Management

„Jeder soll vom Erfolg des Unternehmens profitieren“  

VDI nachrichten, Rheda-Wiedenbrück, 22. 6. 07, ps – Westfalia-Automotive zählt zu den größten Anbietern von Anhängekupplungen. Doch der Markt ist reif, der Preisdruck hoch. Wie will das Unternehmen weiter profitabel wachsen? Wie kann es eine deutliche Wertsteigerung erzielen, die die Eigentümer – zwei Finanzinvestoren – erwarten? Fragen an den Geschäftsführer Jens Waldau.

Waldau: Wir haben eine grobe Planung, aber die kann ich nicht offen legen. Es kann sehr schnell gehen, wenn sich Gelegenheiten ergeben…

VDI nachrichten: …das heißt, Sie wollen vor allem über Akquisitionen wachsen?

Waldau: Nicht ausschließlich, aber auch. Bei Anhängekupplungen haben wir es mit einem reifen Markt zu tun. In Deutschland leben wir mit bescheidenen Wachstumsraten von unter 5 % jährlich. Damit kann man keine großen Umsatzsprünge machen.

VDI nachrichten: Zurzeit erwirtschaften Sie 60 % Ihres Umsatzes auf dem deutschen Markt, 40 % im Ausland. Im vergangenen Jahr haben Sie die französische Siarr-Gruppe übernommen. Welche Länder haben Sie als nächstes im Visier?

Waldau: Mit Siarr haben wir jetzt eine noch bessere Stellung als Erstausrüster für französische Fahrzeughersteller. Vor allem aber sind wir stärker im Geschäft mit der Nachrüstung, in dem wir bis dahin kaum vertreten waren. England und Italien sind ebenfalls wichtige Märkte mit großem Potenzial. Dort gehen wir allerdings den Weg über eigene Tochtergesellschaften. Aber auch weitere Akquisitionen schließe ich natürlich nicht aus.

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Zur Person
Jens Waldau
Der 41-jährige Diplom-Kaufmann steht seit dreieinhalb Jahren an der Spitze von Westfalia-Automotive. Der langjährige Siemens-Manager ist für Finanzen, Vertrieb und Strategie zuständig. Um die Produktion sowie Forschung & Entwicklung kümmert sich sein Geschäftsführerkollege Jochen Hahn. Waldau ist verheiratet und hat zwei Kinder. ps

VDI nachrichten: Warum halten Sie sich auf den anderen starken Automärkten in Amerika und Asien so zurück? Dort setzen Sie ja bisher kaum etwas ab.

Waldau: Die USA sind ein großer Markt, aber die Anhängekupplung wird dort insbesondere bei Pick-ups und Geländewagen eingesetzt. Bei diesen Fahrzeugtypen kommen einfache Systeme zum Einsatz, die lokal hergestellt werden. Die Verwendung von Kupplungen an Pkw der Mittel- oder Oberklasse ist im Gegensatz zur Verwendung in Europa sehr selten. Wir bedienen aber die deutschen Hersteller, die in den USA fertigen.

Die Entwicklung in Asien beobachten wir sehr genau, aber im Augenblick ist die Region als Absatzmarkt noch nicht interessant. Die Anhängekupplung hat noch keine Nachfrage, da die Menschen in den meisten Ländern dort andere Transportgewohnheiten als hier haben.

VDI nachrichten: Das heißt aber, dass der Autoboom in Asien an Westfalia komplett vorbeigeht?

Waldau: Im Augenblick lohnt sich der Markt für uns noch nicht. Wie das in fünf oder zehn Jahren aussieht, da wage ich keine Prognose. Aber mittelfristig werden wir auch weiterhin 90 % bis 95 % unseres Umsatzes in Europa machen. Da ist das Wachstum noch lange nicht ausgereizt.

VDI nachrichten: Setzen Sie alle Hoffnung auf die regionale Expansion in Europa oder haben Sie auch neue Produkte im Visier, mit denen Sie wachsen wollen?

Waldau: Wir setzen natürlich auch auf neue Produkte. Die Anhängekupplung ist mit der 50-Millimeter-Kugel ein weltweit normiertes Produkt, aber die technische Entwicklung geht weiter. Höherwertige Systeme setzen sich durch. Der Trend geht eindeutig zu schwenkbaren, in zunehmenden Maße zu elektrisch schwenkbaren, Systemen. Auch bei der Erstausrüstung laufen sie den abnehmbaren Anhängekupplungen den Rang ab. Egal ob im BMW 3er, im BMW 5er, in der neuen C-Klasse von Mercedes oder im Audi A6.

VDI nachrichten: Und je aufwändiger die Systeme, desto höher Ihr Umsatz.

Waldau: Ja, auch auf die Weise können wir wachsen. Es kommt nicht ausschließlich auf ein Plus bei den verkauften Stückzahlen an.

VDI nachrichten: Denken Sie auch an ganz neue Transportsysteme, die über die Anhängekupplung hinausgehen?

Waldau: Ja, durchaus. Wir verstehen uns als Anbieter von Transportlösungen für Automobile.

VDI nachrichten: Opel hat ja für den neuen Corsa ein Trägersystem entwickelt, das vollständig in den hinteren Stoßfänger integriert ist und mit dem sich Fahrräder und andere sperrige Gegenstände transportieren lassen. Ist das die Richtung, in die Sie marschieren?

Waldau: Das ist eine denkbare Lösung. In Deutschland, ja in ganz Europa, hält der Trend zur Freizeitgesellschaft an. Damit steigt der Bedarf an flexiblen, sicheren und auch bequemen Transportlösungen. Bei diesem Trend wollen wir ganz vorne mit dabei sein. Auch mit innovativen Produkten.

VDI nachrichten: Noch geht etwa die Hälfte Ihrer Produktion in die Erstausrüstung. Die großen Hersteller drücken massiv auf die Preise. Lässt sich im OEM-Geschäft überhaupt Geld verdienen?

Waldau: Der Druck ist groß, aber damit muss jeder Zulieferer leben. Wir nehmen es als sportliche Herausforderung, die geforderten Einsparungen über Innovationen und Prozessverbesserungen wieder einzuspielen.

Im Übrigen ist es keineswegs so, dass wir im Nachrüstgeschäft deutlich höhere Margen erzielen. In beiden Märkten ist der Preisdruck sehr hoch. Wir wären deshalb schlecht beraten, uns aus der Erstausrüstung zurückzuziehen. Zumal die Innovationen überwiegend im OEM-Geschäft im direkten Gespräch mit den Herstellern entwickelt werden.

VDI nachrichten: Sie produzieren bisher ausschließlich in den Hochlohnländern Deutschland und Frankreich. Bleibt das so?

Waldau: Der Löwenanteil der Produktion wird in Deutschland bleiben. Wir haben hier in Wiedenbrück den größten Kupplungsstandort Europas, vielleicht sogar der Welt, aufgebaut. Da ergeben sich Degressionseffekte, zumal wir ständig daran arbeiten, noch effizienter zu werden.

VDI nachrichten: Die höheren Lohnkosten hierzulande sind also eher zu vernachlässigen?

Waldau: Nein, das in keinem Fall. Der Lohnanteil an den Gesamtkosten liegt bei bis zu 20 %. Das ist schon ein dicker Brocken. Natürlich könnten wir an diesem Kostenblock sparen, wenn wir nach Osteuropa gingen. Wir haben das aber immer wieder durchgerechnet. Unter dem Strich bringt eine Verlagerung kaum Vorteile, weil die Logistik sehr teuer würde. Unsere Märkte sind aktuell in Westeuropa. Die Kupplungen müssten also über weite Strecken transportiert werden.

VDI nachrichten: Wenn Sie nicht in Rumänien oder der Ukraine fertigen wollen, könnten Sie mehr Teile zukaufen und damit Wertschöpfung verlagern. Läuft es darauf hinaus?

Waldau: Natürlich kaufen wir weltweit ein, aber bisher hat das unsere Wertschöpfung in Deutschland nicht geschwächt. Die Zahl der Mitarbeiter hier nimmt zu. Allein in diesem Jahr werden mindestens 70 Stellen hinzukommen. Allein in Deutschland liegen wir dann bei rund 650 Mitarbeitern.

VDI nachrichten: Wenn Wiedenbrück für Westfalia so attraktiv ist, warum haben Sie dann auf einem Standortsichervertrag bestanden. Der mutet Ihren Beschäftigten ja einiges zu. Bis zu drei Stunden längere Arbeitszeit etwa.

Waldau: Wie gesagt, der Wettbewerbsdruck in unseren Märkten ist enorm hoch. Da müssen wir an allen Stellschrauben drehen, um auf Dauer mithalten zu können. Ich denke, dass die meisten Mitarbeiter dafür auch Verständnis haben. Als Gegenleistung werden ihre Arbeitsplätze langfristig gesichert. Außerdem bieten wir Ihnen eine direkte Kapitalbeteiligung und Genussscheine zu äußerst attraktiven Konditionen an. Jeder hier soll vom weiteren Erfolg des Unternehmens persönlich profitieren.

VDI nachrichten: Apropos profitieren: Seit sieben Jahren gehört Ihr Unternehmen Finanzinvestoren, erst einer britischen Gesellschaft, seit gut einem Jahr der WestLB und der Beteiligungsgesellschaft Odewald. Wie hoch ist der Renditedruck, unter dem Sie stehen?

Waldau: Druck erzeugt vor allem der Wettbewerb. Unsere Investoren sind daran interessiert, dass der Wert des Unternehmens langfristig steigt. Es geht nicht um maximale Rendite im laufenden Geschäft. Unsere Erfahrungen mit Finanzinvestoren sind positiv und ganz anders als das in den Medien häufig dargestellt wird. Das Managementteam kann frei arbeiten. Und wir haben dank der Investoren einen hochkarätig besetzten Beirat mit ehemaligen Topmanagern von Porsche oder Bosch. Es geht also weniger um Kontrolle und Druck als um Unterstützung bei strategischen Fragen.

VDI nachrichten: Dennoch sind Finanzinvestoren Eigentümer auf Zeit. Sie wollen bei günstiger Gelegenheit Kasse machen. Sitzen Sie als Geschäftsführer nicht auf einem Pulverfass?

Waldau: Nein, ich habe keine Zweifel, dass das Engagement von WestLB und Odewald auf mittlere Sicht angelegt ist. Wir haben klare strategische Ziele, die wir gemeinsam erreichen wollen.

VDI nachrichten: Aber was kommt danach?

Waldau: Ich persönlich würde mir einen Börsengang wünschen. Aber vielleicht gibt es auch einen strategischen Investor. Da muss man abwarten, welche Möglichkeiten sich in vielleicht drei oder vier Jahren ergeben. PETER SCHWARZ

Von Peter Schwarz

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