Personalmanagement

Kollegen ersetzen Onkel und Tante  

VDI nachrichten, Stuttgart, 5. 8. 05 – Mit einem Generationennetzwerk und weiteren klugen Einfällen hat sich der Arzneimittelhersteller Weleda zu einem familienfreundlichen Unternehmen entwickelt. Die vielen Initiativbewerbungen zeigen, dass sich dies herum gesprochen hat.

Familienfreundliche Unternehmen könnten Deutschland einen enormen Wirtschaftsschub bescheren, weist eine vor kurzem erschienene Studie der Schweizer Prognos AG nach. Für den Arzneimittelhersteller Weleda AG in Schwäbisch Gmünd geht die Rechnung von Beruf und Familie schon länger auf. Jetzt hat das Unternehmen ein Generationennetzwerk gegründet.

Zur Not hilft Barbara Rentsch auch nachts. Sie weiß ja, wie das ist. Ein krankes Kind, eine wichtige Geschäftsreise – kein Babysitter da. „Da kommen Sie ganz schön in Kalamitäten.“ Wenn es derart brennt, dürfen ihre Ex-Kollegen die 66-jährige Rentnerin jederzeit rausklingeln. Barbara Rentsch gehört zum Notfallkommando im Generationennetzwerk bei der Weleda AG in Schwäbisch Gmünd. Der Hersteller von Arznei- und Körperpflegemitteln übt eine Generationensolidarität der neuen Art aus: Wo einst Tanten, Onkel und Großeltern einsprangen oder nette Nachbarn halfen, da packen heute die Kolleginnen und Kollegen an.

Ehemalige und aktive Weleda-Mitarbeiter unterstützen sich gegenseitig, sei es für einen Freundschaftspreis oder als Tauschgeschäft nach Punkten: Ich mäh¿ dir den Rasen, du fährst mich zum Flughafen. Ich reparier¿ dir den Computer, du passt auf meine Kinder auf.

„Wir wollten dort Hilfe organisieren, wo wir sie uns einst selbst gewünscht haben“, erzählt Chemielaborantin Barbara Rentsch, die vor zwei Jahren in Rente ging. Eine betriebsinterne Umfrage habe einen enormen Bedarf an Unterstützung gezeigt: Kinderbetreuung stand auf der Wunschliste ganz oben. Gesucht wurden aber auch Hobbygärtner, Computerdoktoren und Tierfreunde, die im Urlaub die Katze füttern.

„Familienfreundlichkeit ist ein harter Standortfaktor“, erklärt Rudolf Frisch, einer von drei Geschäftsführern der Weleda AG in Schwäbisch Gmünd. Das Werk hat einen eigenen Betriebskindergarten und zählt derzeit mehr als 100 Arbeitszeitmodelle für rund 650 Angestellte. Zwei Mal pro Woche fährt der Bäcker vor, Gemüse, Obst und Bio-Lebensmittel bekommen Weleda-Mitarbeiter nach individuellem Wunsch an den Arbeitsplatz geliefert. Das spart die samstägliche Einkaufstour und gibt Sympathiepunkte.

Dass das Unternehmen besonders viel für Familien tut, spricht sich herum. Jährlich erhält die Personalabteilung Hunderte von Initiativbewerbungen auf Lehrstellen oder Arbeitsplätze. Ein klarer Wettbewerbsvorteil in Zeiten des Fachkräftemangels.

Deutschland könne von einer besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben wirtschaftlich enorm profitieren, stellte vor kurzem die Schweizer Prognos AG fest. Im Auftrag von acht Großunternehmen und dem Bundesfamilienministerium untersuchte sie die Auswirkungen von so genannten Work-Life-Balance-Maßnahmen in privaten und öffentlichen Unternehmen.

Wenn diese Arbeitnehmern die Möglichkeit böten, Kinder und Arbeit besser unter einen Hut zu bekommen, könnte das Bruttoinlandsprodukt in den nächsten 15 Jahren um fast 250 Mrd. € steigen, schätzt Prognos. Die Geburtenrate würde in diesem Fall von derzeit 1,3 Kindern pro Frau auf 1,56 Kinder pro Frau steigen. Die sozialen Sicherungssysteme würden gestärkt, die öffentlichen Haushalte um 13 Mrd. € entlastet.

Rudolf Frisch kann das Wohlwollen seiner Mitarbeiter nicht unbedingt in Zahlen ausdrücken. „Wir erleben eine Wertschätzung dessen, was der Betrieb tut“, sagt der Geschäftsführer. Den Menschen als Ganzes zu sehen – auch als Privatperson und Familienmenschen – das zählt in dem Unternehmen, dessen Stammsitz in der Schweiz liegt, zur Firmenphilosophie. Dass es sich auszahlt, zeigt die Motivation der Mitarbeiter.

Zum Beispiel Eberhard Groß: Der Marketingfachmann sitzt in seinem Büro vor einer großen Weltkarte. Ein begeisterter Netzwerker, der gerade einen Stammtisch für junge Väter organisiert hat und jetzt einen Schüleraustausch auf die Beine stellt. Kinder von Mitarbeitern sollen in den Weleda-Niederlassungen im Ausland Betriebsluft schnuppern und Kontakte knüpfen. Aus Spanien, der Schweiz, Tschechien flatterten bereits Angebote von Gastfamilien herein. Selbst Vertriebspartner aus Kroatien, Argentinien und Brasilien sind neugierig und wollen mitmachen. Ganz nebenbei entsteht so eine internationale Firmenkultur.

Ein Stockwerk höher arbeitet Isabella Quist am neuesten Weleda-Familien-Projekt. Sie ist so etwas wie die Familienbeauftragte des Unternehmens und widmet sich jetzt mit ihrem Team der Elternzeit. „Viele Unternehmen behandeln die Schwangerschaft einer Mitarbeiterin als Störfall“, sagt die Familienfachfrau.

„Zur Geburt gibt¿s einen Blumenstrauß und das war¿s“. Drei Jahre Pause – das kann fürs Unternehmen teuer werden. „Wir möchten versuchen, den Kontakt zu den Mitarbeitern in Elternzeit zu halten“, sagt Isabella Quist. Sie denkt an Fortbildungen, Vorträge und Patenschaften, damit junge Mütter und Väter nicht völlig den Anschluss verlieren.

Und noch eines ist der Familienfachfrau wichtig: „Wir wollen nicht die Kluft zwischen Kinderlosen und Familien verstärken.“ „Der ganze Mensch“ – das gilt auch für Arbeitnehmer ohne Nachwuchs.

Und so ist das Generationennetzwerk auch nicht nur ein Handel zwischen Senioren und Familien. Im Gegenteil: „Hilfe beim Einkauf“, so Isabella Quist, „wünschen sich besonders oft die kinderlosen Singles.“

KIRSTEN WÖRNLE

www.prognos.com/worklife
www.weleda.de

Erfolg mit Arzneimitteln

Zu der Unternehmensgruppe Weleda International gehören neben ihrem Stammsitz in der Schweiz, Arlesheim, und ihrer größten Niederlassung in Deutschland weitere 19 Mehrheitsbeteiligungen. Der Arzneimittelhersteller beschäftigt 1500 Mitarbeiter, davon 600 in Deutschland. Der Gruppenumsatz erhöhte sich 2004 um 7 % auf 160,8 Mio. € . KW

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