Management

„Jede Innovation braucht individuelles Management“

Der Industriestandort Deutschland ist stärker, als es gegenwärtig scheint. Das gewaltige Innovationspotential muss nur endlich erschlossen werden, heben Fraunhofer-Forscher hervor. Systematisches, individuelles Innovationsmanagement kann hier den Durchbruch bringen, wie Wilfried Sihn, stellvertretender Leiter des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) aufzeigt.

Jüngste Berichte der EU-Kommission, des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und auch die viel zitierte Pisa-Studie zeichnen ein überraschend düsteres Bild des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Zu den Versäumnissen, die unter anderem in diese missliche Situation geführt haben, gehört mit Sicherheit mangelndes Management der Innovationstätigkeit und strategische Produktplanung in Unternehmen.
Die Dynamik der Märkte birgt stets Unwägbarkeiten und Überraschungen. Es gilt, die Chancen zu erkennen und zu nutzen, die sich daraus ergeben. Mit abgeleiteten neuen sowie vorhandenen Ideen lassen sie sich vielfach am besten ergreifen und Gewinn bringend realisieren. Unternehmer und Manager sollten das nicht unterbewerten, tragen sie doch Verantwortung für die gesicherte Zukunft ihres Unternehmens und seiner Mitarbeiter. Sie wissen, dass sich kein Produkt, und sei es noch so begehrt, beliebig lange im gewohnten Umfang verkaufen lässt. Durch radikale Innovationen kann es sogar gänzlich aus dem Markt gedrängt werden.
Branchen- und Technologieexperten stellen fest, dass große Innovationspotentiale brachliegen. Sie können nur dann mobilisiert werden, wenn sich ein eigenständiges Innovationsmanagement kontinuierlich um ein zukunftsfähiges Innovationsreservoir kümmert und damit sicherstellt, zur richtigen Zeit mit dem richtigen Produkt auf dem richtigen Markt aufzutreten. Dieses Innovationsmanagement muss zu einer internen Institution werden, die ebenso selbstverständlich ist wie etwa das Finanz- und das Personalwesen. Es hat gewissermaßen dafür zu sorgen, dass sich ein strukturiertes „Querdenken“ entwickelt. Aus dessen Ideenvorrat werden nach jeweils spezifischen Evaluierungskriterien Innovationsprojekte herausgefiltert und dann über ein gezieltes Technologiemanagement in die Produkt- bzw. Produktionsentwicklung integriert.
Das Innovations- und Technologiemanagement sollte Bestandteil der Unternehmensorganisation und einer dafür geeigneten Unternehmenskultur sein, zu deren Leitbildern auch visionäre Ziele gehören. Die innovationsorientierte Strategie muss vom Management gewollt, vorgelebt und von den Mitarbeitern verantwortlich mitgetragen werden. Dies setzt eine Identifikation mit der Unternehmensstrategie und eine offene Kommunikation im Unternehmen voraus. Gleichermaßen wichtig ist das Gespräch mit den angestammten und potenziellen neuen Kunden. Sowohl bei der Erkundung künftiger Märkte und der Bewertung von Innovationspotentialen, als auch bei der zielstrebigen und zügigen Umsetzung beschlossener Innovationsprojekte tun sich viele Unternehmen schwer. Oftmals sind die Führungskräfte gerade in klein- und mittelständischen Unternehmen im Routinegeschäft des Alltags viel zu sehr gefangen, um die Sicherung der Zukunft aktiv zu betreiben. Hilfestellungen können aber von außen gegeben werden, um den Blick zu weiten für die Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens durch möglichst konkurrenzlose Innovationen, die konsequent umgesetzt und vermarktet werden.
Generell sollte das Innovationsmanagement mit der systematischen Ideenfindung beginnen, die sich keineswegs auf eine „innovative“ Fortschreibung des bestehenden Produktportfolios beschränken muss. Hier sind gerade auch in der Startphase gewagte Visionen und Ideen gefragt: Sie bereichern zusammen mit nahe liegenden Produkt- oder Fertigungsinnovationen den immer erneut zu bewertenden Vorrat an Potentialen und Optionen. Dieser Vorrat wiederum muss ständig hinsichtlich Marktrelevanz, Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und weiterer Parameter bewertet werden, um eine abgesicherte Auswahl treffen zu können. Das alles ist Sache des Innovationsmanagements und sollte parallel zu dem täglichen Unternehmensgeschehen ablaufen.
Die Bewertung einer innovativen Idee ist vielfach der schwierigste Teil im gesamten Innovationsprozess. Eine darauf basierende Projektentscheidung soll schließlich nicht in einer teuren Fehlentwicklung enden oder von einer Parallelentwicklung der Konkurrenz konterkariert werden. Die Scheu des Unternehmers vor dem einzugehenden Risiko ist besonders dann verständlich, wenn er mit einer Innovation in ihm wenig bekanntes Neuland vordringen soll. Er muss den Zukunftsmarkt klar überblicken, seine eigenen personellen und technischen Kompetenzen genau kennen. Zudem muss er nicht nur die in Frage kommenden aktuellen Produkt- und Produktionstechnologien beherrschen, sondern auch Zukunftstechnologien beurteilen, die ihm zu einer Spitzenposition verhelfen können. All das wird selten ohne einen innovationsorientierten Technologieberater möglich sein. Dieser verfolgt einerseits beständig die Vielfalt der technologischen Entwicklungen und kann deren Anwendungsmöglichkeiten beurteilen. Andererseits befähigt er die Unternehmen durch die Installation einer Instanz für das strategische Technologiemanagement zu einer zukünftig eigenständigen und marktorientierten Technologieplanung.
Das Technologiemanagement ist der Treiber, radikale Innovationen zielgerichtet und erfolgreich in den Märkten zu platzieren. Innovations- und Technologiemanagement befruchten sich gegenseitig. Neue Ideen verlangen oftmals neue Technologien, und diese können auf der Produkt- und/oder Prozessseite Innovationen auslösen. Das Technologiemanagement, kurz TM, muss allerdings differenziert betrachtet werden. Das strategische TM plant und definiert die Entwicklung, indem es sie kontinuierlich sowohl produkt- als auch produktionsseitig an Markt- und Techniktrends anpasst. Das operative TM setzt dagegen die festgelegte Technologiestrategie um.
Für das strategische TM bedient sich das IPA der sogenannten Technologie-Roadmaps, die ähnlich einer Straßenkarte den richtigen Weg zum Ziel finden helfen: der Festlegung der Technologien für Produkte von morgen. Auf vier Ebenen werden die strategischen Ziele transparent, die den Markt, die Produkt- und die Produktionsentwicklung und nötigenfalls auch organisatorische Angelegenheiten betreffen.
Auch das operative TM sollte ebenso wie das strategische TM methodisch unterstützt werden. Häufigen Einsatz finden dabei Reengineering, Marktstudien und Benchmarking. Im Rahmen des Produkt-Redesign werden die Produkte bezüglich Funktionalitäten, Material und Herstellkosten optimiert sowie geeignete Produktionstechniken abgeleitet. Diese werden dann systematisch in Produktionsprozesse überführt, die den definierten Zielen und wirtschaftlichen Anforderungen gerecht werden.
Innovations- und Technologiemanagement mit ihren unterstützenden Methoden tragen dazu bei, den Unsicherheit verbreitenden Nebel vor Innovationsentscheidungen zu lichten. Die Zukunft bleibt ungewiss, aber zukunftsfähige innovative Wege werden sichtbar, kalkulierbar und beherrschbar. Dies ist eine unabdingbare Voraussetzung für die deutsche Wirtschaft, um Spitzenpositionen im globalisierten Wettbewerb zu sichern oder erneut zu besetzen. WILFRIED SIHN

Von Wilfried Sihn

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