Management

Kompromißlos und doch zartbesaitet?

Die harte Schale für den Beruf, der weiche Kern für die Familie. So präsentieren Top-Manager der Öffentlichkeit gern ihre Persönlichkeit. Dieser Rollenspagat erweist sich als ungesund für die Manager und ist kontraproduktiv für die Unternehmen.

Endlich entkommt er der Rolle als phantasieloser Kostenkiller und Rambo vom Dienst“, porträtierte der Berliner Tagesspiegel vor rund einem Jahr Jürgen E. Schrempp. Der 54jährige DaimlerChrysler-Chef hatte ungewohnt blumige Worte gewählt, um den größten Coup der Industriegeschichte zu beschreiben. Er hatte den Merger der Automobilhersteller zum Giga-Konzern verbal „Hochzeit im Himmel“ getauft. Das reichte bereits, um hinter der Maske des entschlossenen Machers ein zweites, ein menschliches Gesicht vermuten zu lassen. Kann es etwa sein, daß erfolgreiche Personen gar keine in sich ruhenden Monolithen sind, sondern in Teilpersönlichkeiten zerfallen: im Unternehmen scharf und rücksichtslos, zu Hause voller Verständnis und liebevoll?
Nilgün Aygen, Organisationspsychologin bei KS Team im hessischen Weilmünster, kennt die Gedankenschraube, die zur Flucht in extremes, vielfach widersprüchliches Verhalten führt. „Wenn ich freundlich bin“, zitiert sie die Überlegungen ihrer oft depressiven Coaching-Kunden, „ziehen mich meine Geschäftspartner über den Tisch, respektieren mich Mitarbeiter und Chefs nicht mehr.“ Also werde morgens die Wolfsmaske aufgesetzt und auf dem Heimweg wird die des braven Schafes ausgepackt.
Für den Wunsiedeler Unternehmensberater Robert Kober führt derartiges Verhalten unweigerlich in die Katastrophe: „Um sich noch ins Gesicht sehen zu können, ersparen die aufgesetzten Killertypen ihren Kindern zu Hause jede Härte – und machen so noch die nächste Generation kaputt.“
Oder aber es kommt gar kein familiärer Kontakt mehr zustande – was nicht minder schlimme Folgen hat. Das Statistische Bundesamt meldet fast zwei Mio. alleinerziehende Eltern, darunter 308 000 Väter (plus 51 % gegenüber 1991). Natürlich sind Prominente aus der Wirtschaft darunter. Aber keiner mag öffentlich zugeben, daß der Zeitgeist auch sein trautes Heim erfaßt hat.

Intaktes Familienleben als schmückender Hintergrund

Wenn sich Wirtschaftsbosse privat zeigen, dann als Oberhäupter von intakten Familien. Unternehmensberater Tom Sommerlatte von Arthur D. Little läßt sich gerne gemeinsam mit Ehefrau Christine und seinen elf Kindern ablichten, Compunet-Gründer und Fast-Minister Jost Stollmann stellt die private Verantwortung für seine fünf Kinder heraus und Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff schmückt sich mit der Rolle als vierfacher Vater und liebender Ehemann.
Was ist daran echt, was unecht? „Janusköpfigkeit“, behauptet der Consultant Michael Sandrock, „wird nicht akzeptiert.“ Mit dieser Meinung steht er nicht allein. Unternehmensberater Werner Rhomert aus Rheda-Wiedenbrück sekundiert: „Langfristiger beruflicher und privater Erfolg hängen eng zusammen. Beides bedingt überzeugendes Auftreten, das in Übereinstimmung mit der Persönlichkeit stehen muß.“ Doch wie viele Facetten verträgt eine Persönlichkeit?
Im Beruf hart, privat weich. Das kann sehr wohl sein, sagen andere. Dr. Artur Wollert, früher Hertie-Personalvorstand und heute Hochschul-Professor an der Bundeswehrhochschule München, stellt fest: „Jede Medaille hat zwei Seiten. Das trägt wesentlich zu ihrer Identität bei.“ Wichtig sei das Streben nach Authentizität und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – im beruflichen und privaten Bereich gleichermaßen. Das ehrliche Korsett müsse sein, um beide Teile zu einer Persönlichkeits-Einheit zusammenzufügen.
Leichter gesagt als getan. Immer mehr Manager werden zu Tätern oder Opfern des zunehmenden Verantwortungsdrucks durch Hierarchieabbau, Globalisierung und rasche Technologieschübe. Aber der gesellschaftliche Wandel nimmt sie plötzlich auch zu Hause in die Pflicht. Nach einem Zwölf-Stunden-Tag im Büro gegenüber seinem Partner und den Kindern aufmerksam zu sein, sehen weder Manager noch Personalberater als Problem. Doch in Wahrheit wird die „double squeeze-Situation“ als belastend erlebt. Immer mehr sogenannte Erfolgreiche fühlen sich ausgepreßt durch die extrem widersprüchlichen Anforderungen im Bürosessel einerseits und knappem Privatleben andererseits.

„Managertypen: narzistisch, schizoid oder zwanghaft“

Das jedenfalls sagt die Untersuchung einer Gummersbacher Unternehmensberatung, die schon vor Jahren zu dem Ergebnis kam, daß 60 % der deutschen Führungskräfte neurotisch gestört seien. Das klingt vergleichsweise beruhigend, wenn man von den populären Berliner Psychologen-Teams Jürgen Hesse und Hans-Christian Schrader erfährt, daß Manager ohnehin nur die Wahl zwischen drei Charaktertypen haben: narzistisch, schizoid oder zwanghaft (Hesse/Schrader: „Die Neurosen der Chefs“, Eichborn Verlag, Frankfurt).
Da wundert es nicht, daß immer mehr Top-Verantwortliche die Flucht in die Sucht antreten: Extremsport, Tabletten, Drogen und Alkoholismus kommen zum Workaholismus hinzu. Zahlreiche Kliniken haben sich längst auf Junkies aus den Führungsetagen spezialisiert.
In erlesenen Zusammenkünften wie den Baden-Badener Unternehmer-Gesprächen oder bei Veranstaltungen der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh wird inzwischen kein Geheimnis mehr daraus gemacht, daß „heldenhaftes Verhalten“ vieler Manager zu ungewollten Nebenwirkungen führt. Leidtragende sind nicht nur der einzelne Betroffene und seine Familie, sondern auch das Unternehmen. Die Hertie-Stiftung hat deshalb ein „Audit Beruf und Familie“ ins Leben gerufen und die „Beruf & Familie Stiftungs-GmbH“ gegründet. Darüber hinaus ist im Wirtschaftsverlag Bachem ein Praxisleitfaden „Mit Familie zum Unternehmenserfolg“ (ISBN 3-89172-394-6) veröffentlicht worden, der die Erfahrungen namhafter Unternehmen mit einer familienfreundlichen Personalpolitik vorstellt.
Was früher ein Thema unter Feministinnen war, beschäftigt heute unter der Überschrift „Manager zwischen veränderten beruflichen und privaten Anforderungen“ auch Industriesoziologen. Prof. Helge Peters von der Universität Oldenburg berichtet, daß sich die „double-squeeze-Situation“ aus widersprüchlichen, sich tendenziell ausschließenden Selbst- und Fremdansprüchen moderner Führungskräfte, „nicht zuletzt auch negativ auf die Leistungsfähigkeit der Unternehmen auswirken kann“.
Der dominante DaimlerChrysler-Chef Jürgen E. Schrempp kann sich glücklich schätzen. Er hat kein Problem mit dem Attribut „Rambo vom Dienst“. Nach 35 Jahren Ehe habe seine Frau Renate von ihm erwartet, „daß ich langsam auf die Bremse trete.“ Er habe jetzt einen anderen Lebensentwurf, die Gestaltung der „DaimlerChrysler-Hochzeit im Himmel“.
REGINA-C. HENKEL
Wer seine Mitarbeiter anfaucht, gibt sich zu Hause gerne als Schmusekätzchen.

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