Weitere 25 % erwarb Dürr von der Harald Quandt Beteiligungsverwaltung GmbH, so dass man die Sparte Lackieranlagen substantiell stärken konnte. Bei der 75 %-igen AGIV-Beteiligung an der Barmag kam die schweizerische Saurer AG für ca. 320 Mio. DM zum Zug. Der Remscheider Weltmarktführer bei der Herstellung von Maschinen und Anlagen für die Produktion und Veredelung von Chemiefasern setzte zuletzt 650 Mio. DM um. Schließlich wurde mit der britischen Fairey Group auch ein Käufer für die Spectris AG gefunden. Für den Spezialisten für Messtechnik mit einem Umsatz von 670 Mio. DM Umsatz wurden 560 Mio. DM erlöst. Damit verbleiben bei der AGIV vorerst nur die Ernst Peiniger GmbH und die Mübau GmbH. Der bisher durch die Verkäufe generierte außerordentliche Ertrag von 1,45 Mrd. DM soll an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Damit scheidet zumindest die AGIV aus dem Kreis der Kandidaten aus, die dem Ruf des VDMA, sich stärker in den USA zu engagieren, folgen können.

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