Management

Katastrophe für viele Städte

VDI nachrichten, Essen, 15. 10. 04 -Mit dem Schicksal der KarstadtQuelle AG ist die wirtschaftliche Existenz vieler Mitarbeiter, aber auch die von vielen Städten in ganz Deutschland verbunden. Die Insolvenzgefahr, in der sich das Traditionsunternehmen jetzt befindet, schränkt die Gestaltungsmöglichkeiten von Management und Belegschaft ein.

Einen Super-Gau für Hattingen“ befürchtet der Vorsitzende des örtlichen Einzelhandelsverbands, Peter Blohme, wenn das Kaufhaus in der Mittelstadt an der Ruhr geschlossen würde. „Karstadt ist für die Attraktivität unserer Innenstädte unverzichtbar“, meint Peter Benz, Oberbürgermeister von Darmstadt. „Eine Schließung wäre eine Katastrophe für die Innenstadt.“
Doch während die Zukunft von Karstadt in Hattingen noch offen ist, kann sich Benz freuen: Karstadt in Darmstadt zählt mehr als 8000 m² und bleibt somit erhalten. Betroffen von den Sparmaßnahmen werden aber auch die Darmstädter Karstadt-Beschäftigten sein.
Die bei dem Handelskonzern traditionell starke Dienstleistungsgewerkschaft ver.di „mauert“ zwar noch, wenn es um mögliche Einkommens-Zugeständnisse der Belegschaft geht.
Konzern-Sprecher Jörg Howe, der von insgesamt konstruktiven Gesprächen berichtet, wird da schon konkreter: „Grob geht es um 5 Urlaubstage, auf die verzichtet werden soll, die Arbeitszeit wird sich in Richtung 42 Stunden bewegen.“
Zuvor hatte schon der neue KarstadtQuelle-Vorstandschef Christoph Achenbach – indirekt – den Rahmen für Personalanpassungen über den Verkauf von Betriebsteilen hinaus beziffert. Für Abfindungen und Frührenten stellt er 300 Mio.  € in der Bilanz zurück. Die Trennung von einem Mitarbeiter koste „Anfang 30 000 Euro“, so dass sich ein maximaler Personalabbau von 10 000 der insgesamt 100 000 Arbeitsplätze über die Rückstellungen finanzieren ließe.
Konzern-Sprecher Howe wird denn auch deutlich: „Ich glaube nicht, dass wir ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen.“
Während die Verhandlungen unter dem Damoklesschwert der möglichen Insolvenz des Gesamtunternehmens laufen, stehen mehrere 1000 KarstadtQuelle-Mitarbeiter vor Einkommenseinbußen, ohne dass dies die Gewerkschaft verhindern kann.
Das gilt beispielsweise für den Lagerbereich. Wird die Karstadt-Logistik nämlich an ein tarifgebundenes Speditionsunternehmen verkauft werden, gilt mit dem Vertragsdatum auch für die Ex-Karstädter der Speditionstarif. Dies ist der „speziellere Tarifvertrag“, räumt Lieselotte Hinz vom ver.di-Landesbezirk NRW in Düsseldorf ein.
Damit erleiden die Mitarbeiter automatisch Einkommenseinbußen, denn der Speditionstarif ist aus ihrer Sicht schlechter als der Einzelhandelstarif, dem Karstadt unterliegt.
Einzige Abhilfe gegen die Verschlechterung wäre ein Überleitungsvertrag – doch den müssen die Gewerkschaft ver.di und die Arbeitnehmer erst bei Karstadt und beim neuen Besitzer durchfechten.
Würde die kaufende Spedition selbst keinem Tarif unterliegen, würde übrigens für die übernommenen Karstadt-Mitarbeiter ihr alter Einzelhandelstarif fort gelten. Nach einer Übergangszeit von mindestens einem Jahr kann der alte Arbeitsvertrag samt Einkommenshöhe aber vom neuen Besitzer gekündigt werden. Dass es Veränderungen in der Logistik gibt, scheint sicher: Karstadt-Chef Achenbach erklärte bereits, dass die Lager-Immobilien noch in diesem Jahr veräußert werden. Für das Logistik-Geschäft interessieren sich bereits öffentlich die Firmengruppe Fiege (Greven), Kühne & Nagel, die Bertelsmann-Tochter Arvato und die Deutsche Post mit ihrer Transport-Tochter DHL.
Über die Post mit ihrem Mehrheitsaktionär, dem Bund, könnte KarstadtQuelle übrigens indirekt gestützt werden: Nämlich dann, wenn DHL einen deutlich höheren Kaufpreis als die Konkurrenz zu bezahlen bereit oder gezwungen ist.
Ohne dass die Gewerkschaft ver.di einschreiten konnte, haben Karstadt-Mitarbeiter zum Teil in der hauseigenen Gastronomie bereits Einkommensverluste erlitten. Dort gibt es in den einzelnen Abteilungen bereits einen Haustarif, der niedriger ist als der Einzelhandelstarif. Werden diese Abteilungen – wie geplant – mit der aus Hertie-Zeiten stammenden Buffet-Gesellschaft zusammengeführt, gälte dort der Tarifvertrag der Gewerkschaft NGG – mit noch niedrigeren Einkommen, so Hinz.
Die bereits eingetretenen oder drohenden Einkommensverluste sind nicht von Pappe. Ein Kommissionierer in einer Karstadt-Logistikfirma verdient nach Einzelhandelstarif 1800  € im Monat. Nach dem Speditionstarif sind es 1550  €, also 250  € pro Monat weniger. Auch das Urlaubs- und Weihnachtsgeld würde wesentlich bescheidener ausfallen. Und wer vom Karstadt-Haustarif in „Buffet“ wechselt, hätte im Jahr noch einmal rund 1000  € weniger Einkommen als derzeit.
So schlecht die individuellen Aussichten für viele KarstadtQuelle-Beschäftigten sind, so ungewiss ist die Zukunft der 77 kleineren Filialen, die ausgegliedert werden – und der Städte, in denen sie beheimatet sind.
Ein Beispiel ist Rendsburg. Das dortige Karstadt-Haus gehört zu den zukünftigen „Karstadt-Kompakt“-Filialen. Filial-Leiter Siegfried Neumann ist optimistisch: „Wir machen weiter und schließen nicht“. Er ist sich auch der Solidarität der übrigen Einzelhändler sicher, die zumindest einen Teil ihrer Laufkundschaft dem „Magneten“ Karstadt verdanken. „Das ist ein Mitbewerber, mit dem wir gut auskommen können“, erklärt Hermann Sorge von einem benachbarten Einrichtungshaus. „Wir befruchten uns gegenseitig.“ Ob dies langfristig aber so bleiben wird, ist offen.
Neben den US-Investoren Blackstone und der Düsseldorfer Cropus-Gruppe signalisierte inzwischen auch die Hamburger Gruppe Agiv Real Estate Interesse an den Gebäuden des Essener Konzerns.
Diese sollen möglichst en block abgegeben werden – und könnten dann das Schicksal der Immobilien teilen, die die Metro AG in der Gesellschaft Divaco gebündelt und dann mit hohen Verlusten verkauft hatte. 
 MARTIN ROTHENBERG
 www.karstadtquelle.de

Von Martin Rothenberg
Von Martin Rothenberg

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